19. Jan 2007 11:27
Der bayerische Parodist Wolfgang Krebs kopiert seinen Landsmann Stoiber seit 13 Jahren. Noch sieht er sich als Botschafter des scheidenden Regenten. Doch er arbeitet auch an neuen Figuren.
Netzeitung.de: Herr Krebs, der Abgang Stoibers ist unumkehrbar. Was bedeutet das für Sie als sein Double? Wolfgang Krebs: Es gibt natürlich keinen, der mehr Interesse daran hat als ich, dass der bayerische Ministerpräsident so lange wie möglich Edmund Stoiber heißt. Es macht mir großen Spaß, die bayerische Politik etwas aufs Korn zu nehmen. Ich hatte noch nie so viele Auftritte wie jetzt, ich bin in Bierzelten, bei Starkbieranstichen und bei ähnlichen Anlässen auf dem Podium. Ob dort dann ein Ministerpräsident auftritt oder ein Alt-Ministerpräsident, das ist für meine Auftraggeber eigentlich unerheblich.
Krebs: Begonnen habe ich vor 13 Jahren mit einem Auftrag, auf einem Marktfest Stoiber zu sein. Es war damals nicht so einfach, weil er eigentlich eine andere Tonhöhe spricht als ich und eben diese Schachtelsätze bildet. Mit der Zeit ist er mir dann aber richtig sympathisch geworden. Netzeitung.de: Sind sie eine Art Botschafter Stoibers?
Krebs: Mein Ziel ist auch, den Bayern zu erklären, was Stoiber mit seinen oft etwas komplizierten Sätzen so meint. Ich bin der Botschafter der bayerischen Politik und werde das auch weit über meine Lebenszeit hinaus sein. Netzeitung.de: Wie verändert sich so eine Figur im Laufe der Jahre? Müssen Sie sich da anpassen?
Krebs: Selbstverständlich. Wir haben zum Beispiel ganz neue Töne gehört, als der in Bierzelten gefeierte Mann 2005 in Berlin erklärte, er wolle doch nicht Wirtschaftsminister werden. Nach der heftigen Kritik daran gab es dann auch lange, ruhige Sätze, einmal sagte er, dass er leide, 'wie ein Hund'. Er war plötzlich sehr in sich gekehrt und nachdenklich.
Das zeigte auch, dass hinter der Figur auch ein richtiger Mensch steckt. Nicht nur das, was Deutschland oft wahrnimmt. Stoiber hat in Bayern auch viel Achtung erworben. Angesichts dessen ist auch der Beschuss von seiner Kritikerin, der Landrätin Pauli eine unmögliche Attacke.
So geht man mit einem verdienstvollen Politiker nicht um. Diese CSU-Frau hat ihr Amt ja auch ihm zu verdanken. Sie und die anderen Gegner Stoibers agieren jetzt gegen ihn aus der Angst heraus, dass er bei der nächsten Wahl nicht mehr ein so gutes Ergebnis einfährt wie bei der letzten Bundestagswahl.
Netzeitung.de: Was machen Sie, wenn Stoiber mal nicht mehr in der Öffentlichkeit steht. Haben Sie Alternativen?
Krebs: Ich spiele auch Franz Beckenbauer, ich habe auch schon Marcel Reich- Ranicki kopiert. Jetzt erarbeite ich mir gerade die Figur von CSU-Landtagsfraktionschef Joachim Herrmann. Der wird immer bekannter, für mich ist er auch ein ganz heißer Aspirant für einen verantwortungsvollen Posten in der CSU. Wenn der mal in die erste Reihe kommt, kann ich endlich auch mehr essen. Für Stoiber muss ich immer wahnsinnig Diät halten. Ich kämpfe da hart mit den Kilos.
Der in Bayern geborene Krebs ist 40 Jahre, CSU-Mitglied und Stoiber-Fan. Sprachlich ist er in ganz Bayern zu Hause, geprägt haben ihn seine oberbayerische Mutter ebenso wie sein fränkischer Vater. Mit ihm sprach Tilman Steffen.