Donnersmarck: Sonst schafft das nur der Papst
27. Feb 2007 10:44
 |  Florian Henckel von Donnersmarck | Foto: dpa |
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Es war eine aufregende Nacht für Florian Henckel von Donnersmarck und auch für Deutschland. Der Regisseur hat erzählt, wie es war.
Während sich in Deutschland die verschiedensten Institutionen darüber ergehen, welche Bedeutung Florian Henckel von Donnersmarcks Oscar denn nun für die Zukunft dieses Landes hat, muss der 33-jährige Regisseur immer wieder erzählen, wie er den Triumph in seiner jungen Karriere erlebt hat. Und er muss irgendwie damit fertig werden, dass es höchstwahrscheinlich bereits der Höhepunkt war.
Punkt 19:30 Uhr hat Hollywoodstar Cate Blanchett den Umschlag aufgerissen, der den Namen des Gewinners des Academy Awards für den besten nicht- englischsprachigen Film 2006 enthielt. Sie stockte und wirkte erstaunt: «Der Oscar geht an ... 'Das Leben der Anderen'.»Der Regisseur habe daraufhin vor Freude geschrien, seine im fünften Monat schwangere Frau geküsst, die Hauptdarsteller Sebastian Koch und Ulrich Mühe umarmt und dann auf die Bühne gelaufen, berichtet «Bild».
Auf der Bühne dann mit der drei Kilogramm schweren Statue in der Hand bedankte er sich erst einmal mit überschlagender Stimme bei einem deutschsprachigen Kollegen in Hollywood: «Ich danke Arnold Schwarzenegger für die Lektion, dass ich die Worte 'Ich kann nicht' aus meinem Vokabular streichen sollte.»
Eine Minute Sprechzeit
«Ich danke Deutschland und Bavaria, dass sie diesen Film möglich gemacht haben. Ich danke meinen Schauspielern, speziell Ulrich und Sebastian. [Martina Gedeck war nach «Karten-Hickhack» zuhause geblieben, heißt es] Zuletzt natürlich meiner Frau Christiane. Christiane, ich liebe dich!» Die letzten Worte gingen nahezu in der Musik unter, die eingespielt wird, um dem Gewinner zu bedeuten, dass die eine Minute Sprechzeit um ist. Er sei dann glücklich zu seiner Frau getaumelt, habe gemerkt, dass es dann wieder Zeit für die Bühne, die Pressekonferenz den Ruhm gewesen sei, heißt es in «Bild». Auf dem Weg sei er auch an George Clooney vorbei gekommen, der anerkennend genickt habe. Später habe Donnersmarck dann aufgeregt im Saal gesessen, um die Glückwünsche auf seinem Blackberry entgegen zu nehmen, darunter von Kanzlerin Angela Merkel - «Das Werk hat mit seiner Qualität nun auch Hollywood überzeugt» und der Bundespräsident Horst Köhler - «Glückwunsch für die international verdiente Anerkennung». Auch die fehlende Gedeck gratulierte: «Ich bin stolz und glücklich.»
Privatparty unter Palmen
Anschließend sei Donnersmarck auf den Oscar-Ball gegangen, wo er sich unter Stars mischte wie Clint Eastwood, Steven Spielberg und Leonardo DiCaprio mischte. Den Oscar immer mit dabei. «Es fühlt sich an, als hätte er schon immer dahin gehört.»800 Kellner seien auf der Veranstaltung für etwa 1000 Gäste unterwegs gewesen. Auf dem Menü standen Trüffel-Risotto, Hummer und die obligatorische Lachspizza, so der Bericht. «Auf jedem Tisch standen kleine Schoko-Oscars, mit Blattgold überzogen.»
 |  'Das Leben der Anderen' | Foto: promo |
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Um elf Uhr sei der glückliche Gewinner dann zu seiner Privat-Party aufgebrochen. In einer Stretch-Limousine sei er zu einer «Palmen-Villa» gebracht worden. «Gleißende Kameras, Verkehrsstau, Medien-Groupies.» Und auch da erreichten ihn Glückwünsche, die er in der Bibliothek mit einem kalten Bier in der Hand genossen habe. Um drei Uhr war die Party dann vorbei.
Das schafft sonst nur der Papst
Wirklich überrascht habe ihn der Oscar übrigens nicht, sagt der Filmemacher: Es sei ja nicht so, «das wir absolut aus dem Nichts gekommen sind. Ich war hier nicht angetreten, um zu verlieren. Natürlich wollte ich dieses Ding gewinnen. Ich bin nicht der Typ, der schwärmt: Dabei sein ist alles!»Und auch die Bedeutung für Deutschland habe er im Blick: «Es ist etwas ganz Besonderes, einen Oscar für sein Land zu gewinnen. In Friedenszeiten schaffen das sonst wahrscheinlich nur Sportler – oder der Papst. Deutschland liegt auf Weltniveau. Und das haben wir auch mit diesem Oscar bewiesen. Wir haben wunderbare Schauspieler wie Sebastian Koch und Ulrich Mühe, die wir leider nicht so pflegen, wie es Hollywood mit seinen Stars macht.» (nz)