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Hinter Dianas Tragödie

28. Aug 2007 09:31
Morton: 'Dianas Tod war ein Unfall'
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Für den Biograf Andrew Morton zeichnete Lady Di die Wahrheit über ihr Leben auf Tonband auf, die vom Palast gefürchteten «Diana Tapes». Zehn Jahre nach ihrem Tod erinnert der Autor sich an die Prinzessin.

Die Welt sollte von ihrem Martyrium erfahren. Alle sollten wissen, dass ihr Leben im Kreise der königlichen Familie nicht das Märchen war, als das es nach außen dargestellt wurde. Und so entschied sich Prinzessin Diana Anfang der neunziger Jahre, ihre wahre Geschichte zu erzählen. Sie tat dies mit Hilfe des freien Journalisten und Autors Andrew Morton: Die Prinzessin sprach ihre Erlebnisse auf Tonband, Morton machte daraus ein Buch. Die Biografie «Diana - Her True Story» schlug beim Erscheinen 1992 wie eine Bombe im Königreich ein.

Das Buch erregte so großes Aufsehen, weil es mit den Worten Dianas erstmals die Wahrheit über ihre zerrüttete Ehe mit Charles ans Licht brachte. Es zeigte, wie sehr die Prinzessin hinter den Palastmauern litt - unter der Affäre von Charles und seiner Dauer-Geliebten Camilla, der Kaltherzigkeit der Queen und ihrer eigenen Essstörung. «Zu dieser Zeit glaubte noch jeder an das Märchen, und ich war derjenige, der erzählte, dass der Kaiser gar keine Kleider anhat», schildert der heute 53-jährige Morton seine damalige Rolle.

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Morton hatte die königliche Familie bereits mehr als zehn Jahren als freier Journalist begleitet und zahlreiche Bücher veröffentlicht, als ihm Diana von sich aus ihre traurige Lebensgeschichte anbot. «Sie kannte mich und wusste, dass ich unabhängig vom Buckingham Palast und unabhängig von Zeitungen war», sagt Morton. Er habe ihr auch bereits bei kleinen Fragen als Berater gedient, beispielsweise wie sie am besten die Kündigung für ihren Friseur verfasse. Morton hat Diana nie persönlich getroffen, die gesamte Arbeit zu dem Buch verlief über einen Mittelsmann. Morton gab ihm Fragen, die dieser zu Diana in den Kensington Palast brachte. Dort zeichnete die Prinzessin ihre Geschichte mit einem Kassettenrekorder auf.

«Sie war ein sehr mutiger Kollaborateur»

Die inzwischen berühmten «Diana Tapes» wurden Morton auf fast schon geheimdienstliche Weise zugespielt. «Sie war ein sehr mutiger Kollaborateur», sagt er über die damals 30-jährige Prinzessin. Sie habe gewusst, worauf sie sich eingelassen habe. «Sie wusste aber auch, dass dies ihr einziger Ausweg ist.» Die mehr als einjährige Arbeit an dem Buch absorbierte Morton völlig: «Es war, als würde man Schach auf drei Ebenen spielen.» In erster Linie habe er Dianas Vertrauen nicht enttäuschen dürfen und ihr Geheimnis wahren müssen. Zur selben Zeit habe er ihre Freunde zum Sprechen bringen müssen, ohne dass sie unbedingt wussten, dass Diana selbst involviert war. «Außerdem musste das alles vor den britischen Medien und dem Buckingham Palast geheim gehalten werden. Der kleinste Ausrutscher hätte das Ende des Projekts bedeutet.»

Während seiner Recherchen hatte Morton Angst, jemand könne sein Telefon abhören, in sein Büro einbrechen und seine Unterlagen durchforsten. «Ich erhielt Anrufe von mehreren Leuten, die mir erzählten, dass Scotland Yard im Buckingham Palast ermittelt, um herauszufinden, wer mein Maulwurf ist», sagt der Autor. Er habe nur über öffentliche Fernsprecher und verschlüsselt kommuniziert. «Es ist heute kaum mehr nachzuvollziehen, welche Paranoia damals herrschte.»

Wenige Monate später folgte die Trennung

Alles andere als ein Märchen: Die Ehe mit Prinz Charles
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Als das Buch im Juni 1992 erschien, leugnete die Prinzessin zunächst, etwas damit zu tun zu haben und Morton zu kennen. «Sie tat das, um sich zu schützen», erzählt Morton. Doch indem sie öffentlich zu den im Buch genannten Informanten aus ihrem Freundeskreis stand, machte sie deutlich, dass der Inhalt der Wahrheit entsprach. Wenige Monate später trennten sich Diana und Charles offiziell.

Mit ihrem Buch habe Diana etwas für die Frauen in aller Welt erreicht, sagt Morton. «Sie hat gezeigt, dass mit Mut, Entschlossenheit und Willen Frauen einen höheren Grad an Unabhängigkeit erreichen können.» Die königliche Familie habe sich jedoch erst nach ihrem Tod geändert. Dianas Tod hält Morton eindeutig für einen Unfall. Er habe selber dazu recherchiert. Zwar gebe es noch viele ungeklärte Fragen und bei den Ermittlungen seien unglaubliche, ja mysteriöse Dinge passiert. «Aber ich bin kein Freund von Verschwörungstheorien», sagt Morton. «Allerdings war es eine wirklich wahre Tragödie.» Die Heldin sei gerade an dem Punkt gewesen, etwas Frisches und Neues zu beginnen. (Simone Utler/AP)

 
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