netzeitung.deKurt Krömers langer Abschied aus Neukölln

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Kurt Krömer allerorten (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Kurt Krömer allerorten
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Als anarchischer Clown irgendwo zwischen Kabarett und Comedy hat Kurt Krömer seine Nische gefunden. Nun könnte es dafür sogar den Deutschen Fernsehpreis geben.

Dieser Mann surft auf allen Kanälen: Gerade erst konnten die Zuschauer von Sat.1 zu später Stunde Kurt Krömers bereits etwas angestaubtes Kabarettprogramm «Na, du alte Kackbratze» bewundern, da soll der Mann schon wieder für die Öffentlich-Rechtlichen Humor unter Beweis stellen.

Bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises am heutigen Freitagabend ist der 31-jährige Berliner nämlich neben Urban Priol und Mario Barth in der Sparte Comedy mit seiner RBB-Show «Bei Krömers» nominiert. Talkgäste bei Krömer, der eigentlich Alexander Bojcan heißt, waren damals Rapper Sido und Boxweltmeister René Weller.

Neue Folgen der «Kurt Krömer Show» wiederum sind bei seinem Heimatsender, dem RBB, vom 5. November an zu sehen. Darin wird der Komiker mit dem anarchischen Humor wie gewohnt seine Interpretation des typischen «Icke-Berliners» geben.
Feuilletonisten sind begeistert
Krömer, der Mann mit Hornbrille und Hosenträgern, bedient damit erfolgreich ein Klischee, das bei den Öffentlich-Rechtlichen schon einem anderen Ruhm und Ehren eingebracht hat: Olli Dittrichs «Dittsche» kommentiert ebenfalls im gewollt proletarischen Outfit (Bademantel und Bierflasche) die Ereignisse der Woche und wurde damit mit zahlreichen wichtigen Preisen ausgezeichnet. Kunstfiguren sind sie beide, und das mit nicht sonderlich viel Bezug zur Realität. Den Kleidungsstil eines Kurt Krömers jedenfalls kann der gebürtige Neuköllner Bojcan mittlerweile in seiner alten Heimat wohl mit der Lupe suchen - Ballonseide und Bierbauch wären treffender. Dem Aufstieg des mittlerweile innerhalb Berlins umgezogenen Krömers hat dies natürlich keine Abbruch getan: 2005 gab es den Deutschen Comedypreis bei den Privaten als bester Newcomer.
Schmidts Nachfolger?
Und nun also könnte noch die ultimative Auszeichnung, der «Emmy» der deutschen TV-Unterhaltung folgen. Kein Wunder eigentlich: Bei der aktuellen Unterschichten-Debatte zeigt sich schließlich, dass die heimischen Kultur- und Meinungseliten kaum Kontakt außerhalb der eigenen Sphäre haben und stattdessen lieber ein geschöntes Bild von «denen da unten» pflegen.

Das Lob von Seiten der Feuilletons ist dem Fake-Neuköllner somit auch weiterhin sicher. In der «Süddeutschen Zeitung» wird Krömer gar als Nachfolger von Harald Schmidt gehandelt. Und auch wenn es heute abend nicht mit dem Deutschen Fernsehpreis klappt, kann es Krömer egal sein. Er vermarktet gerade die neu erschienene Live-DVD seines Programms, und das via ein großes deutsches Label. Übrigens: In Neukölln ist die «Kackbratze» ein Ausdruck höchster Wertschätzung.(nz)