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«Topmodel»-Gewinnerin Barbara geht Juror Peyman an den Kragen (Foto: Pro7<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe «Topmodel»-Gewinnerin Barbara geht Juror Peyman an den Kragen
Foto: Pro7
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Nicht die forsche Blondine, nein, ein zurückhaltender Rotschopf ist «Germany’s Next Topmodel». Hatten Sie noch keine Vorurteile gegen «Feuerköpfe», dann kommen sie mit Sophie Albers ins Reich der Roten.

Ich bin ein Fetisch, ich bin älter als ihr, meine Libido befindet sich im Dauersteigflug, meine Haut bleibt länger jung. Ich bin rothaarig! Sonnenurlaub kommt nicht in Frage, kleine Kinder bleiben wie angewurzelt stehen und rufen begeistert «Pippi», und ein Mitschüler brüllt vor versammelter Mannschaft: «Hast du vor nem Ventilator gestanden, als jemand reingeschissen hat?»

Minutenlanges Zittern
Rund zwei Prozent der Weltbevölkerung müssen sich so einen Unsinn anhören. Die Haarfarbe wie die charakteristischen Sommersprossen vererben sich rezessiv. So wird manchmal ein rotes Kind in eine schwarz-blonde Familie geboren, und deshalb sind Mädchen wie das frisch gekürte «Germany’s Next Topmodel» Barbara vom Aussterben bedroht.
Treulos und willensstark
Während rothaarige Männer gerne als schwächlich abgestempelt werden, wird um die Frauen schon immer ziemlicher Wirbel gemacht: Frauen mit roten Haaren, sie wurden verehrt und verbrannt, gelten als leidenschaftlich, aber treulos, willensstark, aber kränkelnd, schön, aber einsam. Jeder Mann sollte einmal eine Rote im Bett gehabt haben, singt Bruce Springsteen. Sie sind feurig, impulsiv - aber heiraten sollte man sie nicht. Zu anstrengend. Wenn man einmal mit den Klischees anfängt, ist es schwer, ein Ende zu finden.

Doch auch die Wissenschaft meint, dass sie anders sind: Nach jüngsten Untersuchungen brauchte Rita Hayworth bei der Schönheits-Operation eine höhere Dosis Narkosemittel als Marilyn Monroe und tragen «Sex and the City»-Miranda, «Desperate Housewife» Bree und auch Barbara das Neandertaler-Gen in sich. Wo fängt im Reich der Roten eigentlich der Mythos an, und wo hört die Wahrheit auf?

Zu verdanken haben die zwei Prozent ihre Farbe einer Mutation auf dem Chromosom Nummer 16, das übrigens 1997 geknackt wurde. Das führt zu einer Veränderung des Proteins MC1R: Anstatt des dunklen Melanins tragen sie Phäomelanin in Haut, Haaren und Augen: Der Teint ist hell wie auch der Blick, das Haar ist rot, und ultraviolettes Licht ist der Feind - so wie die Klassenkameraden mit dem Fäkalhumor.

Hexe oder Werwolf
Die meisten Rothaarigen gibt es im nördlichen Europa, wobei Schottland mit 13 Prozent «Ginger»-Anteil ein prima Refugium abgibt, wenn man mal von den japanischen Touristen absieht, die diese komischen, aber landestypischen Wesen andauernd fotografieren wollen.

Dabei sollten sie vorsichtig sein, gelten Rotschöpfe doch als cholerisch veranlagt. Und sie hätten alles Recht dazu, wenn man sich die Geschichte ansieht.

Im Mittelalter hatten die Rothaarigen eine besonders harte Zeit: Rot, das war die Farbe des Teufels, und wer sie trug, war entweder eine Hexe, ein Vampir oder ein Werwolf. Für die war die spektakulärste Todesart der Scheiterhaufen, aber auch Ersäufen oder Erschlagen lag im Trend. Und der Aberglaube hielt sich zäh: Noch im vergangenen Jahrhundert kam es vor, dass ein Mensch wegen seiner Haarfarbe getötet wurde. Da sollten ein paar Sticheleien doch auszuhalten sein.
Von König Arthur bis Julia Roberts
Doch es geht auch anders: Unter Künstlern sind Rothaarige zuweilen sehr beliebt: Tizian, die Präraffaeliten, Modigliani, Gustav Klimt malten bevorzugt rotes Haar. Der Schriftsteller Mark Twain bemerkte einst: «Rothaarige stammen von den Katzen ab, der Rest der Menschen von den Affen.»

König David soll rote Haare gehabt haben und auch Maria Magdalena. Kleopatra, König Arthur, Elizabeth I., Vivaldi, Napoleon, Lenin, ebenso Sir Winston Churchill.

JK Rowling hat der gesamten Familie Weasley in «Harry Potter» rote Haare verpasst. Pippi Langstrumpf, Rotkäppchen, Pumuckl, Anne of Green Gables, Wilma Feuerstein und Spider-Mans Freundin Mary Jane. Und natürlich ist im Kino reichlich rotes Haar zu finden: Bette Davis, Gert Fröbe, Rita Hayworth, Katharine Hephurn, Danny Kaye, Shirley McLaine, Bette Midler, Woody Allen, Julianne Moore, Gillian Anderson, Victoria Principal, Tilda Swinton, Nicole Kidman, Molly Ringwald, Arielle, die kleine Meerjungfrau, Susan Sarandon, Julia Roberts.

Im Popgeschäft funkeln die «Feuerköpfe» von Art Garfunkel über Tori Amos bis zu Shirley Manson von Garbage. Rot das ist rebellisch, verführerisch, gefährlich und lässt sich gut verkaufen. Rot, das ist besser als blond und auch als brünett, das hat nun auch Heidi Klum begriffen.
Die Erben von Atlantis
Neben Genen, Geschichte und Vorurteilen gibt es da aber auch noch eine Legende, mit der die Mutter das rothaarige Kind tröstet, wenn es mal wieder einem Dummkopf begegnet ist, der das Andersartige nicht ertragen kann:

Das Land von Prinz Idon von Mu stand kurz vor der Zerstörung, als er Atlantis entdeckte. Er brachte sein Volk in das neue Reich, und als sie dort ankamen, ging gerade die Sonne unter. Der Prinz verliebte sich augenblicklich in die Farbenpracht, die sich ihm bot: Die Wolken leuchteten rot im Licht der untergehenden Sonne, ebenso die Blätter an den Bäumen. Idon wollte diese Schönheit für seine Nachkommen bewahren, und der Wunsch wurde ihm erfüllt. Sein Haar wurde rot wie der Himmel, und in seinem Gesicht fanden sich Sommersprossen wie die Blätter an den Bäumen. Seitdem, wann immer ein Mensch einen Rothaarigen erblickt, sieht er ein Abbild von Atlantis, einen Nachkommen Prinz Idons. Nimm das, du Ventilator-Vollidiot.

Literatur zum roten Haar:
Irmela Hannover: Frauen mit roten Haaren. 2002.
Roberto Giardina: Lob der Rothaarigen. 2002