12.09.2007
Herausgeber: netzeitung.de
'In der Schule war Musik eine Katastrophe'
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Von «Rain Man» bis «Simpsons». Hans Zimmer gehört zu den erfolgreichsten Filmkomponisten Hollywoods. Am Mittwoch wird er 50 Jahre alt.
Für eine Karriere in der Musik schien der Frankfurter Junge wirklich nicht gemacht. Sein Klavierlehrer gab nach zwei Wochen entnervt auf, im Musikunterricht hatte er meistens eine Vier. Ein Lehrer warf sogar einmal einen Stuhl nach ihm, und eine musikalische Ausbildung genoss er nie. Gereicht hat es trotzdem, zum Beispiel für einen Oscar, einen Grammy und zwei Golden Globes: Hans Zimmer ist einer der erfolgreichsten Filmkomponisten Hollywoods und der Welt. Geboren wurde er vor 50 Jahren in Frankfurt.
«In der Schule war Musik eine Katastrophe», erinnert sich Zimmer heute. «Aber man muss nicht unbedingt in die Schule gehen, um Musik im Kopf zu hören.» Heute bedauert er die fehlende musikalische Ausbildung und findet seine eigene Orchestrierung «naja, manchmal ein bisschen merkwürdig»: «Ich arbeite schließlich ständig mit professionellen Musikern zusammen, und das ist schon toll, was die in der Schule gelernt haben. Aber ich bin halt meinen eigenen Weg gegangen.»
Der führte Zimmer zuerst nach England. Hier landete er als Keyboarder zusammen mit den Buggles einen ersten Hit: «Video Killed the Radio Star» - immerhin Platz 1 in den englischen Charts. Wohlstand bedeutete der Erfolg nicht, Zimmer hielt sich mit dem Schreiben von Werbemusik über Wasser. «Die ersten 12, 15 Jahre als Musiker waren all die Klischees: Kein Geld, Konto immer überzogen, Elektrizität wurde mir auch mal gesperrt - es war alles dabei.» Bis Stanley Myers kam. Der Filmmusikkomponist, der den Welterfolg «Cavatina» aus dem Vietnamkriegsepos «The Deer Hunter» schrieb, beschäftigte Zimmer als Assistenten.
Und dann kam 'Rain Man'Bald schrieb Zimmer die ersten eigenen Kompositionen für Filme. Die Kassenschlager blieben ihm noch versagt, doch die CD mit der traditionell angelegten Musik zu dem Apartheitdrama «A World Apart» gefiel der Ehefrau von Barry Levinson. Sie empfahl ihrem Mann, Zimmer für seinen neuesten Film unter Vertrag zu nehmen: «Rain Man» wurde ein Welterfolg und Zimmers «Leaving Wallbrook» gleich mit. Die erste Oscar-Nominierung des Deutschen mit einem Song, der in den folgenden Jahren dutzendfach benutzt wurde - von der Werbung bis zur Titelmusik der «Spiegel-TV-Reportage».
Der Durchbruch war geschafft und die Aufträge für Filmhits folgten: Der Actionfilm «Black Rain» und das Romantikdrama «Miss Daisy und ihr Chauffeur» waren dabei, die Liebeskomödie «Green Card» ebenso wie wie «Thelma & Louise». Mit dem trotz Starbesetzung mäßig erfolgreichen «Backdraft - Männer, die durchs Feuer gehen» erprobte Zimmer dann erstmals einen «Wall-to-Wall-Score». Heute sind Soundtracks, die den Film von Anfang bis Ende begleiten, Standard. Zugleich hatte er den «Zimmer-Sound» entwickelt: Voluminöse Musik mit kräftigen Tönen, elektronisch erzeugte Geräusche, die allein gar nicht als Melodie erscheinen, aber die Atmosphäre eines Films nachhaltig prägen.
Folklore und ActionDer «Zimmer-Sound» ist zugleich der Fluch des Komponisten. Seine romantischen Stücke wie zu «Nine Months» mit Hugh Grant oder die ruhigeren Werke wie «Ein schmaler Grat» («Ich glaube, mein Lieblingswerk.») werden weniger mit ihm in Verbindung gebracht als die pompösen Musikepen wie zu «Projekt: Peacemaker», «Mission: Impossible II» oder «Fluch der Karibik». Dabei verweisen Experten darauf, dass der eigentliche Zimmer-Sound der ist, der moderne und sehr traditionelle Musik vereint. Die CDs von «Black Hawk Down» oder «Gladiator» könnte man teilweise eher im Folkloregenre vermuten als bei den Soundtracks für Actionfilme.
Mit «Folklore» hat Zimmer auch seinen Oscar gewonnen und «Der König der Löwen» zu einem der meistverkauften Filmmusiken aller Zeiten gemacht. Weitere «Oscars» will er nach eigenem Bekunden nicht - die Warterei und die Anfragen seien zu stressig. Stattdessen puzzelt Zimmer lieber in Los Angeles an neuen Melodien. Die letzte CD war die zum «Simpsons»-Film, die nächste, kontrastreicher geht es kaum, ist die zum neuen «Batman».
Deutschland ist für Zimmer immer noch Heimat: «Die ganze Reihe Bücher, die ich liebe, sind alles deutsche Bücher. Auch die Musik» - von Beethoven bis Kraftwerk, «alles deutsch». Arbeiten würde er auch gern mal wieder in Deutschland, aber daraus wird wohl nichts: «Wenn ich da gefragt hätte, ob ich da mal einen «Tatort» machen könnte oder so etwas, dann hätte das gleich geheißen, nein, tut uns leid, aber ohne Musikhochschule geht das nicht.» (Chris Melzer, dpa)