04.10.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Nicht in der Lage, richterlich Auflagen zu erfüllen
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Das Sorgerecht hat Britney Spears verloren, doch darf sie ihre Söhne nun immerhin besuchen. Dabei lag es allein an der Sängerin, dass dem Richter der Kragen geplatzt ist.
Geschieden, gescheitert, geschmäht. Wenn man glaubt, Britney Spears sei schon tief gefallen, es geht immer noch ein Stück weiter runter. Freunde, Anwälte und Manager haben die einstige Prinzessin des Pop bereits verlassen, jetzt musste sich die 25-Jährige auch von ihren Kindern trennen. Richter Scott M. Gordon vom Superior Court in Los Angeles hatte ihr am Montag zumindest vorübergehend das Sorgerecht für die beiden Söhne Sean Preston und Jayden James abgesprochen. Am gleichen Tag händigte sie ihrem Ex-Mann Kevin Federline die gemeinsamen Kinder aus. Die Übergabe fand auf dem Parkplatz einer Fast-Food-Kette statt. Danach sei die kinderlose Mutter erst mal shoppen gegangen, berichtete «E!Online». Und ins Solarium.
Am Mittwoch kam der Richter der Sängerin entgegen: Sie darf nun ihre beiden Söhne besuchen, allerdings bleibt das vorläufige Sorgerecht weiterhin beim Vater, ordnete Gordon nach einer dreistündigen Anhörung an. Zu dem Termin war Federline vor Gericht erschienen, Spears hatte ihre Anwälte geschickt. Am 26. Oktober müssen sie beide vor den Richter treten.
Auch Federlines Eignung als Vater steht auf dem Prüfstand. «Schockierend» nannte der US-Fernsehsender MSNBC am Dienstag die Entscheidung mit Verweis auf das zweifelhafte väterliche Pflichtbewusstsein des 29-jährigen Tänzers. Denn dieser hatte einst seinen Nachwuchs aus einer anderen Verbindung ohne Gewissensbisse zurückgelassen, als ihn Spears - damals noch auf der Höhe ihrer Karriere und privat (fast) unbescholten - um das Jawort bat.
Die Anti-MutterNoch mehr aber als Federline wird jedoch Spears selbst von den US-Medien gescholten. «Jetzt ist es offiziell: Britney Spears ist die schlimmste Mutter, die es je in Hollywood gab», schrieb die «New York Daily News». Das Blatt stellte den Vergleich zu anderen «Rabenmüttern» her: Joan Crawford, Lana Turner, Judy Garland und «Mommy» Michael Jackson, der seinen Sohn in Berlin vom Hotelbalkon baumeln ließ. Pech für Spears, dass ihre schwache Phase ausgerechnet ins «goldene Zeitalter der Hollywood-Mütter» fällt - mit fürsorglichen Paradebeispielen wie Angelina Jolie, Julia Roberts, Reese Witherspoon, Gwyneth Paltrow oder Gwen Stefani.
Lediglich der Musiksender MTV, bei dessen jüngster Preisverleihungs-Gala Spears vor laufenden Kameras ihr Comeback versaute, zeigt Mitgefühl: Ihr Verhalten als junge Mutter sei von der Öffentlichkeit wie «unter einem Mikroskop» beäugt worden. Dennoch scheute sich MTV nicht, den Niedergang des Pop-Talents («Oops, I Did It Again») in zeitlicher Folge zu dokumentieren.
Demnach begann alles mit dem Bekanntwerden ihrer Trennung von Federline im vergangenen Herbst. Nach nur zwei Jahren - und zwei Kindern - hatte Spears ihm per SMS den Laufpass gegeben. Es war bereits das Aus für ihre zweite Ehe: 2004 hatte die Sängerin in Las Vegas aus Jux ihren Sandkastenfreund Jason Alexander geheiratet - der Bund fürs Leben wurde aber schon nach 55 Stunden annulliert. Angeblich vom Management.
Kahl rasiertDem Bruch mit Federline folgte ein Bruch aller Tabus: Spears feierte Nacht für Nacht ausschweifende Partys. Sie gelangte mit Alkohol-Exzessen und Bildern nackter Tatsachen in die Schlagzeilen. Am Ende schien sie sich durch einen radikalen Schritt von ihrem Seelenmüll befreien zu wollen: Sie stürmte in einen Friseurladen in Los Angeles, griff zum elektrischen Rasierer und verwandelte sich in einen Kahlkopf. Mit den langen blonden Haaren ließ der einst brave Popstar sein Image auf dem Fußboden zurück.
Es folgten mehrere immer wieder abgebrochene Aufenthalte in Entzugskliniken, bis sie es in Malibu endlich drei Wochen aushielt. Doch direkt danach ging es zurück ins Partyleben mit Alkohol und Drogen. Die amerikanische Boulevardpresse kanzelte sie ab, weil sie nackt in Anwesenheit der Kinder durchs Haus gegangen sei, wie ein Ex-Bodyguard berichtete. Ein weiteres «Vergehen»: Sie nahm die Kleinen am späten Abend mit in ein Restaurant, als diese längst ins Bett gehört hätten.
Dann kam auch noch die Anzeige wegen Fahrerflucht: Spears war, vom Blitzlicht der Paparazzi irritiert, auf einem Parkplatz in ein anderes Auto gekracht und hatte ihre Adresse nicht hinterlassen. Anschließend fuhr sie die Kinder ohne gültigen - kalifornischen - Führerschein spazieren, allerdings wohl mit der Fahrerlaubnis ihres Heimatstaates Louisiana.
Nicht in der LageJetzt wurde es Richter Gordon zu bunt. Nach Angaben des Internetdienstes TMZ.com nahm er ihr die Kinder weg, weil Spears jede seiner Auflagen ignoriert hatte. Sie sei weder zum Drogen- und Alkoholtest noch zur Drogen- und Erziehungsberatung erschienen. Der Anwalt der Sängerin, Sorrell Trope, räumte gegenüber der Zeitschrift «People» ein: «Wir waren nicht in der Lage, die Vorschriften des Richters zu erfüllen.»
Mittlerweile wurde Spears ein vorläufiger kalifornischer Führerschein bewilligt. Sie werde nun hoffentlich endlich aufwachen, zitierte die «New York Times» einen früheren Bodyguard. Es wäre an der Zeit. (dpa/nz)