26.08.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Bushido bei seinem umstrittenen Auftritt
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Ausgerechnet Skandalrapper Bushido trat in Berlin auf einem Konzert gegen Gewalt an Schulen auf. Die Fans waren begeistert, eine Homosexuellen-Vereinigung demonstrierte gegen den Auftritt.
Bis zuletzt waren selbst die Veranstalter unsicher, ob Bushido kommen würde. Zehntausende Musik-Fans ließen dann aber vor dem Brandenburger Tor in Berlin am Samstag bei einem Konzert gegen Gewalt an Schulen keinen Zweifel daran, wen sie auf der Bühne sehen wollten. Mit Minuten langen Sprechchören schrie die begeisterte Menge den umstrittenen Rapper regelrecht auf die Bühne und feierte ihn.
Dort zeigte er sich unbeeindruckt von der seit Wochen gegen ihn anhaltenden Kritik an seinen häufig von Gewalt geprägten Texten - und keilte verbal gegenüber Politikern zurück. Nach Angaben der Initiatoren, der Jugendzeitschrift «Bravo» und dem Musiksender VIVA, waren es 110.000 Menschen, die sich rund um das Wahrzeichen der Hauptstadt und auf der Straße des 17. Juni drängten.
Lautstarke BegrüßungSechs Stunden lang bejubelten sie bis in den Abend hinein ihre Idole wie die Sängerinnen Sarah Connor und LaFee oder die Bands Monrose, US5 und Mia. Wohl am lautesten wurde aber der Rapper Bushido begrüßt. Dabei sorgte sein geplanter Auftritt über Wochen für Schlagzeilen. Oppositionspolitiker in Berlin sowie Lesben- und Schwulenvereinigungen hatten teilweise ein Auftrittsverbot für den Rapper gefordert, der immer wieder wegen drastischer Texte voller Gewalt aneckt.
Nach Angaben der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien wurden seit 2005 mehrere Alben des Rappers auf den Index gesetzt. «Es geht heute nicht um die Demonstration von den Schwulen gegen mich», sondern es gehe um das Thema Gewalt. Dieses Thema werde auch von den Politikern gern kleingeredet. «Auch in Sachsen ist Gewalt gegen Ausländer nicht okay», sagte der Deutsch-Tunesier mit Blick auf die ausländerfeindlichen Übergriffe im Ort Mügeln vor einer Woche.
Kritik an PolitikernAber viele Politiker würden lieber auf den bösen Rapper Bushido schauen und schimpfen, als sich um rechtsextreme Umtriebe zu kümmern. Dennoch gab der Rapper, der schon einige Male mit dem Gesetz in Konflikt gekommen ist, seinen jungen Fans eines mit auf den Weg: «Nehmt mich nicht als Vorbild.»
Am Ende seines rund 45-minütigen Auftrittes warf Bushido das Handtuch - allerdings nur in die kreischende Menge. Die Kritik an Bushidos Auftritt nannten drei Jugendliche aus Magdeburg «Schwachsinn». Das Trio war extra wegen des in Berlin lebenden Rappers angereist. «Der passt hier nicht hin», meinte dagegen die 18- jährige Berlinerin Claudia Mekelburg. «Gewalt hat an Schulen nichts zu suchen», sagte ihre 17-jährige Begleiterin, Vanessa Beckert.
Demonstration gegen AuftrittOb das Konzert eine geeignete Veranstaltung sei, um gegen Gewalt in Schulen aufzurufen, bezweifelte die Hamburgerin. «Es ist gut gemeint, aber ich denke, es hilft nichts.» Wenn erst die Schule wieder beginne, werde man zur Tagesordnung übergehen. Und tatsächlich stand bei dem Konzert, bei dem viele Eltern ihre jubelnden und heftig winkenden Kinder auf die Schulter nahmen, die Musik im Mittelpunkt.
Zu Beginn der Veranstaltung hatten noch einmal Homosexuellen- Vereinigungen zu einer Kundgebung aufgerufen. Etwa 50 Menschen - darunter auch Berliner Politiker - demonstrierten eine Stunde lang gegen den Auftritt Bushidos. Wegen Sätzen wie «Berlin wird wieder hart, denn wir verkloppen jede Schwuchtel» sei Bushido als «Botschafter gegen Gewalt» ungeeignet. Bei der Kundgebung mehrere hundert Meter von der Bühne entfernt wurden auch Fotos von verletzten Opfern schwulenfeindlicher Angriffe gezeigt.
Jeder fünfte Schüler Opfer von GewaltVereinzelt berichteten Sänger von Gewalt, die sie selber erfahren hätten. Die Wortbeiträge zwischen den einzelnen Auftritten verurteilten Gewalt. Bei dem Konzert wurde auch eine 16-jährige Schülerin aus Schleswig Holstein mit dem «Mut-Award» ausgezeichnet. Sie bekam den undotierten Preis, weil sie einer Mitschülerin bei einem Übergriff an einer Schule geholfen hatte. Überreicht wurde ihr der Preis von Sarah Connor.
Einer Emnid-Umfrage zufolge, die die «Bravo» in Auftrag gegeben hatte, ist jeder fünfte Schüler in Deutschland schon einmal Opfer von Gewalt auf dem Pausenhof geworden. Jeder Dritte habe Angst vor Übergriffen. Nach Angaben der Polizei gab es bei der Veranstaltung keine größeren Vorfälle. (Von Leticia Witte / dpa)