14.04.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Bastelpuppe Britney Spears
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Am Beispiel von Britney Spears zeigt die Klatschpresse ex negativo, wie sie sich ihren Wunschpopstar vorstellt. Jetzt wird es ekelig, sagt Sophie Albers .
Nein, ein Ende der künstlichen Aufregung um eine Sängerin aus den USA namens Britney Spears ist nicht in Sicht. Die internationale Boulevardpresse hat sich auf das Mädchen eingeschossen, das mit beeindruckender Sicherheit immer wieder genau das Falsche tut, um eben diese Fokussierung abzuwenden.
Angefangen hatte alles im Januar 2004, als die damals 22-Jährige dicht wie eine Strandhaubitze in Las Vegas ihren Kinderfreund Jason Alexander heiratete. Ihr Management verfiel daraufhin in Panik, schließlich war Spears zu der Zeit noch ein gut funktionierender, äußerst lukrativer Weltstar. Die Ehe wurde nach gerade mal 48 Stunden annulliert. Alles wieder gut, dachte das Business, doch Spears war offenbar über diese besoffene Nacht in die Star-Pubertät gekommen.
Plötzlich verweigerte sie sich den Erwartungen an das ewig lachende All-American-Girl. Sie wolle Fehler machen dürfen, ihre Eltern sollten ihr nicht sagen, was sie tun solle, sie lebe in einem Gefängnis, hieß es plötzlich in Interviews. Und nach nur fünf Monaten verlobte sie sich schon wieder. Diesmal war es ein Background-Tänzer aus ihrer Show.
Einfach nur platt gemachtSie heiratete Kevin Federline im Jogginganzug, und die «Schmuddel-Spears» war geboren. Denn nichts ist genüsslicher als der Fall einer Sauberfrau. Vor allem in den Boulevardblättern war der Weg von «Ich gehe als Jungfrau in die Ehe» bis zu «Mit Paris Hilton, aber ohne Slip auf die Party» ziemlich kurz. Mittlerweile wird Spears einfach nur noch platt gemacht. Was als Kritik am Lotter-Look begonnen hatte, ist mittlerweile beim Selbstmord-Gerücht angekommen.
Natürlich hat Spears die Hetze geradezu bedient. Höhepunkt nach Scheidung und Unten-ohne-Auftritt war bisher die Einlieferung in die Entzugsklinik, nachdem sie sich vorher noch den Kopf kahl rasierte. Mittlerweile ist die zweifache Mutter wieder draußen, trägt Perücken und lacht auch wieder das breite Spears-Lachen, doch ist sie noch lange nicht vom Haken. Ein jüngster Bericht zeigt, dass sie möglicherweise für immer daran hängen bleiben wird:
Der «National Enquirer», ein US-Blatt ohne bekannte Schmerzgrenze, schreibt, dass Spears Schönheitsoperationen plane, die eigentlich nur als Generalüberholung der 25-Jährigen zu verstehen sind. Mehr als 52.900 Dollar wolle sie es sich kosten lassen, und übrigens sei die Sängerin auch schon in einer Schönheitsklinik in Vegas gesichtet worden.
Invasive BildbearbeitungDeutschlands größte Boulevardzeitung nennt das den «Blick nach vorne» und präsentiert sieben angeblich geplante Eingriffe mit Werkzeugfotos, die nötig wären, um Spears von sich selbst zu befreien und «wieder schön» zu machen: Bruststraffung, Fettabsaugen an Bauch und Taille, Krampfadern lasern, Fettabsaugen an Oberschenkeln und Po, Halsstraffung, Nasenkorrektur, Straffung der Oberarme sowie eine spezielle Fettzellenbehandlung für den Hintern.
Dazu gibt es natürlich eines dieser Fotos, die man von sich selbst sofort löschen würde. Kann Britney aber nicht. Aber was anderes: Hat hier noch jemand ein Déjà-vu? Und ich meine jetzt vor allem die Leserinnen.
Das hier ist eine Anziehpuppe, nur dass ihre Kleider aus Fleisch und Blut sind. Brust hängt durch Schwangerschaft? Aufschneiden, raffen, zunähen. Dicker Po von zu vielen Chips und Cocktails? Absaugen und abschneiden. Invasive Bildbearbeitung könnte man das nennen. Ja, geht's eigentlich noch?!
Das war das Wort zum Wochenende, und der Samstag ist übrigens Spears-Solidaritätstag: Pizza, Eiskrem und Chips in Mengen ohne schlechtes Gewissen sind Pflicht.