netzeitung.deEin Klick zwischen Vietnam und Hilton

 Herausgeber: netzeitung.de

Kim Phuc und Paris Hilton von Nick Ut (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Kim Phuc und Paris Hilton von Nick Ut
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Tränen sind nicht gleich Tränen. Der Fotograf der berühmten Aufnahme der rennenden Kinder von Vietnam hat auch die weinende Paris Hilton fotografiert.

1972 ging ein Foto um die Welt: Der 21-jährige AP-Fotograf Nick Ut hatte die neunjährige Kim Phuc fotografiert, die nackt und voller Panik eine Straße entlanglief, nachdem ihr Dorf mit Napalm bombardiert worden war. Ut schuf damals eines der bekanntesten Bilder aus dem Vietnamkrieg, das eingegangen ist in die Ikonografie des Krieges an sich.

35 Jahre später fotografiert derselbe Fotograf wieder ein weinendes Mädchen. Dessen Tränen haben allerdings mit denen von Phuc so wenig zu tun wie der Hungertod eines Kindes im Sudan mit dem eines Models in Paris.

Und damit ist der Name auch schon gefallen: Es war Ut, der vergangenen Freitag Paris Hilton völlig aufgelöst und heulend im Auto ablichtete, wie die «New York Daily News» berichten. Dieses Bild ist bisher das einzige, das die Millionenerbin zeigt, seitdem sie erneut ihre Haftstrafe antreten musste. Von der berüchtigten Verhandlung, in der sie nach ihrer Mutter schrie, weil der Richter entschied, dass ihre Strafe wie jeder andere auch ableisten müsse, existieren nur Zeichnungen.

Beide Bilder sind um die Welt gegangen. Für das Foto aus Vietnam ist Ut mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet worden, für das von Hilton hat er höchstwahrscheinlich mehr Geld bekommen.

Wie Phucs Geschichte weiter ging
1972 war Ut Fotograf des Associated Press-Büros in Saigon. Am 8. Juni war er um fünf Uhr aufgestanden, hatte eine schusssichere Weste angezogen und war die Route 1 hochfahren. Am frühen Nachmittag fielen die Napalmbomben, und die Bewohner des Dorfes von Kim Phuc rannten die Straße entlang. Das Mädchen hatte sich die brennenden Kleider vom Leib gerissen. Als Ut das Kind kurz darauf in ein Krankenhaus brachte, war es schon bewusstlos. Phuc hat überlebt, heute lebt sie mit ihrer Familie in Kanada und hat noch immer Kontakt zu Ut, so der Bericht.

Der lebt nun in Los Angeles, arbeitet noch für die gleiche Agentur, doch hat er sich mittlerweile auf Prominente spezialisiert. Statt Kriegsbilder liefert er nun Fotos von den Prozessen gegen O.J. Simpson, Michael Jackson oder auch Phil Spector. Also war er nicht verwundert, als er am Freitag auf Hilton angesetzt wurde.

Die Straße vor deren Anwesen sei überfüllt gewesen mit Fotografen, und da das Tor mit einer Plane verhängt war, seien Fotos schwierig gewesen, so Ut. Er habe weit weg gestanden. Aber: «Ich hatte Glück, das Foto zu kriegen. Ich habe auf ihre blonden Haare fokussiert.» Und ja, im Verhältnis zu damals sei seine Arbeit «sehr anders». (nz)


Für das Web ediert von Sophie Albers