netzeitung.de«Der witzigste Mann» wäre 100 geworden

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Billy Wilder (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Billy Wilder
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Seine Werke sind Meisterwerke der Filmgeschichte. Marlene Dietrich hat ihn geliebt. Am Donnerstag wäre Billy Wilder 100 Jahre alt geworden.

Von Christoph Driessen

Billy Wilder, der am Donnerstag 100 Jahre alt geworden wäre, gilt als größter Komödienregisseur Hollywoods. Zum Beweis dafür wird meist die Schluss-Szene von «Manche mögen's heiß» (1959) angeführt. Ein Millionär hat sich in eine Musikerin verliebt, doch am Ende lüftet sie ihre Perücke und gesteht ihm, dass sie in Wahrheit ein verkleideter Mann ist. Sein unaufgeregter Kommentar: «Nobody is perfect.»

Für Marlene Dietrich war Billy Wilder «der witzigste Mann, dem ich je begegnet bin». Die Distanz und der Zynismus des Zugereisten aus Old Europe befähigten ihn, sich so trefflich und tiefsinnig über Amerika lustig zu machen. Der Regisseur, der vielleicht die meisten Hollywood-Klassiker drehte, stammte aus einem der hintersten Winkel der österreichisch-ungarischen K.u.K-Monarchie, aus Galizien (heute Polen). Doch bereits seine Mutter war so amerikaversessen, dass sie ihn Billie nannte - nach dem Westernhelden Buffalo Bill. Schon früh stand für ihn fest, dass er nach Hollywood gehen würde. Seine Frau Audrey hat es später einmal so ausgedrückt: «Lange bevor Billy Wilder Billy Wilder wurde, dachte er bereits, er sei Billy Wilder.»

Mit 18 Jahren schwirrte er als Reporter durch Wien. Einmal befragte er an einem einzigen Tag den Komponisten Richard Strauss, den Schriftsteller Arthur Schnitzler und den Psychiater Sigmund Freud, der ihn allerdings vor die Tür setzte. 1926 zog es ihn nach Berlin, in die brodelnde Metropole der Weimarer Republik. Dort gelang ihm der Sprung ins Filmgeschäft - «die wichtigsten Jahre meines Lebens». Er schrieb erfolgreiche Drehbücher, unter anderem für «Emil und die Detektive» nach dem Kinderbuch von Erich Kästner. «Dann kam Hitler, Feierabend.» Wilder, ein Jude, verließ Deutschland und machte sich ohne ein Wort Englisch zu sprechen auf nach Hollywood.

Monroes hochfliegender Rock
Es dauerte bis 1942, ehe er dort zum ersten Mal Regie führte. Doch schon ein Jahr später, nach seinem Erfolg mit «Frau ohne Gewissen», bemerkte Alfred Hitchcock: «Die beiden wichtigsten Wörter im Kino sind nun Billy Wilder.» Es folgten Jahre des Triumphs, für die er mit sieben Oscars geehrt wurde. Er hat Kinomomente geschaffen, die in die amerikanische Kulturgeschichte eingingen - etwa Marilyn Monroe mit hochfliegendem Rock über dem Lüftungsschacht. «Die Leute strömten zusammen, als wir die Szene drehten», erinnerte er sich noch nach fast 50 Jahren.

Mit «Sunset Boulevard» («Boulevard der Dämmerung») wagte er bereits 1950 in seiner Anfangszeit eine zynische Abrechnung mit der Traumfabrik Hollywood: Die abgehalfterte Stummfilm-Diva Norma Desmond sitzt in einer heruntergekommenen Villa und wartet auf ihr Comeback. Ihr Butler verfasst hinter ihrem Rücken haufenweise Fanpost, um sie damit in dem Glauben zu bestärken, sie wäre noch gefragt.

Der letzte Mohikaner
Auch Wilder hat in den letzten zwanzig Jahren seines Lebens keine Aufträge mehr bekommen, obwohl er gern weitergemacht hätte. Fast bis zum Schluss fuhr er immer noch jeden Tag ins Büro und wartete darauf, dass das Telefon klingelte. Es klingelte auch - aber es waren immer nur Journalisten mit Interviewanfragen und Offizielle, die ihm eine neue Auszeichnung verleihen wollten. Studiobosse hatten kein Interesse mehr an dem «Letzten Mohikaner des alten Hollywood». Als er am 27. März 2002 mit 95 Jahren in Beverly Hills starb, war er längst zur Legende geworden. (dpa)