Buddhisten sollen «King Charles» krönen
26.10.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Eigentlich ist das Thema tabu. Natürlich tritt die Queen mit 80 Jahren auf Anraten ihrer Ärzte etwas kürzer. So ließ sie sich am Donnerstag wegen einer Muskelverspannung bei der Einweihung des neuen Stadions des Londoner Fußballclubs Arsenal entschuldigen. Und obwohl der Buckingham-Palast sofort darauf hinwies, dass Königin Elizabeth andere Termine wahrnehmen werde, macht man sich in London selbstverständlich bereits Gedanken über den Tag X - den Tag, an dem Charles den Thron besteigen kann. Ausgerechnet am Tag der Besuchsabsage bei Arsenal sind einige solche Gedanken an die Öffentlichkeit gelangt.
Demzufolge soll es neben der christlichen Krönungszeremonie, die seit fast einem Jahrtausend in der Westminster-Abtei stattfindet, erstmals eine zweite Zeremonie für andere Glaubensrichtungen geben. Auf diese Weise wolle der neue King gleich zu Beginn seiner Herrschaft ein Zeichen setzen, dass er sich tatsächlich als Oberhaupt aller Briten verstehe, unabhängig vom Glauben. Wird Charles in der langen Geschichte des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland der erste «Multikulti-König» sein?
Interessanter sind die Überlegungen für eine zusätzliche Zeremonie mit Vertretern des Islam, des Judentums, des Buddhismus und des Sikhismus, der in Großbritannien unter indischen Einwanderern weit verbreitet ist. Sie soll mit einigem zeitlichen Abstand zur eigentlichen Krönung in der Westminster Hall stattfinden, der großen Halle des Parlamentsgebäudes. Auf diese Weise wolle ein König Charles III. - oder wie immer er eines Tages heißen mag - «ein Beispiel für das ganze Land setzen», zitierte der «Spectator» einen hochrangigen Mitarbeiter des Hofstaates.
Der «Spectator»-Bericht wird in London trotzdem für glaubwürdig gehalten - zumal Charles in der Vergangenheit schon des öfteren gezeigt hat, dass er sich auch durch öffentliche Kritik von unkonventionellen Ideen nicht abbringen lässt. Im Königshaus hieß es offiziell nur, der Prinz von Wales sei «an keinerlei Diskussionen oder Planungen für die nächste Krönung» beteiligt. Aber niemand bestreitet, dass man sich für den Fall der Fälle Gedanken macht. (dpa)

