MTVs Papst-Serie empört deutsche Katholiken
10.04.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Ausschnitt aus 'Popetown'
Foto: MTV
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Der Musiksender MTV wirbt aggressiv für seine Zeichentrickserie über einen «durchgeknallten Papst». Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken ruft nun zum Protest gegen «Popetown» auf.
Jesus vor einem leeren Kreuz im Fernsehsessel sitzend, darüber die Parole: «Lachen statt rumhängen». Diese Anzeige, aber auch die Serie, die damit beworben wird, empört das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Mit dem Motiv wirbt der Musiksender MTV für eine neue Comic-Serie über einen «durchgeknallten Papst und einen kriminellen Kardinal», die am 3. Mai starten soll. Auf der Website des Senders heißt es, in «Popetown» gehe es unter anderem um «ungewollt-gewollte Todesfälle» und die Versklavung von Kindern.
'Widerwärtige Verhöhnung'Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken forderte nun alle Christen in Deutschland auf, von MTV den Verzicht auf die Serie zu fordern. Auch über das Anzeigenmotiv empörte man sich: «Nur wenige Tage vor Karfreitag und dem Osterfest werden die Christen in Deutschland in empörender Weise provoziert», sagte ZdK-Präsident Hans Joachim Meyer.
Die Serie sei eine «widerwärtige Verhöhnung der katholischen Kirche». Schon die Werbung für die Sendung ziehe «den christlichen Glauben in gröbster Weise in den Schmutz». «Die Fernsehserie und die dafür werbende Anzeige sind ein direkter Angriff auf den christlichen Glauben», meint das ZdK. Der öffentliche Friede werde dadurch gestört. Das ZdK überlegt nun, rechtlich gegen die Anzeige vorzugehen. Auch in Großbritannien und Neuseeland gab es Proteste gegen «Popetown». Die britische BBC entschied sich 2004 deshalb letztlich auch gegen eine Ausstrahlung der Serie.
MTV verteidigt sichMTV-Sprecherin Marie-Blanche Stössinger verteidigte die Serie unterdessen als Satire und somit als Kunstform. «Popetown» arbeite mit den für Satire üblichen Stilmitteln wie Verfremdung, Überspitzung und Parodie. «Die Serie polarisiert das Publikum und spricht nicht jeden an, jedoch kommt es weder zu Verunglimpfungen noch zu Beleidigungen von Glaubensrichtungen», betonte sie. In keiner Weise werde dadurch eine Haltung von MTV Networks dem Christentum oder der katholischen Kirche gegenüber ausgedrückt. (nz)