06.03.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Paris Hilton
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Paris Hilton hat aus Nichts ein Geschäft gemacht und ihren Namen in die Klatschspalten betoniert. Aber was passiert eigentlich, wenn man die professionelle Blondine ignoriert?
Es sei kein Statement gegen Paris Hilton gewesen oder gar eine noble journalistische Initiative, um die Aufmerksamkeit auf wichtigere Themen wie den Irak-Krieg zu lenken. Nein, man wolle es als Experiment verstanden wissen, dass die Nachrichtenagentur AP eine Woche lang keine Meldung über die Hotelerbin und Geschäftsfrau gebracht hat. Einfach so, um zu sehen, ob es überhaupt jemandem auffällt.
Und tatsächlich, das Hilton'sche Blackout wurde wahrgenommen. Wenn auch anders als erwartet, so das Fazit. Zwar habe niemand angerufen und nachgefragt, ob Hilton denn nicht mehr vom Affen gebissen werde oder auf Partys ausrutsche, dagegen sei die Idee des temporären Banns heftig diskutiert worden, nicht aber der Effekt.
Einige sahen die Nachrichtenfreiheit bedroht. Wer werde wohl als nächstes gebannt, so die besorgte Frage. Andere wiederum seien begeistert gewesen. Eines habe man auf jeden Fall gelernt: Selbst keine Nachrichten können Nachrichten sein.
Demokraten in Las VegasDas Experiment habe am 19. Februar begonnen, so der Bericht, wenige Tage nachdem Hilton beim Wiener Opernball aufgetreten war und schlecht gelaunt geguckt hatte. Die Geburtstagsparty in Las Vegas am folgenden Wochenende war schon nicht mehr nachzulesen. Auch die zweite Party in Beverly Hilly fand bei AP keine Erwähnung, und kurz darauf wurden AP-Redakteure in Puerto Rico angehalten, auf die Berichterstattung über Hiltons Präsentation eines neuen Parfüms zu verzichten. Allerdings sei der Name trotz all der Mühe drei Mal in AP-Berichten aufgetaucht: im Zusammenhang mit Britney Spears, Nicole Richie und allen Ernstes in einem Stück über Demokraten in Las Vegas.
Die erste Meldung nach dem Bann kam am 27. Februar, als Hilton wegen Fahrens ohne Führerschein festgenommen wurde. Zu diesem Zeitpunkt war die Meldung, dass AP nicht über Hilton berichtet, bereits publik geworden, und Zeitungen vom «New York Observer» bis zum Blog «Gawker» hätten sich lobend geäußert. Allerdings wurde da ja schon wieder über Hilton berichtet.
Ein lukratives «Nix»Immerhin wurde zu diesem Anlass bekannt, dass Lloyd Grove, ehemaliger Kolumnist vom Boulevard-Blatt «New York Daily News», ebenfalls unter einem Hilton-Bann gearbeitet habe. Allerdings gab er zu, dass der Grund ein eigennütziger gewesen sei, nämlich um die Aufmerksamkeit auf seine Kolumne zu lenken. Womit wir wieder bei der PR-Kunst sind, die Hilton so gut beherrscht und die ihr im Yahoo-Ranking 2006 der meist gesuchten Wörter, den fünften Platz eingebracht hat. Platz eins belegt übrigens Britney Spears.
Und so wird Paris Hilton weiterhin Thema bleiben. Denn auch die, die ihr lauthals abschwören, halten nicht lange durch. Zur Erinnerung: Im Mai 2005 hatte «Bild» versprochen, «nie wieder» über sie zu berichten. Schließlich sei die Millionenerbin «ein Nix. Sie hat weder Möpse, noch Hintern, noch Schulabschluss». Doch waren die nicht-vorhandenen Rundungen schon bald zurück. Mit der Medienaufmerksamkeit ist es wohl wie mit der Gewalt: Aufmerksamkeit erzeugt Aufmerksamkeit. (nz)