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In Hollywoods Kloschüssel

27. Jul 2007 07:32
Lindsay Lohan hat Leerstand im Kopf.
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Spears, Lohan, Hilton, Richie. Im Jahr 2007 darf die Öffentlichkeit zusammen mit ihren Stars in die Kloschüssel gucken. Aber wollen wir das eigentlich, fragt Sophie Albers.

Während Britney Spears beim Fotoshooting kotzt und den Hundehaufen ihres Lieblingsköters mit einem ausgeliehenen Designerkleid aufwischt, baut Lindsay Lohan, die derzeit auf ein Urteil wegen Fahrens unter Alkoholeinfluss wartet und frisch aus dem Entzug kommt, einen weiteren Unfall, und die Polizei findet in ihrer Hosentasche Koks. Ebenfalls in der Warteschlange für einen Prozess wegen zu großen Einflusses schädlicher Substanzen wartet Nicole Richie, ihres Zeichens ehemals beste Freundin von Paris Hilton, die gerade erst unter großem Gezeter ihre Tage in Haft wegen ähnlicher Vergehen inszeniert hatte.

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Keines dieser Mädchen ist älter als 26, von Dreien kursieren die Mugshots ihrer Festnahmen. Mindestens drei von ihnen waren im Entzug, mindestens drei leiden an Essstörungen. Von mindestens einer gibt es einen käuflich zu erwerbenden Privatporno, von einer anderen das Foto ihrer Vagina, weil sie ohne Unterhose auf Partys ging. Zwei der jungen Frauen hatten mal einen lukrativen Job, die beiden anderen lebten zumindest zu Beginn ihrer Karrieren vom Namen ihrer Eltern. Und alle Vier sind übrigens Vorbilder: Junge Mädchen wären gerne wie sie, Jungs hätten gerne eine Freundin wie sie. Schließlich lächeln sie von Postern und Hochglanzmagazinen herab, geben Interviews, haben Geld, sehen gut aus - und das Wichtigste: Alle gucken sie an. Das nennt man heutzutage Star. Popstar, Filmstar, TV-Star, Partystar.

Star kommt aus dem Englischen, heißt Stern und steht für die Strahlkraft einer Person, der Bewunderung und Verehrung entgegengebracht werden, was von den Medien befeuert wird. Zum Star gehören meist Mythen, Geschichten, die sich um seine Persönlichkeit ranken, deren Wahrheitsgehalt schwer zu überprüfen ist, das reicht von «Liebt die Gefahr» bis «Hat ein gebrochenes Herz, seitdem XY ihn vor zehn Jahren verlassen hat». Die Mythen machen das Geheimnis aus, das den Star in der Entfernung hält, die seine Fans brauchen, um Sehnsüchte auf ihn projizieren zu können.

Moralisch einwandfreies Bild

Spears nach der Kahlrasur
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Hollywood hat in seinen Anfängen ein ganzes Star-System erfunden, dessen Sinn und Zweck die Herstellung von Stars war, mit denen sich viel Geld verdienen ließ: Vielversprechende Jungschauspieler bekamen eine Persönlichkeit, ein Image verpasst, häufig mit neuem Namen und neuer Biografie. Die hießen dann zum Beispiel Joan Crawford oder auch Rock Hudson.

Die Zöglinge lernten Schauspielern, Singen, Tanzen, Reiten, Fechten und was sonst noch in den Filmen gefragt war. Als Gegenleistung unterschrieben sie wahre Knebelverträge, die auch vorschrieben, wie sie sich in der Öffentlichkeit zu zeigen und zu benehmen hatten. Aussetzer durfte es nicht geben, schließlich hatten das Studio, PR-Agenten und Manager viel Zeit und Geld investiert.

Wenn es dann doch zu «Fehlern» kam, die das moralisch einwandfreie Bild störten, dann wurde die Maschinerie angeschmissen, die diese ausmerzte. Und das geschah meist in Zusammenarbeit mit den Medien. Mal floss Schweigegeld, mal gab es das Versprechen, zu einem späteren Zeitpunkt eine viel bessere Geschichte zu liefern. Und die dann natürlich exklusiv.

Vom Tratsch zum Skandal

Hilton nach der Bestätigung des Urteils
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Die schlampige Cousine vom Star-Image ist der Tratsch, die Weitergabe von Neuigkeiten, mal Fakt, mal Fiktion, was häufig in Verbindung mit Schadenfreude geschieht. Tratsch dient dem Balancehalten. Damit der Abstand zwischen Star und Fan nicht so groß wird, dass das Interesse verlischt, wird der Angebetete zuweilen ein Stück zurückgeholt, auf Augenhöhe gebracht, vermenschlicht. All das natürlich kontrolliert, denn gerät der Tratsch außer Kontrolle, kann er sich zum Skandal auswachsen.

Doch zurück zu Lohan und Spears. Was derzeit mit diesen Frauen passiert, ist natürlich auch auf die Allgegenwart und die ausfransenden Grenzen der Medienwelt in unserer Zeit zurückzuführen. Die Masse an stillen und bewegten Bildern in der Presse, im Fernsehen und im Netz ist längst nicht mehr kontrollierbar. Paparazzi zeigen die Stars ohne Image-Make-Up, und mindestens fünf Fotohandys sind schussbereit, wenn Spears auf ein Gucci-Kleid kotzt. Die Bilder sind dann innerhalb von Minuten einmal um den Globus.

«Big Brother» Hollywood

Aber eine kotzende Spears birgt kein Geheimnis. Genauso wenig eine bräsige Lohan, die bedröhnt Autos kaputt fährt, anstatt am Filmset zu erscheinen, oder eine heulende Hilton, die nicht ins Gefängnis will, obwohl sie doch so hart dafür gearbeitet hat.

So führen diese Geschichten und Fotos zu einem Über-Effekt: Der Star wird nicht nur auf Augenhöhe gebracht, er landet in der Gosse. Und nicht nur das, es wird auf ihm herum getreten, auf das er tiefer sinke, und lauthals gelacht, was für arme Würstchen das doch sind. Die gehen auch aufs Klo, die haben auch Cellulitis, die haben auch den Alkohol nicht im Griff.

Dabei wird allerdings vergessen, dass ein armes Würstchen schlecht zur Projektion taugt, dass man sich mit der totalen Demystifikation eigentlich ins eigene Knie schießt. Zumindest den halben Weg, denn Lohan&Co. kommen einem ja freundlicherweise entgegen.

Richie nach der Festnahme
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Genau genommen ist zumindest dieser Teil Hollywoods mittlerweile nichts weiter als eine Promi-«Big Brother»-Show. Und vielleicht haben die Mädchen genau das begriffen und wollen so schnell wie möglich rausgewählt werden.
 
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