netzeitung.de«Valkyrie»-Statisten fordern Schadenersatz

 Herausgeber: netzeitung.de

Elf Menschen waren am Montag bei einem Unfall am Drehort des umstrittenen Tom-Cruise-Films verletzt worden. Von «menschenverachtender Gleichgültigkeit» ist die Rede, die Komparsen drohen nun mit einer Klage.

Nach dem Unfall bei den Dreharbeiten für den Tom-Cruise-Film «Valkyrie» fordern mehrere der elf Verletzen nun Schadenersatz von der Produktionsfirma. «Die Verantwortlichen am Set haben mit menschenverachtender Gleichgültigkeit mit der Gesundheit und dem Leben der Komparsen gespielt», sagte Rechtsanwältin Ariane Bluttner am Dienstag laut einer Mitteilung.

Das Landesamt für Arbeitsschutz kündigte schärfere Sicherheitsauflagen für den Dreh an. Mitarbeiter der Behörde untersuchten am Dienstagnachmittag das Gelände der Produktionsfirma. Durch eine defekte Ladeklappe waren am Sonntag 20 Statisten von einem fahrenden Lastwagen auf die Straße gestürzt.

Die Rechtsanwältin drohte mit einer Sammelklage in den USA, falls die amerikanische Produktionsfirma die Verletzten nicht «unbürokratisch und schnell» entschädigen sollte. Den Verantwortlichen am Set sei schon Tage vor dem Unfall bekannt gewesen, dass die Fahrzeuge erhebliche Sicherheitsmängel aufwiesen, meint die Anwältin. Sie hätten den Unfall «billigend in Kauf genommen». Deshalb verstehe sie auch nicht, warum die Staatsanwaltschaft nur wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittele, nicht wegen Vorsatzes.

Einige Statisten begannen mittlerweile mit einer Unterschriftenaktion, um der Produktionsfirma ihren Unmut über die schlechten Sicherheitsvorkehrungen deutlich zu machen. «Uns ist wichtig, dass sich so etwas nicht wiederholt», sagte Alexander Klute, der bei dem Unfall ebenfalls verletzt wurde, der Hörfunkagentur dpa- Rufa.

Mangelndes Sicherheitsbewusstsein
Der Leiter des Arbeitsschutzamtes, Robert Rath, kritisierte ein mangelndes Sicherheitsbewusstsein bei Dreh-Terminen. «In der Filmbranche wird erfahrungsgemäß kein allzu großer Wert auf die Sicherheit gelegt. Arbeitsschutz gilt als verzichtbar.» Lediglich für die Sicherheit der Hauptdarsteller und die teure Technik sei fast immer gesorgt.

Verantwortlich für den Unfall am Sonntag sei derjenige, der den Darstellern die letzte Anweisung gegeben habe. «Wer sagt: 'Ihr setzt euch jetzt da auf diesen Laster', der muss sich auch um den Arbeitsschutz kümmern», betonte Rath. In der Regel seien also der Regisseur oder der Aufnahmeleiter verantwortlich.

Für die «Valkyrie»-Dreharbeiten gälten jetzt schärfere Vorgaben, sagte Rath. Nach dem Unfall mit einem defekten Lastwagen müsse die Produktionsfirma insbesondere für die Sicherheit der Fahrzeuge sorgen. Denkbar sei, dass jemand für regelmäßige Sicherheits-Checks eingestellt werde oder dass alle Fahrzeuge eine TÜV-Plakette erhielten. «Das wollen wir dann nachgewiesen bekommen», sagte er. Dass das Amt mit einem Drehstopp drohen müsse, bezeichnete Rath aber als unwahrscheinlich.

Schnittwunden und Prellungen
Von der Filmproduktion United Artists war zu den Vorwürfen der Komparsen bisher keine Stellungnahme zu erhalten. In einer ersten Presseerklärung nach dem Vorfall hatte sie am Montag mitgeteilt, dass zehn Komparsen vorübergehend medizinisch behandelt worden seien. Außer Schnittwunden und Prellungen habe sich aber keiner der Mitarbeiter ernsthafte Verletzungen zugezogen. Einer der Verletzten sei sicherheitshalber über Nacht im Krankenhaus beobachtet worden.

Die Komparsen hätten sich auf der Ladefläche des Lasters befunden, der mit weniger als 15 km/h gefahren sei, als sich die Holzverkleidung der Ladefläche löste. Das Hauptdrehteam unter Regisseur Bryan Singer und Filmstar Tom Cruise seien nicht am Set gewesen. «Es wird nicht erwartet, dass der Zwischenfall sich auf den Drehplan auswirken wird», betonte die Filmproduktionsfirma.

In dem Film spielt Cruise den Hitler-Attentäter Claus Graf Schenk von Stauffenberg. Der Film um das Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 wird zum Teil am historischen Ort im Berliner Regierungsviertel gedreht.

Unterdessen trafen sich Cruise und Matt Damon zu einem kleinen «Hollywood-Gipfel» in Berlin in einem italienischen Restaurant. Damon stellte in der Hauptstadt seinen neuen Film «Das Bourne Ultimatum» vor. (dpa/bb)