netzeitung.deNachruhm des Irren vom Dienst ist ungebrochen

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Klaus Kinski (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Klaus Kinski
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Er hat sich in seinem maßlosen wie faszinierenden Leben alle Mühe gegeben, nicht 80 Jahre alt zu werden. Klaus Kinski war einer der letzten deutschen Stars - am Mittwoch wäre dieser runde Geburtstag gewesen.

Von Wolfgang Hübner

Der 80. Geburtstag von Klaus Kinski findet am 18. Oktober nur zum Gedenken an den Schauspieler statt, der bereits 1991 im fernen Kalifornien im Alter von 65 Jahren gestorben ist. Doch der Nachruhm des exzentrischen Mannes ist ungebrochen. Dafür sorgen allerdings weniger die vielen Filme, in denen er mitgewirkt hat, sondern die charakteristisch lüstern-weiche Stimme des begnadeten Rezitators.

Dokumentiert ist Kinskis Stimme auf vielen Tonträgern, die sich nach wie vor bestens verkaufen und Kultstatus besitzen. Noch 2003 ist eine 20 CDs umfassende Aufnahme auf den Markt gekommen, in der Kinski Werke der Weltliteratur liest, natürlich auf seine ganz unvergleichliche Weise, die viele betören, aber manche auch nerven kann. Doch der 1926 im heute polnischen Zoppot geborene Sohn eines Apothekers und einer Pfarrerstochter hatte das Publikum und die Öffentlichkeit schon immer polarisiert: hier die entzückten Bewunderer, dort seine empörten Verächter.

Klaus Kinski machte keine Karriere nach Plan, das hätte auch nicht zu ihm gepasst. Ohne ordentlichen Schulabschluss und auch ohne Schauspielerausbildung gelang es dem jungen Mann nach dem Krieg, dessen Ende er noch in britischer Gefangenschaft miterlebte, auf den Bühnen Fuß zu fassen. In Berlin, wo Kinski aufgewachsen war, machte er sich unter Boleslaw Barlog einen Namen, was den
Schauspieler aber nicht hinderte, mit dem berühmten Theatermann zu brechen und sogar die Scheiben von Barlogs Privatwohnung einzuwerfen. Schon in jenen Anfangsjahren pflegte Kinski seinen Hang zu Wutausbrüchen, bei denen in der Regel Mobiliar und Beziehungen jeder Art zu Bruch gingen.
Erregung öffentlichen Ärgernisses
Aber wenn er die erotischen Gedichte des Franzosen François Villon oder wenn er Schiller rezitierte, dann waren ihm volle Häuser in ganz Deutschland gewiss. Legendär ist der Skandal um Kinskis Eigeninszenierung von Jean Cocteaus Einpersonenstück «Die geliebte Stimme» in Berlin, die wegen «Erregung öffentlichen Ärgernisses» gewaltsam abgesetzt wurde. Damals hatte der Schauspieler schon in einigen Filmen mitgewirkt. Dass es am Ende seines Lebens an die 200 Kinorollen waren, in denen er zu sehen war, verdankte Kinski seinen vielen Verpflichtungen in den populären Edgar-Wallace-Streifen und in etlichen Italo-Western.
Tragischer Abgesang mit «Kinski Paganini»
Fast immer spielte er darin Bösewichter, Sadisten oder Irre, manchmal auch ein Gemisch aus diesen drei Negativcharakteren. Kinski verdiente damit viel Geld, auch wenn er selbst viele seiner Rollen «zum Kotzen» fand. Seine künstlerisch beste Zeit vor der Kamera kam erst in den siebziger Jahren, als er in der konfliktreichen Zusammenarbeit mit dem Regisseur Werner Herzog herausragende Filme - «Aguirre, der Zorn Gottes» (1972), «Nosferatu - Phantom der Nacht» (1978) oder «Fitzcarraldo» (1981) - drehte. Herzog hat seine Zusammenarbeit mit dem exzentrischen Star 1999 in der Dokumentation «Mein liebster Feind - Klaus Kinski» verarbeitet und ihm ein anrührendes Denkmal gesetzt.

1987 schrieb und inszenierte der Schauspieler, natürlich mit sich selbst in der Titelrolle, seinen letzten Film mit dem beziehungsvollen Titel «Kinski Paganini». Mit dem wüsten Leben des sexgierigen italienischen Geigenvirtuosen schilderte der alternde Kinski zugleich auch seine eigene Biografie. Der Film kam erst 1999 in die deutschen Kinos, allerdings ohne Erfolg beim Publikum. Künstlerisch war er missraten. Doch konnte er als tragischer Abgesang eines Mannes gesehen werden, der über reiche Gaben verfügte, die er aber selten zu kontrollieren wusste. Gleichwohl wirkt Klaus Kinski gerade deshalb auch 15 Jahre nach seinem Tod noch so lebendig. (AP)