netzeitung.deBryan Ferry und die «fantastischen Nazis»

 Herausgeber: netzeitung.de

Bryan Ferry (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Bryan Ferry
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Deutschland hat seinen Skandal um Oettinger und die Filbinger-Rede, Großbritannien seinen Bryan Ferry. Der Popstar hat mit seiner Einschätzung der Nazizeit nicht nur seine Fans verstört.

Der britische Langzeit-Popstar Bryan Ferry hat sich für Aussagen in einem Interview entschuldigt, in dem er die Ikonografie der Nazis bewundert hatte.

Im Gespräch mit der «Welt am Sonntag» nannte er die Selbstdarstellung der Nationalsozialisten «fantastisch» und «schön»:

«Die Art und Weise, wie sich die Nazis inszeniert und präsentiert haben, meine Herren! Ich spreche von den Filmen von Leni Riefenstahl und den Gebäuden von Albert Speer und den Massenaufmärschen und den Flaggen - einfach fantastisch. Wirklich schön.» Nach heftigen Vorwürfen in Deutschland und seiner Heimat sowie der Forderung, dass die britische Kaufhauskette Marks&Spencer auf Ferry als Model einer Kampagne verzichten solle, hat sich der Musiker nun offiziell entschuldigt.

«Ich entschuldige mich ohne jede Einschränkung für jedes Ärgernis, das mein Kommentar über die Nazi-Ikonografie verursacht hat, den ich ausschließlich aus kunsthistorischer Sicht gemacht habe», heißt es in einem Statement, das die BBC zitiert. Das Nazi-Regime sei «böse und veranscheuenswürdig» gewesen. Er sei «zutiefst bestürzt» über die öffentliche Aufnahme seiner Worte, so Ferry.

«Sehr unsensibel»
Man sei froh über die Entschuldigung und nehme sie an, so die Reaktion von Jeremy Newmark, dem Vorstandsvorsitzenden des Jewish Leadership Council. Allerdings sei Ferrys Wahl der Worte «sehr unsensibel» gewesen.

Riefenstahl war eine deutsche Regisseurin, die mit ihren Propagandafilmen für die Nationalsozialisten bekannt wurde. Speer war Hitlers Chef-Architekt und Rüstungsminister im Zweiten Weltkrieg. (nz)