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Die Jahrhundertprinzessin

31. Aug 2007 07:57
Nach Dianas Tod kam es zu einem Ausbruch von Massenhysterie
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Sie war die meist fotografierte Frau des 20. Jahrhunderts, die «Königin der Herzen» und ihr Tod versetzte die halbe Welt in Trauer: Vor zehn Jahren starb Prinzessin Diana.

Der 31. August des Jahres 1997 war nach britischer Zeit gerade drei Stunden und 15 Minuten alt, als der Anruf aus Paris kam. Fassungslos hörte Prinz Charles, was Botschafter Sir Michael Jay mitzuteilen hatte: Diana, die Prinzessin von Wales, sei gerade von den Ärzten im Hôpital Salpêtrière für tot erklärt worden. «Der Prinz brach zusammen», berichtete die Diana-Biografin Tina Brown später. «Er wurde von einem Sturm der Gefühle übermannt - Sorge um die Kinder, Schuldgefühle, die schreckliche Gewissheit, wie verrückt die Öffentlichkeit reagieren würde.»

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Mit der Nachricht vom Tod der Prinzessin begann eine der denkwürdigsten Wochen in der Geschichte des Königreiches. Eine Woche, in der die Briten ihre «steife Oberlippe» verloren, ihre Fähigkeit, auch im Angesicht von Tragödien kühl Haltung zu bewahren. Vor laufenden Kameras weinten Menschen rückhaltlos. Zehntausende strömten mit Blumen und Kränzen zum Kensington-Palast, der Residenz Dianas, und zum Buckingham-Palast, dem Amtssitz der Queen.

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Das Königreich, so der Autor Jonathan Freedland, erlebte «einen Ausbruch von Massenhysterie». Tony Blair, der gerade erst Premierminister geworden war, erklärte Diana sofort zur «Prinzessin des Volkes». Der Beiname trug zur Verklärung einer launenhaften, nicht übermäßig intelligenten, aber attraktiven und irgendwie liebenswürdigen Blaublütigen zu einer Heiligen bei, die sie in Wirklichkeit nie war.

Sie wurde zur Heiligen, die sie nie war

Tony Blair erklärte sie zur
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Als sich die Nachricht vom Tod der Prinzessin verbreitete, lag Mutter Teresa, die «Missionarin der Nächstenliebe», in Kalkutta im Sterben. Sie war Diana begegnet, hatte deren Engagement für Arme und Aids-Kranke geschätzt. Den Tod der 36-Jährigen nannte sie «sehr traurig». Zum Erstaunen vieler fügte sie hinzu: «Aber in gewisser Weise ist es die richtige Zeit.»

Dass Diana heute in den Köpfen und Herzen so vieler Menschen weiterlebt, liegt für Charles Moore auch an ihrem frühen Tod. «Wenn sie weitergelebt hätte, dann wäre ihr Stern verblasst», schrieb der damalige Chefredakteur der seriösen britischen Tageszeitung «Daily Telegraph» jetzt.

«Wo ist unsere Königin? Wo ist ihre Flagge?»

Längst hatten sich die Medien auf die Glamour-Prinzessin eingeschossen. Berichte über ihre Eskapaden, ihre wechselnden Liebhaber, ihren Kampf gegen den Ex-Mann und dessen Freundin Camilla hatten in den Wochen vor ihrem Unfalltod einen feindlichen Unterton bekommen. «Und es wäre nur noch bergab gegangen», sagt Moore. «Indem sie starb, hat Diana jedoch eine Art Aussöhnung bewirkt.»

Was als vermeintliches Märchen begann, wurde zur Tragödie
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Die kam allerdings erst später. Zunächst erlebte das Königreich turbulente Tage, in denen die Monarchie ins Wanken geriet. Die Wut des Volkes über die zögerliche und nicht gerade traurig wirkende Reaktion von Elizabeth II. auf den Tod ihrer ungeliebten Ex-Schiegertochter fasste die Boulevardzeitung «Sun» in diese Schlagzeile: «Wo ist unsere Königin? Wo ist ihre Flagge?»

Die Queen vergrub sich tagelang in ihrer Sommerresidenz Balmoral in Schottland. Dass über dem Buckingham-Palast in London keine Flagge wehte, hatte zwar protokollarische Gründe. Der «Royal Standard» wird grundsätzlich nur aufgezogen, wenn die Monarchin anwesend ist, und niemals weht er Halbmast. Doch die Königin brauchte aus Sicht ihrer aufgewühlten Untertanen zu lange, um eine Geste der Trauer zu zeigen.

Queen Mum war «von Herzen» traurig

Diana Frances Spencer 1970
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Schließlich wurde statt der königlichen Flagge die Staatsfahne, der Union Jack, zur halben Masthöhe aufgezogen. Und die Monarchin ließ sich endlich bei den trauernden Massen vor dem Buckingham-Palast sehen. In ihrer ersten Live-Ansprache im Fernsehen seit fast 40 Jahren versicherte sie dem Volk, als Königin sowie als Großmutter der Diana-Söhne William und Harry sei auch sie «von Herzen» traurig.

Das war am 5. September 1997, am Vorabend der Beisetzung Dianas. Für diesen Anlass hatten die Zeitungen noch einmal umfangreiche Ausgaben mit Berichten über ihr Leben und Sterben vorbereitet. Dann platzte am Abend eine Eilmeldung in die Redaktionsstuben: «Mutter Teresa gestorben». «Da standen wir dumm da», erinnert sich Blattmacher Moore. «Plötzlich hatten wir eine tote wirkliche Heilige, aber keinen Platz mehr in der Zeitung.» (Thomas Burmeister/dpa)

 
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