netzeitung.deNachfolger von Peter Lustig trägt Rot

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Guido Hammesfahr im neuen Bauwagen (Foto: ZDF/ Christiane Pausch<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Guido Hammesfahr im neuen Bauwagen
Foto: ZDF/ Christiane Pausch
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Ära Peter Lustig endet, künftig moderiert Guido Hammesfahr «Löwenzahn». Die Netzeitung sprach mit ihm über den Bauwagen, Kindsein und das Schwerpunktthema Wildschwein.

Am 8. Oktober geht eine Ära zu Ende – und eine neue beginnt. Nach mehr als 25 Jahren hört «Löwenzahn»-Moderator Peter Lustig auf. Sein Nachfolger heißt Guido Hammesfahr, der als «Fritz Fuchs» durch die Kindersendung mit Kultcharakter führen wird. Der 38-jährige Hammesfahr wurde durch zahlreiche Krimirollen und durch sein Engagement in Comedy-Formaten wie «Danke Anke» oder «Ladykracher» bekannt. Der 69-jährige Peter Lustig geht aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand.

Neben Hammesfahr gibt es noch andere neue Figuren in «Löwenzahn», zum Beispiel Piet Klocke und der Berner Sennenhund «Keks», der mit Fritz Fuchs in den Bauwagen zieht. Erhalten bleiben soll jedoch das Grundkonzept der Sendung, die den jungen Zuschauern Alltagsphänomene rund um Natur und Technik erklärt. Allerdings will Hammesfahr seine Abenteuer etwas sportlicher angehen. Und auch Lustigs berühmten Schlussgag «Jetzt aber abschalten» übernimmt der kinderlose Hammesfahr nicht.

Netzeitung: Das ZDF hat mehr als 700 Bewerbungen für die Moderation der Kindersendung «Löwenzahn» bekommen. Warum ist das so ein Traumjob?

Guido Hammesfahr: Zumindest kein Traumjob, den ich mir konkret vorgestellt habe. Ich habe mich auch nicht beworben, sondern ich bin angefragt worden. Und dann habe ich lange überlegt, ob ich überhaupt zum Casting gehen soll.

Netzeitung: Sie sind gegangen und werden nun der Nachfolger von Peter Lustig. Was sprach für Sie?

Hammesfahr: Ich weiß nur, dass letztlich Kinder den Ausschlag gegeben haben, denen Ausschnitte vom Casting vorgeführt wurden. Das macht mich besonders stolz. Die Kinder haben gesagt, dass ich jung wirke, aber gleichzeitig gut erklären kann.

Netzeitung: Was glauben Sie, warum war Peter Lustig, der nach 25 Jahren aufhört, eigentlich so erfolgreich?

Hammesfahr: Er hat immer gesagt, dass er authentisch ist in allem, was er tut. Das hat er auch mir mit auf den Weg gegeben. Und er hat gesagt, als ich ihn kennen gelernt habe, ich soll die Kinder immer ernst nehmen und mir nichts gefallen lassen. Da arbeite ich dran.

Netzeitung: Sie sollen sich nichts von den Kinder gefallen lassen – oder vom ZDF?

Hammesfahr: Na, von der Redaktion und der Produktion. Wenn ich eine ganz klare Vorstellung habe, dann will ich mich durchsetzen. Aber das darf man nicht zu laut sagen und auch nicht fett drucken. Schließlich könnte die Redaktion das lesen. (lacht)

Netzeitung: Sie werden sicherlich manches anders machen als Peter Lustig. Wissen Sie schon, was?

Hammesfahr: Der «Löwenzahn»-Schwerpunkt «fragen, forschen, wissen» bleibt natürlich. Aber während Peter sehr viel intellektueller an die Sache rangegangen ist, bin bin etwas physischer. Wenn es um die Luft geht, bin ich in der Luft. Wenn es ums Tauchen geht, tauche ich. Ich bin sehr agil.

Netzeitung: Wenn Sie ständig in der Luft oder unter Wasser sind, dann spielt der Bauwagen ja kaum noch eine Rolle?

Hammesfahr: Ja, doch, da findet immer eine ganze Menge statt. Der Bauwagen wird aber ein wenig umgebaut. Ich bekomme beispielsweise eine Feuerwehrstange neben der Bauwagenterrasse. Dadurch komme ich viel schneller runter, um mit meinem Hund in das nächste Abenteuer zu laufen.

Netzeitung: Werden Sie auch mehr Humor in die Sendung bringen? Peter Lustig war ja trotz seines Namens weniger ein humorvoller, sondern ein eher großväterlicher Typ ...

Hammesfahr: Ja, das stimmt. Aber er war trotzdem unterhaltsam – eben mit einem gewissen Augenzwinkern.

Netzeitung: Aber Sie werden Witze machen und Pointen reißen.

Hammesfahr: Nein. Man muss jetzt nicht glauben, dass «Löwenzahn» eine Comedy-Sendung wird, bloß weil Guido Hammesfahr in den Bauwagen zieht. Diesen Bereich, den ich vorher vielleicht bei «Ladykracher» hatte, bediene ich nicht. Trotzdem habe ich schon meine Pointen: Verwechselungsgeschichten, Wortverdreher, Wortneuschöpfungen ...

Netzeitung: Wie erklärt man den Kindern, dass Sie der Neue im Bauwagen sind? Was werden Sie sagen?

Hammesfahr: Die ganze erste Folge handelt davon, wie ich den Bauwagen entdecke. Der zentrale Satz lautet: Ja, das ist es, ich ziehe hier ein, das wird mein neues Zuhause.

Netzeitung: Ein gemeinsame Folge mit Peter Lustig gibt es also nicht?

Hammesfahr: Nein, ich finde den Bauwagen, der schon ziemlich runtergekommen ist. Lustig ist schon lange nicht mehr da. Aber ich entdecke eine Kiste mit Fotos von ihm.

Netzeitung: Das Markenzeichen Ihres Vorgängers war die Latzhose. Was wird ihr Markenzeichen?

Hammesfahr: Ich habe eine rote Zimmermannshose an, die meine Verbindung zum Handwerk darstellt. Ich bin öfter bei Freunden in einer Tischlerei und mache alles Mögliche. Ein Spitzen-Hose, die haben wir rot gefärbt, das sieht pfiffig aus. Und robust ist sie auch, die hält allen meinen Abenteuern stand.

Netzeitung: Sie selbst sind kinderlos ...

Hammesfahr: Ja. Mein Bruder hat vier Kinder und damit einiges für den Durchschnitt getan. Statistisch steht meine Familie also ganz gut da ...

Netzeitung: Wären Sie heute gern noch einmal Kind?

Hammesfahr: Ich glaube, Kind zu sein, ist immer erstrebenswert. Als Kind ist die Welt noch in Ordnung, man ist mit allem ausgestattet, was man braucht. Der Stress kommt eigentlich erst mit dem so genannten Erwachsenwerden. Wenn ein Kind in die Schule kommt, funktioniert die Stimme noch, die Haltung ist gut, es gibt keine Rückenschmerzen oder dergleichen. Wenn man das Bildungssystem durchlaufen hat, erkennt man zum Beispiel als Schauspieler, dass man vieles wieder lernen muss: Atmen, Stimme, Haltung – eben all diese Dinge, die ein Kind mitbringt und die nur aufgrund unserer Vorstellungen vom Erwachsensein und Pflichterfüllen kaputt gehen. Aber wenn man vermitteln kann, dass man diesen Druck von außen nicht immer aushalten muss, sondern auch frei bleiben und die anderen respektieren kann, dann hat man eine gute Aufgabe. Das mache ich mir so ein bisschen zum Ziel.

Netzeitung: Haben Sie sich schon einen eigenen Schlussgag für die Sendung überlegt?

Hammesfahr: Sie beziehen das jetzt auf das «jetzt aber abschalten» von Peter Lustig am Ende jeder Sendung? Das wollte ich nicht kopieren. Ich beende die Sendung anders, ich geh mit meinem Hund spazieren. Das mit dem Abschalten fand ich prima, aber im Moment möchte ich selbst diesen kleinen Zeigefinger nicht erheben.

Netzeitung: Sollte es nicht so gut laufen, fragen Sie Peter Lustig dann um Rat?

Hammesfahr: Das weiß ich nicht. Wir haben uns erst einmal getroffen, ein sehr schönes Treffen übrigens. Ich kann mir schon vorstellen, dass ich den Dialog suche. Und ich bin grundsätzlich gespannt, wie ihm Löwenzahn mit mir gefällt.

Netzeitung: Sie werden ihn also auf jeden Fall anrufen?

Hammesfahr: Das ist mir wichtig. Ich will wissen, ob er mit meiner Form der Authentizität was anfangen kann.

Netzeitung: Einen gewissen Quotendruck gibt es auch bei einem aus dem deutschen Fernsehen fast nicht mehr wegdenkbaren Format wie «Löwenzahn». Hand aufs Herz. Wie gehen Sie damit um?

Hammesfahr: Ich wäre todtraurig, wenn es aus irgendeinem Grund nicht funktionieren würde.

Netzeitung: Und wenn Guido Hammesfahr dieser Grund wäre...?

Hammesfahr: Ja, beispielsweise (lacht). Dieses Risiko gehst du aber immer ein. Egal was du machst, tust, veröffentlichst, preisgibst – es ist anfechtbar. Außerdem kann sich alles noch verbessern und schöner werden. Schließlich hat sich Peter Lustig auch im Laufe von 25 Jahren noch entwickelt. Was ich abliefere, liefere ich mit bestem Gewissen ab. Sollte ich irgendwann ein Messer im Rücken haben, dann kann ich es nicht ändern. Ich habe mein Bestes gegeben.

Netzeitung: Mal das Gegenteil angenommen, «Löwenzahn» mit Ihnen läuft super. Dann kennt man Sie als Fritz Fuchs. Sind Sie dann verbrannt für andere Rollen? Einen Peter Lustig kann man sich auch nicht als Tatort-Kommissar vorstellen.

Hammesfahr: Ach, ich habe schon einige solcher Mechanismen erlebt. Und meistens gehen die nicht vom Zuschauer aus. Ich habe angefangen als Kommissar-Assistent, danach war ich Spurensicherer, Spurensicherer, Spurensicherer und wieder Kommissar-Assistent und Kommissar-Assistent. Dann kam ich irgendwie in die Comedy und war Comedy, Comedy, Comedy, Comedy. Mich würde es deshalb nicht wundern, wenn ich jetzt auf Kinderfernsehen abonniert werde. Aber ich sehe es als große Aufgabe an, noch andere Sachen zu machen – allerdings mit einem Horizont von ein paar Jahren. Im Moment gilt mein ganzes Augenmerk «Löwenzahn».

Netzeitung: Gibt es überhaupt noch neue Themen für Löwenzahn?

Hammesfahr: Mit Sicherheit werden wir Themen, die schon aufgetaucht sind, aus einem anderen Betrachtungswinkel betrachten. Das ist legitim. Und neue Themen finden wir schon auch.

Netzeitung: Also, was wird es Neues geben?

Hammesfahr: Ich staune immer, wie groß das «Löwenzahn»-Archiv ist. Aber das Schwerpunktthema Wildschweine haben wir noch nicht gehabt.

Mit Guido Hammesfahr sprach Sascha Woltersdorf.