01. Jun 2007 09:35
Bei seinem Drogenkonsum ist es ein Wunder, dass er überhaupt noch lebt. Ron Wood ist zäh, schließlich brachte er es vom Sohn einer armen Roma-Familie zum Gitarristen der Rolling Stones. Der Musiker wird 60.
Über den «allerkürzesten Rolling-Stones-Witz» haben Fans schon vor Jahrzehnten gelacht: Ronnie Wood geht an einer Bar vorbei. Punkt. Doch die Zeiten, in denen der Gitarrist mit dem charakteristischen Römerzinken kein Glas stehen ließ, solange er es noch schaffte, danach zu greifen, sind angeblich längst vergangen: «Das ist mein neues Ding: Die völlige Nüchternheit», sagte Wood Reportern.So mancher wird darauf achten, ob Ron auf der Party anlässlich seines 60. Geburtstags trocken bleibt. Es wäre nicht sein erster Rückfall. Sein Alkoholismus und sein oft verzweifelter Kampf dagegen - Wood war schon fünf Mal auf Entziehungskur - haben oft Schlagzeilen gemacht. Dabei gibt es über den vielseitigsten Künstler in der Rockband viel mehr zu berichten.
Gitarren waren seine Rettungsanker. Und vor allem das, was er mit ihnen anstellen konnte. Mit 17 begann seine Karriere bei den Birds - damals die britische Top-Band des Rythm and Blues. Ende der Sechziger prägte seine Bassgitarre den Sound der legendären Jeff Beck Group. Und bevor Wood 1975 als Nachfolger von Leadgitarrist Mick Taylor zu den Rolling Stones stieß, gestaltete er noch ein wenig Rockgeschichte an der Seite von Rod Stewart bei The Faces mit. Bei den Stones war Ron zwar von Anfang an gern gesehen, doch das «Flaschenkind» fand man zu unberechenbar, um die Leadgitarre zu übernehmen. Dafür profitierten etliche Songs der einstigen Skandalrocker von Woods Gefühl für die Rhythmusgitarre. Und die Band hatte mit ihm einen großartigen Streitschlichter hinzu gewonnen, ohne den sie an den Krächen zwischen Mick Jagger und Keith Richards womöglich zerbrochen wäre.
Zu Ronnies Fans zählen Prominente wie der amerikanische Ex-Präsident Bill Clinton und Hollywood-Star Jack Nicholson. Sie gehören zu jenen, die neben seiner Musik auch seine Bilder lieben. Der Mann, der mit 60 Jahren trotz aller Alkohol- und Drogenexzesse und trotz seines erst kürzlich von 40 auf 20 Zigaretten pro Tag reduzierten Nikotinkonsums noch erstaunlich fit wirkt, hätte seinen Lebensunterhalt auch als Maler verdienen können.
Sicher wäre er mit seinen Zeichnungen und Ölbildern - von Pferden bis zu Menschenporträts - nicht zu den Millionen gekommen, die ihm das Klampfen bei den Stones eingebracht hat. Wood malt aber nicht nur nebenbei, sondern schon seit Jahrzehnten mit Passion. Wo immer die Stones gerade auf Tour sind, ist die «Ronnie Wood Art Show» meist nicht weit weg.In der Nähe ist seit Jahren auch stets das Ex-Model Jo, seine zweite Ehefrau und Mutter von zwei seiner vier Kinder. Ohne sie hätte er den Kampf gegen die Sucht längst verloren, sagt Wood. «Wir (die Rolling Stones) sind außer Kontrolle, wenn wir alleine unterwegs sind, deshalb nehmen wir unsere Partner überall hin als Aufpasser mit.» Solche Äußerungen mögen freilich mit schuld daran sein, dass die Rolling Stones inzwischen gern als «Strolling Bones» (Umherziehende Gebeine) verulkt werden. (Thomas Burmeister/dpa)