Mädels, zieht euch wieder an
17.09.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Da, wo ein Nacktfotoskandal einst Miss America den Titel kostete, wo eine ganze Nation durchdrehte, als Janet Jackson einen gepiercten Busen zeigte, hält sich die jüngste Aufregung um Nacktfotos der gerade 18-jährigen Vanessa Hudgens aus Walt-Disneys ultrareinem «High School Musical» derzeit in Grenzen. Vor allem nachdem der Nachwuchsstar sich öffentlich entschuldigt, und der doch sonst so auf sittliche Sauberkeit bedachte Disny-Konzern versichert hat, weiter mit ihr arbeiten zu wollen.
In Zeiten expliziter Sexszenen im Vorabendprogramm habe sich das Verhältnis zur Nacktheit entspannt, sagt kein Geringerer als ein Medienwissenschaftler von einer New Yorker Jesuiten-Universität. Die Gesellschaft werde erwachsen, und das sei etwas Gesundes.
Ein Kollege spricht gar von Heuchelei angesichts der Reaktion auf Jacksons «Nipplegate» vor drei Jahren: «Während die Leute eine Umfrage zum Thema Nacktheit ausfüllen, kreuzen sie mit der einen Hand an, dass es zu viel Sex und Gewalt im Fernsehen gibt, während sie mit der anderen Hand nach solchen Inhalten suchen.» Bei all den Gefahren, die die Jugend Amerikas bedrohen, sei Jacksons Brust nicht unbedingt dabei.
Die Selbstentblößung hat ihren PR-Effekt verloren, ob nun professionell ausgeleuchtet oder nicht. Für das Publikum ist das erotische Posen mittlerweile sogar eher Indikator für einen Karriereknick.
Einer, von dem derzeit keiner mehr redet, der die Nackheitsfalle aber schon früh begriffen und ad absurdum geführt hat, ist Robbie Williams. Der zog sich im blutigen Video zu «Rock DJ» bis auf die Knochen aus. Nackter geht's nicht.

