netzeitung.deTanz auf Hitlers Grab - Mel Brooks wird 80

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Mel Brooks (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Mel Brooks
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Sein Humor ist selten politisch korrekt, und er kennt die meisten Hitler-Witze. Die Broadwayshow «The Producers» ist sein größter Erfolg. Mel Brooks wird 80.

Von Christoph Driessen

Seit nunmehr fünf Jahren wird am Broadway jeden Abend Deutsch gesungen. «Der Guten-Tag-Hop-Clop», das «Lieblingslied des Führers», ist einer der Hits des Musicals «The Producers». Mit der vielfach ausgezeichneten Produktion ist Mel Brooks auf seine alten Tage der größte Erfolg seines langen Komikerlebens gelungen. Der Regisseur und Drehbuchautor, der am Mittwoch 80 Jahre alt wird, dürfte damit als jüdischer Experte für Hitler-Witze in die amerikanische Entertainment-Geschichte eingehen.

1967 hatte er den Stoff bereits für einen Film verwendet, der ihm zwar einen Oscar für das beste Drehbuch einbrachte, aber schnell in Vergessenheit geriet. Die Musicalfassung hingegen wurde mehr als drei Jahrzehnte später in New York wie in London ein Dauerbrenner.

Der Reiz des Stückes besteht darin, dass es jede «political correctness» vermissen lässt und in einem fort Witze über Juden, Schwule, Hitler, Schwarze und Blondinen macht. Die Handlung geht in etwa so: Die beiden jüdischen Broadway-Produzenten Max Bialystock und Leo Bloom wollen in den fünfziger Jahren einen garantierten Musical-Flop auf die Bühne bringen, um ihre Geldgeber um die Investitionen zu betrügen und sich selbst zu sanieren. Auf der Suche nach der denkbar schlechtesten Vorlage stoßen sie auf «Frühling für Hitler», ein Machwerk des emigrierten Altnazis Franz Liebkind.

Bratwurst-Outfit
Der Bayer, der Lederhose mit Stahlhelm kombiniert, züchtet auf dem Dach eines New Yorker Hochhauses Tauben, die den Flügel zum Hitlergruß erheben können. Nachdem er die beiden Juden mit Hakenkreuzbinden versehen und ihnen den Siegfried-Eid auf den Führer abgenommen hat, kommen sie miteinander ins Geschäft. Ein schwuler Regisseur inszeniert das Stück aufwendig mit Hakenkreuz-Ballett, Reichsadler-Kulisse und Showgirls im Bratwurst-Outfit. Natürlich wird das Ganze wider Erwarten ein Riesenerfolg («Gratulation: Hitler wird immer laufen»), und die Produzenten landen im Gefängnis.

Für den englischen Komiker Peter Sellers (1925-1980) - ebenfalls ein Jude - war die Filmfassung von «The Producers» der «ultimative Film überhaupt» und die «Essenz aller Komödien». Die «New York Times» lobt: «Es ist so etwas wie ein Tanz auf Hitlers Grab.» Nur in Deutschland wurde Brooks gefragt, ob er Hitler nicht verharmlose. Seine Antwort: «Wir können mit den Mitteln der Komödie versuchen, Hitler seiner posthumen Macht und Mythen zu berauben. Wir nehmen ihm den heiligen Ernst, von dem er immer noch umgeben ist.»

Ich mache geschmacklose Sachen
Der Vorwurf mangelnder Feinsinnigkeit hat Brooks immer schon kalt gelassen. Auch seine Siebziger-Jahre-Parodien auf alle möglichen Filmgenres wie Western, Thriller, Kostümschinken, Horrorstreifen und die «Star Wars»-Serie waren allesamt Attacken gegen den guten Geschmack. Es ist oft die schiere Freude am verletzenden Witz, die ihn umtreibt. «Ja, ich mache geschmacklose Sachen», gibt er zu, «aber das intelligent.» (dpa)