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Die lustig-depressive Elisabeth Volkmann

28. Jul 2006 18:14
Elisabeth Volkmann
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Sängerin, Schauspielerin, Kabarettistin - Porno, Fassbinder, «Die Simpsons»: Die vielseitige Elisabeth Volkmann starb mit 70 Jahren. Ein Nachruf.

Von Inge Treichel

Die Paraderolle als überdrehte Mutter der Klimbim-Familie hat Elisabeth Volkmann so fulminant gespielt, dass sie das Etikett «schrill» nicht mehr los wurde. Das störte sie auch nicht. «Besser ein Image als kein Image», sagte die Schauspielerin, die sich mit weiß geschminktem Gesicht und knallroten Lippen wie ein Stummfilmstar stilisierte. Dahinter verbarg sich «Elsbeth» aus dem Ruhrpott mit strubbelig-karottenroten Haaren und Sommersprossen. Volkmann wurde am Donnerstag tot gefunden.

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  • Am 16. März 1936 in Essen geboren (sie gab 1942 als Geburtsjahr an), bezeichnete sie ihre Kindheit als nicht immer glücklich. Sie musste nach eigenen Worten dafür kämpfen, Künstlerin zu werden. Ihre Mutter habe ihren Berufswunsch, Sängerin zu werden, nicht unterstützt. Sie wollte, dass sie Abteilungsleiterin der Damenkonfektion eines Warenhauses würde. Nach dem Tod des Vaters sorgte Elisabeth Volkmann aber schon als Kind mit Theaterengagements für den Unterhalt der Familie. «Ich hatte eine grässliche Kindheit, in der es kein Glück gab», sagte sie 2005.

    Sie verfolgte unbeirrt ihr Ziel, Opernsängerin zu werden, und studierte an der Folkwangschule in Essen Schauspiel und ließ sich zur Sopranistin ausbilden. Ihre erste Rolle am Theater erhielt sie in Essen. In München gab sie ihr Debüt am Kabarett, aber sie blieb beim Theater und spielte Shakespeare und andere Klassiker. Das Kinopublikum lernte die Schauspielerin Anfang der siebziger Jahre hüllenlos im Softporno «Hausfrauen-Report» kennen - ebenso wie Ingrid Steeger. 1973 kamen beide groß heraus mit der 40-teiligen ARD-Comedy-Serie «Klimbim».

    Turbulent-frivol

    Die chaotische Klimbim-Familie war fester Bestandteil der turbulent-frivolen Sketch-Show von Regisseur Michael Pfleghar: Volkmann mimte mit Strapsen und Mieder unter dem offenem Bademantel, Puschelpantoletten und Papilloten im Haar die überkandidelte Mutter Jolanthe von Scheußlich, die gut gelaunt ihre Koloratur-Übungen schmetterte und ihrer frechen Tochter Gabi mit Zahnlücke (Ingrid Steeger) saftige Ohrfeigen verpasste. Horst Jüssen spielte Jolanthes Gemahl Adolar von Scheußlich, Wichart von Roell den militaristischen Opa und Peer Augustinski den Hausfreund. Die Kultserie lief mit Einschaltquoten von teilweise über 60 Prozent sechs Jahre lang.

    Volkmann sagte, sie sei eine «Komödiantensau». «Wenn es mir schlecht geht, sorge ich im Theater für die größten Lacher.» Aber Rainer Werner Fassbinder engagierte sie für drei Filme: «Die Sehnsucht der Veronika Voss», «Lili Marleen» und «Lola». Er plante nach ihren Worten Größeres mit ihr, fand, sie sei die geborene «Blanche», die tragische Frau im Drama «Endstation Sehnsucht».

    Nach 27 Jahren heiratete sie ihren Partner

    Nach Fassbinders Tod im Jahr 1982 spielte Elisabeth Volkmann mit Peer Augustinski in der ZDF-Comedy-Serie «Das kann ja heiter werden» über eine Musikerpension mit. Einen weiteren «schrillen» Auftritt bescherte ihr Walter Bockmayer in «Geierwally». Ihre letzte Kinorolle war im Fantasy-Film «Planet B - The Antman» (2000).

    Ihre leisen schauspielerischen Qualitäten durfte sie im Kinofilm «Kein Pardon» (1992) zeigen, eine Parodie auf Fernsehshows mit Heinz Schenk («Witzischkeit kennt keine Grenzen») und Hape Kerkeling. Volkmann spielte dessen «Mutter Schlönzke» ungewohnt zurückhaltend und überzeugend echt. Im Fernsehen war sie eher sporadisch - etwa auf dem «Traumschiff» - zu sehen. So blieb ihr in
    den vergangenen Jahren das Synchronisieren - vor allem von Mutter Marge in der Zeichentrickserie «Die Simpsons» und Theaterrollen zum Beispiel in der Komödie «Scherenschnitt oder «Der Mörder sind Sie» mit Max Schautzer. 2004 kehrte «Klimbim» 2004 mit einer Bühnenfassung in Originalbesetzung zurück.

    Tiefe Traurigkeit

    Eine weitere Einkommensquelle wurde die in der DDR enteignete Senffabrik, die ihr Ehemann Eberhard Radisch nach der Wiedervereinigung zurück erhielt. Der Konzertagent war 33 Jahre lang ihr Lebenspartner, nach 27 Jahren ohne Trauschein schloss sie mit ihm in ihrer Wahlheimat München ihre zweite Ehe. Als er im Januar 2004 im Alter von 75 Jahren an Lungenkrebs starb, wurde sie nach eigenen Worten völlig aus der Bahn geworfen. Zwei Jahre zuvor war ihre Freundin, die Schauspielerin Barbara Valentin, gestorben.

    «Allein zurückzubleiben, ist das Schlimmste», sagte sie der «Bunten» und sprach offen darüber, dass sie schon immer unter Depressionen gelitten habe. Humor half ihr. Sie sagte: «Humor entsteht für mich aus einer tiefen Traurigkeit, aus einer Resignation. Was bleibt mir anderes übrig, als über mich selbst zu lachen?», sagte sie. «Ohne Humor kann man doch das Leben gar nicht bewältigen.» (AP)

     
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