«Ruhm und Glück» - Reality-TV im Irak
In einem beigen Anzug, an seiner Brille herumfingernd, verkündet der Nachrichtensprecher, dass es eine Explosion gegeben habe: «Die Mikrowelle ist vor Sohas Gesicht explodiert, als sie ihre Lieblingspizza zubereitet hat», sagt er.
Die Sendung stellt irakische Männer und Frauen vor, die sich Aufgaben stellen, um einen Vertrag mit dem Sender Al-Sharqiya zu gewinnen, der das Programm ausstrahlt. Fadhel hat sich in erfundenen Nachrichten versucht.
«Die Jugend erfährt heutzutage so wenig Untertsützung», sagt Programmchef Mustafa Kadhem. «Wir glauben, wir können dabei helfen, ein paar Talente zu entdecken.»
Al-Sharqiya stellte Iraks erste Reality-TV-Show ein Jahr später vor. Doch ging es dabei nicht um die reine Unterhaltung. «Construction Contract» (Bauvertrag) ging um den Wiederaufbau bei der US-Invasion 2003 zerstörter Häuser.
«Saya Wa Surmaya» startete in diesem Jahr mit monatlich wechselnden Themen. Einmal winkte als Gewinn ein zinsloses Darlehen, um ein eigenes Geschäft zu gründen. Die jüngste Staffel, «Jugend Projekt», ist ein Talentwettbewerb.
Im Juli ging die Show auf Sendung und zeigte die zwischen 17 und 30 Jahre alten Finalisten in einem Set, das an ein Wohnzimmer mit offener Küche erinnert. Dort müssen sie verschiedene künstlerische Aufgaben erledigen, sei es Fotografieren, ein Drehbuch schreiben, Regie führen oder Schauspielern. Das Ganze wird dann von professionellen Künstlern bewertet.
Trotzdem sind westliche Produktionsmethoden evident - von der Ikea-Ausstattung bis zur Werbung für die Show, die mit Frank Sinatras «My Way» unterlegt ist.
Es sieht vielleicht einfach aus, doch sagen die Produzenten, dass es hart sei, solch eine Show im Irak umzusetzen. 80 Prozent des Drehs passiert im Studio. Die wenigen Außenszenen entstehen «in Arbeitervierteln, die als sicher gelten», sagt Kadhem. Mehr könne und wolle er zu den Orten nicht sagen.
Fadhel, dessen Frau ihr erstes Kind erwartet, berichtet, er sei einmal auf dem Weg ins Studio an vier Anschlägen vorbei gekommen. «Ich muss mich künstlerisch ausdrücken», sagt er und zählt Stanley Kubrick, Jean-Pierre Jeunet und Oliver Stone als seine Idole auf. «Zwei Dinge könnten mich umbringen: ein Terrorist auf der Straße oder meine Kunst nicht auszuüben.« (AP)

