28.03.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Gabriele Pauli
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Was passieren kann, wenn eine Frau Latexhandschuhe anzieht: CSU-Landrätin Gabriele Pauli hatte ihren Spaß, jetzt muss sie ranklotzen, meint Sophie Albers .
Am Beispiel der CSU-Ländrätin und «-Rebellin» Gabriele Pauli lässt sich eine Debatte zu einer sehr alten wie ärgerlichen Frage verfolgen: Wie sexy darf frau sein, wenn sie ernst genommen werden will?
An den Zeitungsständen der Republik ist diesen Mittwoch der «Bild»-Aufschrei zu lesen: «Latex-Fotos. Darf sich eine Politikerin so zeigen?» Gute Güte, denkt der Passant, während Sado-Maso-Bilder vor seinem geistigen Auge vorbeiziehen und Erinnerungen an andere Politiker in «unangebrachter» Lage wach werden: Verteidigungsminister im Planschbecken mit Geliebter oder auch das beliebte nackt, schwanger und politisch aktiv.
Diesmal geht es um die Fürther Landrätin Gabriele Pauli und eine Fotostrecke in der «Park Avenue». Genau, die Pauli, die sich erfolgreich mit Stoiber angelegt hatte. «Bild» zeigt sie neben der Titelzeile wie ein Kraftwerk-Model im Katja-Ebstein-Look mit Latex-Handschuhen. «Schön» und «erotisch» muss drunter stehen, weil das Bild allein das nicht ganz schafft. Also schnell umblättern, denn der Text verspricht auf Seite zwei «mit erotischen Latexhandschuhen als Vamp fotografiert».
Versprechen nicht eingelöstHm. Wer nicht eh schon eine besonders enge Beziehung zum Material Latex pflegt, wird beim Anblick des Bildausschnitts - tuffige weiße Bluse, graue Hose und besagte ellbogenlange Handschuhe über schmalen Armen - wohl kaum sonderlich erregt. Daneben sieht Paulis Gesicht mit aufgemalter Zorro-Maske eher nett als vampig aus.
Das letzte Bild schließlich - Pauli im kurzen Kleid mit heftigem Schuhwerk - kommt dem versprochenen Vamp schon näher. Aber das mit Latex assoziierte Versprechen wird einfach nicht eingelöst. Und das scheinen die Zuständigen sogar bemerkt zu haben, verweisen sie doch im Text extra darauf, dass Frau Pauli um der Fotogenität Willen sogar einmal die Unterhose ausgezogen habe, deren Kontur sich «unfotogen» durchs Kleid drückte.
Trotzalledem, der geneigte Leser hat mehr erwartet als die Ästhetik einer schon tausend Mal gesehenen Modestrecke, an deren Ende eigentlich nur steht: Hey, die Frau ist 49 und Politikerin und das auch noch bei der CSU und kann trotzdem aussehen wie ein Popstar!
Stattdessen aber eben dieser immer wieder gern benutzte und totlangweilige Aufreger «Darf man das?». Und im Falle Pauli natürlich: «Darf man das als Politikerin?». Aber was sagt denn eigentlich Frau Pauli selbst dazu?
Das zeigt den Erfahrungshintergrund«Mit diesen Bildern zeige ich, dass Politiker nicht mausgrau sein müssen. Auch als Politiker darf man Gefühle zeigen. Zu viele von uns entsprechen einem Einheitstyp ohne Aussage. Ich habe die Fotos aber nicht deswegen machen lassen, sondern weil es mir Spaß gemacht hat», so ihre Antwort auf die Frage der Onlineausgabe der «Süddeutschen Zeitung».
«Was man da rein reininterpretiert, das bleibt der Phantasie jedes Einzelnen überlassen. Wer darin etwas Domina-Haftes sieht, der zeigt, welchen Erfahrungshintergrund er hat.» Krawumm! Da freut sich der Leser.
«Ich zeige nirgendwo zu viel und habe auf allen Bildern Kleidung an.» Die Bluse hätte sie sogar «eher bieder» gefunden, die «könnte ich zur Arbeit anziehen». Die Latexhandschuhe habe man ihr «plötzlich» gegeben. «Ich fand die Idee kreativ und künstlerisch.»
Fettbrühe des KlischeesAber weg vom Latex und der Kunst und zurück zur Frage. Die ist aber leider so blöd, dass es auch nur blöde Antworten geben kann: Die Botschaft der ganzen Aufregung um die Politikerin als attraktive Frau ist, dass erfolgreiche Frauen unsexy sein sollten. Dass Männer ihrer Selbstbeherrschung nicht trauen. Und um jetzt mal die Küchenpsychologie zu bemühen, dass es einfach nur um Angst geht. Angst vor der im Leben wie im Sex selbstbestimmten Frau, womit wir in der Fettbrühe des Klischees gelandet sind.
Fakt ist allerdings, dass Pauli - hoffentlich wohl wissend um die Funktionsweisen der deutschen Medien - mit der Fotostrecke die Messlatte für die eigene Karriere ziemlich hoch gelegt hat. Sie hat ein Statement abgegeben. Gut. Aber jetzt muss sie wieder ihren Job machen, in dem sie laut dem zur Fotostrecke gehörigen Text übrigens noch viel vor hat: «Ich will Neues erfahren. Ich will große Politik steuern. Ich stehe für ein höheres Amt zur Verfügung.» Und dazu, so verriet sie der «Bunten», brauche es nicht einmal unbedingt die CSU.