netzeitung.deDer einsame Cowboy wird 60

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Lucky Luke (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Lucky Luke
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Lucky Luke ist der berühmteste Cowboy im Comic-Universum. Und trotz seiner 60 Jahre zieht er noch immer schneller als sein Schatten.

Von Martin Oversohl

Der einsame Cowboy wird wohl auch als Rentner noch singend auf seinem Schimmel in den Sonnenuntergang reiten. So wie er es seit sechs Jahrzehnten immer wieder am Ende eines überstandenen Abenteuers tut. Und auch den Colt zieht «Lucky Luke» seit mittlerweile 60 Jahren schneller als sein Schatten. Nur den Glimmstängel hat der stete Einzelgänger nicht mehr lässig an den Lippen kleben. Seit den achtziger Jahren kaut einer der erfolgreichsten deutschen Comic-Helden vielmehr cool auf einem Grashalm herum, während er die Dalton-Verbrecher jagt oder die lausbübische Wildwestlegende Billy the Kid zurechtweist.

Das für Revolverhelden vergleichsweise hohe Alter sieht der Comicfreund seinem gezeichneten Idol natürlich nicht an: «Lucky Luke vereint die Coolness von Clark Gable, die Lässigkeit von Cary Grant und die Ehrenhaftigkeit von James Stewart in sich - den Hollywoodschauspielern, die Morris schon als jungen Mann begeisterten», beschreibt der Berliner Ehapa-Verlag seinen Umsatzerfolg. Der Belgier Maurice de Bévère alias Morris (1923-2001) erfand dn entspannten Cowboy 1946, erstmals rauchte der Colt dann in der Weihnachtsausgabe der belgischen Comiczeitung «Spirou» in dem Abenteuer «Arizona 1880».

Mehr als zehn Jahre später, im Dezember 1958, amüsierte Lucky Luke in der deutschen Erstausgabe «Der heitere Fridolin» die Leser. 1977 wird schließlich der erste eigene deutsche «Lucky Luke»-Band unter der Etikette «Western für Anspruchsvolle» veröffentlicht - mit Erfolg: Bis heute verkaufen sich rund 35 Millionen deutschsprachige Alben, weltweit liegt die Auflage bereits bei mehr als 100 Millionen Exemplaren.

Die Daltons und ein dummer Hund
Ohne Pferd kein Reiter - und so kann sich Lucky Luke auf die treue Begleitung seines sprechenden Pferdes Jolly Jumper verlassen. Weit weniger klug als der seiltanzende Schimmel präsentiert sich dagegen immer wieder der dämliche Gefängnishund Rantanplan, der «Hund, der dümmer ist als sein Schatten» - und natürlich müssen die vier Daltons Joe, William, Jack und Averell regelmäßig und stets erfolglos ihre Ausbrüche aus dem Knast, ihre Banküberfälle und Anschläge auf Postkutschen planen. «Ich mag die vier Daltons am liebsten», sagte Morris einst im Interview. «Lucky Luke» musste nach den Anweisungen des Verlegers ein leuchtendes und unfehlbares Beispiel darstellen. «Doch leider ist ein allzu perfekter Held sehr schnell langweilig, daher macht es mir viel mehr Spaß, die Dalton-Brüder auftreten zu lassen.»

Neben diesem festen Ensemble treten auf den knallbunten Seiten immer wieder schillernde historische Figuren vor allem aus dem Wilden Westen auf: Calamity Jane hatte seine Rolle, Jesse James und Mark Twain spielten ebenso ihren Part wie die Opernsängerin Sarah Bernhardt und Schauspieler wie Jean Gabin und David Niven. Seine Westerndetails erhielt Morris in den ersten Jahren vor allem von Filmfotos. «Und ich musste die meisten aus den Schaukästen vor den Kinos stehlen», gestand er.

Von Asterix geborgt
Nur wenige Jahre nach den ersten Auftritten «Lucky Lukes» holte sich Morris den Comic-Autoren René Goscinny ins Boot, der auch die Figur des unbeugsamen Galliers Asterix und den «kleinen Nick» schuf. Nach den gemeinsamen Erfolgen und dem Tod Goscinnys 1977 arbeitete Morris mit anderen Textern zusammen. Er legte zudem für die Zeit nach seinem Ableben fest, dass Lucky Luke unsterblich bleiben und mit neuen Autoren und Zeichnern für Recht und Ordnung sorgen solle.

Im neuesten Streich des aktuellen Teams Achdé (Zeichnungen) und Laurent Gerra (Text) sehen die Luke-Fans von Februar an die vier «Daltons in der Schlinge» - und wieder wird der Cowboy einsam singend in der Abendsonne reiten, etwa so, wie er es auf bedruckter Bettwäsche tut, auf französischen und belgischen Briefmarken und Kaffeetassen, den Filmen mit Terence Hill oder Til Schweiger in den Hauptrollen oder im eigenen Vergnügungspark nahe Lissabon. (dpa)