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Her mit den kleinen Schreihälsen

23. Jan 2007 13:07
Tokio Hotel mit ihrer neuen Single
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Tokio Hotel haben in Berlin ihre neue Single vorgestellt. Bill Kaulitz' Haare waren rekordverdächtig. Doch irgendetwas fehlte.

Von Sophie Albers

Tunnel U3 - was sich ganz übel nach einer Clublocation aus den frühen Tagen der Berliner Technoszene anhört, sollte am Montagabend Schauplatz sein für die Präsentation der neuen Single von Deutschlands erfolgreichster Teenieband. Zwischen kalten Betonwänden, schwarzen Stoffbahnen und zwei großen Leinwänden saßen Tokio Hotel, und es war so wie immer. Naja, fast.

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Denn nicht nur, dass der kahle Raum erstaunlich leer war, es war auch gespenstisch leise. So leise, dass sich einige Journalisten bereits Sorgen machten, ob die schreiberüchtigte Fangemeinde von Tokio Hotel bereits zerfällt. Keine kleinen Mädchen nirgends, nicht vor dem Tunnel, nicht vor der Tür.

Da half es auch nichts, als kurz bevor die Band die provisorische Bühne bestieg, dann doch ein kurzes Schreien zu hören war. «Das war doch eingespielt», so die gelangweilte Erklärung eines Berichterstatters.

Verehrung herausschreien

Ein kleiner Film, über die «Riesenwelle», die Tokio Hotel «losgetreten» hat, sollte einstimmen auf ein kurzes Frage-Antwort-Spiel mit den vier Jugendlichen, die derzeit wohl die größten deutschen Popstars sind. Wo immer sie erwartet werden, stehen bereits Fans, die ihre leidenschaftliche Verehrung herauschreien. Egal ob die Objekte der Begierde nun da sind oder nicht. Nur an diesem Montag eben nicht.

Dafür bewahrheitete sich an diesem Abend mal wieder der Spruch: Jugendkultur ist, wenn Erwachsene es nicht verstehen. Bill Kaulitz' Haare waren das berühmte geplatzte Sofakissen, das allerdings so übertrieben, dass der stets heftig geschminkte 17-Jährige mit der hellen Stimme aussah wie eine fleischgewordene Manga-Figur. Hätte Pikachu neben im auf dem Sofa gesessen, es hätte nicht wirklich verwundert.

Der einzig wahre Popstar

Bill Kaulitz
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Und das macht ein Problem der Band klar, das wahrscheinlich viele Bands haben und das ja auch schon zwischen John Lennon und Paul McCartney für Verstimmungen gesorgt haben soll: Bills Bruder Tom kann sich noch so viele Piercings durch die Lippe ziehen und Gustav noch so The-Cure-mäßig gucken, der einzig wahre Popstar, der um den es allen geht, ist: Bill.

Diese Michael-Jacksonesque Ausgeburt des Showbusiness, die einzig für die Wahrnehmung von außen zu leben scheint, macht den Charme der Band aus, die mit ihrer neuen Single «Übers Ende der Welt» übrigens wieder das bereits mehrfach abgefrühstückte Thema des Ausbrechens aus Alltag und Erwartungen feiert.

Das Video gab es auch zu sehen: Die vier Jungs in grauen Arbeiteranzügen in einer an «Metropolis» oder auch «1984» erinnernden Stadt schleppen Eisenstangen, bis sie sich - durch die Musik - befreien. Krawummm, Farbexplosion und irgendwie auch ein bisschen Gesellschaftskritik, die allerdings zu hübsch verpackt daher kommt, als dass man sie ernst nehmen möchte. Rebellion sells! Möglicherweise deshalb wies Bill auch darauf hin, wie wichtig es ihm gewesen sei, dass das im Video «gut rüberkommt».

Für immer Deutsch

In der Pressekonferenz beteuerten die Musiker dann, dass Tokio Hotel trotz des zunehmenden Erfolges im Ausland immer eine originär deutsche Band bleiben werde. Keine englischen Texte, wenn, dann nur 1:1-Übersetzungen, so Tom Kaulitz, der seinem Bruder Bill immer wieder recht heftig ins Wort fiel. Was der Album-Titel «Zimmer 483» denn nun bedeuten soll, wollte keiner verraten, denn bis zum Album sei es ja noch ein bisschen hin.

Wer wissen will, was die Band mit ihren zahlreichen Preisen anstellt, erfuhr, dass Gustav sich eigens dafür eine Vitrine gebaut hat und dass die Trophäen im Rotationsprinzip herumgereicht werden.

«Da kann schon mal so nen Schrei kommen»

Tokio-Hotel-Fan
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Und dann kam die berüchtigte Frage nach den schreienden Mädchen: «Ich hab das schon mal gesagt...», fing Bill an, seine Fans zu verteidigen, doch dann schnitt Tom ihm das Wort ab. Als Mann kenne man das doch, wenn man irgendwen gut findet. «Stellen Sie sich vor, Sie hätten plötzlich Angelina Jolie vor sich...»

Er habe sich auch «tierisch gefreut», Nena zu treffen, berichtete Bill dann noch von dem Film «Arthur und die Minimoys», den er gerade zusammen mit der Sängerin synchronisiert hat. Wenn man so Leute treffe, die man sonst nur im Fernsehen sieht, dann «kann schon mal so nen Schrei kommen».

Aber ganz geheuer scheint es ihm dann doch nicht zu sein, denn Bill erzählte auch, dass er neuerdings sein Band- und Starleben per Kamera dokumentiere. Die Fotos wolle er sich ansehen, wenn er alt ist und rumzeigen, denn «irgendwann später glaubt mir das keiner mehr!»

 
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