Netzeitung Logo

 
DruckenVersenden
 

Diepgen sorgt sich wegen Cruise um Berlins Ansehen

09. Jul 2007 14:33
Cruise spielt Hitler-Attentäter von Stauffenberg
Bild vergrößern
Der Streit um Tom Cruises Stauffenberg-Film ist eskaliert. Ehemalige Politiker attackieren den Hollywoodstar, Oscar-Preisträger Florian Henkel von Donnersmarck feuert zurück.

Eberhard Diepgen, vormals lange Jahre Regierender Bürgermeister von Berlin, sorgt sich um seine Stadt: Denn der CDU-Politiker fürchtet, der Sitz der deutschen Regierung mache sich «international lächerlich». Anlass für Diepgens Sorge ist der eskalierende Streit darum, ob Hollywoods Superstar Tom Cruise wegen seiner Angehörigkeit zur umstrittenen Scientology-Kirche die richtige Besetzung für die Rolle des Hitler-Attentäters Claus von Stauffenberg in dem US-Spielfilmprojekt «Valkyrie» («Walküre») ist.

Mehr in der Netzeitung:
Diepgen beantwortet die Frage, ob ein Scientologe den Helden und Märtyrer des deutschen Widerstands gegen die Nazi-Diktatur spielen kann: «Natürlich, wenn er ein guter Schauspieler ist. Die Zugehörigkeit zu einer umstrittenen Sekte macht ihn doch nicht zum Verbrecher.»

Auch Klaus Schütz, der ehemals für die SPD die Politik in Berlin als Regierender Bürgermeister führte, bangt wegen der anhaltenden Debatte um Cruise darum, dass Berlin «als ein Filmstandort der Ersten Klasse nicht wieder in Frage gestellt wird durch derartig törichte Verbote». Damit spielt Schütz an auf das von den Bundesbehörden verfügte Verbot für das amerikanische Filmteam von «Valkyrie», Dreharbeiten im Bendlerblock machen zu dürfen. Im Hof des dem Verteidigungsministerium gehörenden Gebäudekomplexes war Stauffenberg im Juli 1944 hingerichtet worden.

Für Peter Steinbach, Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin, wären Dreharbeiten mit Cruise dort unerträglich, wie er in einem TV-Interview erklärte: «Ich verwahre mich davor, dass der Ehrenhof der Gedenkstätte zum Schauplatz einer erneuten Hinrichtung des Protagonisten Stauffenberg, der durch Tom Cruise gespielt wird, benutzt wird.»

International stößt die Debatte auf Unverständnis

Auch Stauffenbergs 72-jähriger Sohn Berthold steht der Verkörperung seines Vaters durch den Hollywood-Star sehr kritisch gegenüber: «Es ist mir unsympathisch, dass ein bekennender Scientologe meinen Vater spielt.» Der Frankfurter Publizist und Herausgeber Frank Schirrmacher hat in einem Artikel der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» nun aber an Stauffenbergs Mitgliedschaft in dem sektenähnlichen Kreis um den Dichter Stefan George in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts erinnert: «Der George-Kreis wäre heute im Überwachungsbereich des Sektenbeauftragten und - denkt man an die von George 1933 zugestandene 'Ahnherrschaft' der 'neuen nationalen Bewegung' - auch des Verfassungsschutzes.»

In der amerikanischen und internationalen Öffentlichkeit stößt die deutsche Debatte weitgehend auf Kritik und Unverständnis, zumal der Regisseur von «Valkyrie», Bryan Singer, nicht nur ein Renommierter seines Fachs, sondern auch Jude ist. Und das Drehbuch stammt immerhin von einem nicht minder renommierten Oscar-Gewinner.

«Deutschlands Hoffnung heißt Tom Cruise»

Florian Henkel von Donnersmarck
Bild vergrößern
Den diesjährigen triumphalen Oscar-Gewinner Florian Henckel von Donnersmarck («Das Leben der anderen») hat der Streit um Cruise vor einigen Tagen zu einem ganzseitigen Zeitungsbeitrag unter dem Titel «Deutschlands Hoffnung heißt Tom Cruise» provoziert. Donnersmarck beklagt in seinem Text: «Selbst der größte Star der Siegernation ist uns nicht gut genug, unseren Übermenschen Stauffenberg zu spielen.»

Der Filmemacher erkennt gerade in der Mitwirkung von Cruise eine große Chance, denn dessen Stauffenberg-Darstellung werde «das Ansehen Deutschlands mehr befördern, als es zehn Fussball-Weltmeisterschaften hätten tun können». Donnersmarck kritisiert in seinem Artikel scharf das geistige Klima, in dem die Debatte stattfindet: «Die furchtbar langweilige Gleichmacherei, die in Deutschland zur Zeit grassiert, toleriert das nicht. Sie will komplette Korrektheit in allen Aspekten des Lebens.» (Wolfgang Hübner/AP)

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Mehr Bilder aus dem Showbiz
Mehr Bilder aus dem Showbiz
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

 
Ausstellungs-Erfolg «Melodien für Millionen»: 
Mehr als Heile-Welt-und-Gute-Laune-Mist
Interview mit Brett Anderson: 
«Meine Tränen, mein Schweiß, mein Blut»
 
Newcomer Vinzenz Kiefer startet durch: 
Goodbye Schülerzeitung
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Aus anderen Ressorts
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.