Bye Bye, Angelina26. Jan 2007 07:51  |  Angelina Jolie - alt und neu | Foto: dpa/ AP |
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Mehr als ein Jahrzehnt hat die tief empfundene Verehrung für diese Hollywood- Schauspielerin angehalten. Nun ist es vorbei, und sie ist selbst schuld. Angelina Jolie, es war schön mit Dir.
Von Sophie AlbersEs war 1995, ein wunderbarer Sommer in New York City, und eines Abends saß ich in einem kleinen Kino, als sie in mein Leben trat: die Frau, die mein Verhältnis zu Hollywoodstars grundlegend ändern sollte. Ich wurde Fan. Ich nahm dieses Idol an. Dankbar, denn Angelina Jolie, so der Name des Mädchens, das in einem Film namens «Hackers» eine katzenäugige, volllippige, kurzhaarige Schönheit gab, war cooler als alle Jungs des Films zusammen.
Nicht nur, dass sie dem Filmtitel entsprechend eine Herrscherin des damals noch jungen Internets war – es gab sogar noch diese großartigen Telefonhörerverbindungen wie in «Wargames» – sie wusste Bescheid über die Dinge, die die Welt bewegen und auch wo ihr Platz in ihr war. Niemand konnte dieser Frau etwas vormachen, und trotzdem hatte sie noch Zeit für lustige erotische Fantasien mit Johnny Lee Miller im Latexoutfit. Willkommen im neuen Jahrtausend, schien sie ihrem weiblichen Publikum bereits fünf Jahre vorher zuzuraunen, um dann in ein breites, warmes Lachen auszubrechen, wenn die Jungs gerade mal wieder nichts begriffen, weil sie damit beschäftigt waren, Schwanzlängen zu vergleichen. Kate alias Jolie, das war Verlockung und Spott zugleich.Ich nahm die Spur auf, beobachtete, dass ihre Haare länger wurden, fand gleich mehrere Internet-Schreine und lernte, wie viele Tattoos ihren so perfekten Körper schmückten. Und die enthielten Lebensmotti: Tennessee Williams' Gedichtzeile «A prayer for the wild at heart kept in cages» (Ein Gebet für die Ungestümen, die in Käfigen gehalten werden) steht auf ihrem linken Unterarm, «Quod me nutrit me destruit» (Was mich nährt, zerstört mich) quer über dem Bauch. Sie schien es wirklich ernst zu meinen. Und ihre täglich wachsende Fangemeinde sah begeistert zu.
«Du bist jung, du hast Messer» Groß geworden in Hollywood war sie eines dieser Kinder von Stars – Oscarpreisträger Jon Voight und Marcheline Bertrand, ein französisches Ex-Model und Schauspielerin um genau zu sein. Sie nahm Schauspielunterricht an der Lee-Strasberg-Schule, mit 16 begann sie eine Karriere als Model, trat in Musikvideos auf, unter anderem für Lenny Kravitz. Doch zeigte sie dem Showbusiness immer wieder offenbar völlig unbeeindruckt den Mittelfinger, wollte mit ihrem berühmten Vater, der die Familie verlassen hatte, nichts zu tun haben, probierte Drogen aus, spielte mit Messern, tätowierte den Körper zu, den alle so begehrten, testete verschiedene Leben und Männer. Und sie hatte auch kein Problem, darüber zu sprechen. «Du bist jung, du bist betrunken, du bist im Bett, du hast Messer - Dinge passieren.» Sie nahm mit, was das Leben ihr bot und schien dabei keinen Gedanken darauf zu verschwenden, was irgendwer irgendwo über sie dachte. Das war Punk, nur schöner.Allerdings verbarg sich unter all ihrem Rebellentum doch offenbar auch eine tief romantische Ader: Sie heiratete Miller nach den Dreharbeiten zu «Hackers», und mit Blut schmierten sie sich ihre Namen auf die weißen T-Shirts, die sie zu schwarzen Lederhosen trugen. Die Ehe hielt drei Jahre.
 |  Jolie | Foto: dpa |
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Es folgten Filme wie der großartige «Playing God» (1997), in dem sie eine Mafiabraut spielte, die sich zwischen einem bösen Timothy Hutton und einem guten David Duchovny entscheiden muss, «Gia» (1998), die Geschichte über das erste Model, dessen Aidstod offiziell Thema war oder auch der herzerwärmende «Leben und Lieben in L.A.» (1998), wo Jolie neben Sean Connery, Gena Rowlands, Dennis Quaid und Gilian Anderson auftrat. Innerhalb kurzer Zeit gewann sie zwei Golden Globes, wurde für den Emmy nominiert und mit dem SAG-Award ausgezeichnet. Ihre Fangemeinde wuchs exponentiell.
Inzestuöse Verhältnisse Ende der neunziger Jahre lernte sie bei den Dreharbeiten zu «Turbulenzen und andere Katastrophen» Ehemann Nummer zwei kennen, den knapp zwanzig Jahre älteren Haudegen Billy Bob Thornton. Das Blut wurde diesmal in Phiolen gefüllt, die das Paar als Kettenanhänger trug. Doch auch diese Ehe hielt nicht. Denn Jolie hatte etwas Neues entdeckt, was ihr viel Sympathie einbrachte: Sie adoptierte ein Kind.Sie hatte mittlerweile einen Oscar gewonnen, für eine Nebenrolle in «Durchgeknallt», in dem sie hauptsächlich sich selbst spielte, jedenfalls glaubten das alle. Die Oscarverleihung war übrigens ein kleiner Skandal: Nicht nur, dass Jolie daher kam wie eine moppelige Morticia aus «The Munsters» - sie knutschte vor lauter Glück ihren ebenfalls recht ansehnlichen Bruder James Haven so intensiv, dass in den Klatschblättern inzestuöse Verhältnisse in der Familie Jolie vermutet wurden.
 |  Jolie und Maddox | Foto: AP |
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Die Karrierekurve ging trotzdem steil nach oben, und der nächste Zug war, die Rolle des Videospiel-Stars Lara Croft anzunehmen. Die Dreharbeiten führten Jolie unter anderem nach Kambodscha, wo sie nicht nur ihre Liebe für das Land, sondern auch für einen kleinen Waisenjungen entdeckte: Maddox.Als Mutter kehrte Jolie nach Hollywood zurück, und plötzlich bekam political correctness einen Glamourfaktor. Thornton, der bereits mehrere Kinder aus früheren Beziehungen hat, war das angeblich nicht sexy genug. Und tatsächlich, die mittlerweile 27-Jährige wurde ruhiger. Sie wurde Botschafterin für das Kinderhilfswerk Unicef und reiste von Krisengebiet zu Krisengebiet, um die Kameras, die ihr als Hollywoodstar folgten, auf das Leid der Kinder in Ländern wie Sierra Leone zu lenken. Es funktionierte.
Der Versuch, ein guter Mensch zu sein Wiederholt zur «erotischsten» oder «schönsten Frau» gewählt, war sie zum Pinup geworden, das Männer und Frauen gleichermaßen verehrten. Sie war süß und verrucht, sexy und smart, wunderschön, doch scheinbar uneitel. Und sie versuchte, ein guter Mensch zu sein. Anbetungswürdig! Mittlerweile pflasterten ihre Bilder alle erdenklichen Hochglanzmagazine, und die Klatschwelt schien nicht genug zu kriegen von der «Göttin», so dass sie gerne über ihr wohltätiges Engagement berichteten, um dann aber endlich auf Jolies Sexgeschichten zu sprechen zu kommen. Über Freunde, mit denen sie sich angeblich in Hotels traf, mit denen sie aber keine Beziehung hatte, die brauche sie nämlich nicht.
 |  Pitt und Jolie in 'Mr&Mrs Smith' | Foto: Promo |
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Das haben alle geglaubt, bis dieses Gerücht aufkam. Im Jahr 2004 hatten die Dreharbeiten für «Mr&Mrs Smith» begonnen, das Remake einer Agentenkomödie, in der Brad Pitt Jolies Ehemann gab. Es folgte eine Art atomare Explosion im Herzen der Klatschkolumnen: Angeblich hatte sich Hollywoods Badgirl Hollywoods Supermann geangelt. Da starrten die meisten noch eher ungläubig auf die verschwommenen Paparazzi-Bilder. Doch dann verließ Pitt tatsächlich seine Superfrau Jennifer Aniston, und plötzlich ging alles ganz schnell: Jolie adoptierte ein weiteres Kind, Zahara aus Äthiopien. Pitt war dabei, als sie das Kind abholte, und er ließ sich als Vater eintragen. Im Oktober war die Scheidung von Aniston durch, Anfang 2006 verkündeten Pitt und Jolie, dass sie Nachwuchs erwarten. Shiloh Nouvel Jolie-Pitt wurde im Mai in Namibia geboren. Und der Rahmen war ein Medienspektakel ungeahnten Ausmaßes.
20 Millionen Dollar pro Film Jolie - nun mit drei Kindern und einem Mann, den sie angeblich nicht heiraten will - bereist weiterhin Krisengebiete und unterstützt Unicef, wo sie kann. Doch etwas hat sich verändert. Sie ist jetzt ganz Star und verhält sich mittlerweile auch so. Das ist möglicherweise nicht einmal ihre Schuld, wenn man daran glaubt, dass die Umgebung den Menschen formt. Mittlerweile kann sie 20 Millionen Dollar pro Film fordern. Trotzdem ist Wehmut schwer zu unterdrücken, während Jolies Image langsam zerfällt. Plötzlich steht zu lesen, dass sie sich bei einem Fotoshooting «wie eine Diva» aufgeführt habe, sie bricht geradezu dramatisch offensichtlich Diätrekorde. Ist es plötzlich wichtig, was Hollywood über sie denkt? Und ein irischer Kollege, «Matchpoint»-Star Jonathan Rys-Meyers, wurde nach einem Treffen mit Jolie mit den unfassbaren Worten zitiert: «In ihren Filmen ist Angelina irgendwie geairbrushed. Warum sollte ich meiner eigenen Frau eine Plastikschönheit aus Los Angeles vorziehen?» Und tatsächlich: Bei den Golden Globes sah sie irgendwie aus wie eine knochige Ausgabe von Jennifer Lopez, das breite Lachen ist so gut wie gar nicht mehr zu sehen, und dann ist da noch der unangenehme Beigeschmack vom «Jolie-Effekt», Hollywoods plötzliches Interesse an medienwirksamen Adoptionen.
 |  Familie Pitt-Jolie | Foto: AP |
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Wohl niemand hatte erwartet, dass aus dem ursprünglichen Willen, Gutes zu tun, Hollywoodsches Marketingmaterial werden könne, ein Trend wie Krokohandtaschen, Sechziger-Jahre-Design oder Charitypartys. Denn während Jolie unterwegs ist, sinnieren zahlreiche Kolleginnen plötzlich, ob sie nicht auch so ein Kind aus der so genannten Dritten Welt retten sollen. Berühmtestes Beispiel für die Ausführung ist wohl Madonna, die in Malawi «shoppen ging».Jolie hat sich dann leider nicht entblödet, in einem Interview erst etwas Negatives über diese Promi-Adoption zu sagen, nur um kurz darauf vermelden zu lassen, sie sei missverstanden worden. Offenbar ist Angelina Jolie geschluckt worden von der großen Hollywood-Maschine, der sie so lange widerstanden hatte. Sie ist nicht mehr eine von uns, sondern hat die Seiten gewechselt. Dabei müsste sie einfach nur auf ihren linken Unterarm gucken oder auf ihren Bauch. Doch hat sie bereits damit begonnen, alte Tätowierungen weglasern oder Neue drüber stechen zu lassen.
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