Die lustig-depressive Elisabeth Volkmann
Die Paraderolle als überdrehte Mutter der Klimbim-Familie hat Elisabeth Volkmann so fulminant gespielt, dass sie das Etikett «schrill» nicht mehr los wurde. Das störte sie auch nicht. «Besser ein Image als kein Image», sagte die Schauspielerin, die sich mit weiß geschminktem Gesicht und knallroten Lippen wie ein Stummfilmstar stilisierte. Dahinter verbarg sich «Elsbeth» aus dem Ruhrpott mit strubbelig-karottenroten Haaren und Sommersprossen. Volkmann wurde am Donnerstag tot gefunden.
Sie verfolgte unbeirrt ihr Ziel, Opernsängerin zu werden, und studierte an der Folkwangschule in Essen Schauspiel und ließ sich zur Sopranistin ausbilden. Ihre erste Rolle am Theater erhielt sie in Essen. In München gab sie ihr Debüt am Kabarett, aber sie blieb beim Theater und spielte Shakespeare und andere Klassiker. Das Kinopublikum lernte die Schauspielerin Anfang der siebziger Jahre hüllenlos im Softporno «Hausfrauen-Report» kennen - ebenso wie Ingrid Steeger. 1973 kamen beide groß heraus mit der 40-teiligen ARD-Comedy-Serie «Klimbim».
Volkmann sagte, sie sei eine «Komödiantensau». «Wenn es mir schlecht geht, sorge ich im Theater für die größten Lacher.» Aber Rainer Werner Fassbinder engagierte sie für drei Filme: «Die Sehnsucht der Veronika Voss», «Lili Marleen» und «Lola». Er plante nach ihren Worten Größeres mit ihr, fand, sie sei die geborene «Blanche», die tragische Frau im Drama «Endstation Sehnsucht».
Ihre leisen schauspielerischen Qualitäten durfte sie im Kinofilm «Kein Pardon» (1992) zeigen, eine Parodie auf Fernsehshows mit Heinz Schenk («Witzischkeit kennt keine Grenzen») und Hape Kerkeling. Volkmann spielte dessen «Mutter Schlönzke» ungewohnt zurückhaltend und überzeugend echt. Im Fernsehen war sie eher sporadisch - etwa auf dem «Traumschiff» - zu sehen. So blieb ihr in
den vergangenen Jahren das Synchronisieren - vor allem von Mutter Marge in der Zeichentrickserie «Die Simpsons» und Theaterrollen zum Beispiel in der Komödie «Scherenschnitt oder «Der Mörder sind Sie» mit Max Schautzer. 2004 kehrte «Klimbim» 2004 mit einer Bühnenfassung in Originalbesetzung zurück.
«Allein zurückzubleiben, ist das Schlimmste», sagte sie der «Bunten» und sprach offen darüber, dass sie schon immer unter Depressionen gelitten habe. Humor half ihr. Sie sagte: «Humor entsteht für mich aus einer tiefen Traurigkeit, aus einer Resignation. Was bleibt mir anderes übrig, als über mich selbst zu lachen?», sagte sie. «Ohne Humor kann man doch das Leben gar nicht bewältigen.» (AP)

