netzeitung.deDer letzte große Geschichtenerzähler

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Sein größter Erfolg: Dustin Hoffman (l.) und Tom Cruise in 'Rain Man' (Foto: PR<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Sein größter Erfolg: Dustin Hoffman (l.) und Tom Cruise in 'Rain Man'
Foto: PR
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

«Es wird immer schwieriger, Filme über Menschen zu drehen», sagt Barry Levinson. Der Regisseur, dem die Schauspiel-Elite zu Füßen liegt, wird 65 Jahre alt.

«Rain Man», «Good Morning Vietnam», «Wag the Dog» - allein mit diesen drei Filmen hat sich Barry Levinson in Hollywood ein Denkmal gesetzt. Doch der gefeierte Regisseur macht um die Filmmetropole gewöhnlich einen großen Bogen.

Er pendelt zwischen Häusern in Nordkalifornien und der Ostküste und dreht am liebsten in seiner Heimatstadt Baltimore im Bundesstaat Maryland. Dort kam er vor 65 Jahren am 6. April als Sohn jüdischer Einwanderer aus Russland zur Welt.

Gleich vier Filme siedelte Levinson in seiner Geburtsstadt an: sein Regiedebüt «American Diner» (1982) über fünf Freunde in den 50er Jahren. In «Tin Men» (1987) machte er Richard Dreyfuss und Danny de Vito zu Vertretern für Hausfassaden. Für «Avalon» (1990) holte er Armin Mueller-Stahl als russischen Einwanderer vor die Kamera. und in «Liberty Heights» (1999) blickte er auf seine eigene Jugend in Baltimore zurück.

Seine ersten Erfolge im Showbusiness hatte Levinson als Drehbuchschreiber für Mel Brooks, in dessen Hitchcock-Persiflage «Höhenkoller» auch eine kleine Rolle als Hotelpage für ihn abfiel. Mit «American Diner» verhalf der junge Regisseur damals unbekannten Schauspielern wie Kevin Bacon, Ellen Barkin und Mickey Rourke zum Durchbruch. Als nächster meldete sich Robert Redford für den Baseball-Streifen «Der Unbeugsame», auch Robert Duvall, Glenn Close und Kim Basinger spielten in dem Film mit.

Satiren, Dramen, Gangsterfilme
Mit der Militär-Satire «Good Morning, Vietnam» und dem Geschwister-Drama «Rain Main» setzte Levinson seinen Siegeszug in Hollywood fort. Sein Geschick, Dustin Hoffman als Autisten und Tom Cruise als dessen Yuppie-Bruder vorzuführen, brachte ihm 1989 einen Regie-Oscar ein. Zwei weitere Oscar-Nominierungen - als Produzent und Regisseur - holte sich Levinson mit dem Gangsterfilm «Bugsy».

Doch es gab auch Kassenflops und Kritiker-Schelte, etwa für «Toys», den aufwendigen Science-Fiction-Thriller «Sphere» und das mit Brad Pitt, Robert De Niro und Dustin Hoffman hochkarätig besetzte Rachedrama «Sleepers». Der Thriller «Enthüllung» mit Demi Moore und Michael Douglas löste ein heftige Debatte über sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz aus.

Vielseitig und kreativ
Die Polit-Satire «Wag the Dog» erntete dagegen viel Beifall und Gelächter. Der Film kam in die Kinos, als Bill Clintons Eskapaden mit Monica Lewinsky im Weißen Haus Schlagzeilen machten. Weniger Erfolg hatte Levinson im vergangenen Jahr mit seiner Komödie «The Man of the Year». Robin Williams spielt darin einen Fernsehmoderator, der Präsident der Vereinigten Staaten werden will.

Auf dem Münchner Filmfest wurde der Regisseur im vergangen Sommer mit dem Cine-Merit-Award für sein Lebenswerk geehrt. Levinson sei einer der vielseitigsten und kreativsten Filmemacher Hollywoods, begründete Festivalleiter Andreas Ströhl die Auszeichnung. Er sei einer der letzten großen Geschichtenerzähler, die erfolgreich seien, ohne die eigene Handschrift zu verleugnen. Doch das ist offenbar kein leichtes Unterfangen: «Es wird immer schwieriger, Filme über Menschen zu drehen. Diese Art Film ist vom Aussterben bedroht», klagte Levinson über die Arbeit in Hollywood. Immer hieße es «vereinfachen, vereinfachen» und vielschichtige Handlungen vermeiden.

Mit der bissigen Hollywood-Satire «What Just Happened?» dürfte Levinson genau das Gegenteil tun. Kurz vor seinem Geburtstag hat er mit den Dreharbeiten begonnen. Robert De Niro spielt in dem Werk einen am Boden zerstörten Filmproduzenten, der beruflich und privat am Ende ist, dabei aber noch versucht, den Schein zu wahren. Und wieder liegt Levinson die Schauspieler-Elite zu Füßen. Sean Penn und Bruce Willis wirken in Cameo-Rollen mit, in denen sie sich selbst spielen. Stanley Tucci («Der Teufel trägt Prada»), John Turturro («Der gute Hirte») und Kristen Stewart («Panic Room») runden die Starbesetzung ab. (Barbara Munker/dpa)