netzeitung.deBetty Friedan – Urmutter der Frauenbewegung

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Betty Friedan (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Betty Friedan
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Sie schrieb sich ihren Frust von der Seele und löste eine Revolution aus. Durch ihre Abrechnung mit der Hausfrauenrolle wurde Betty Friedan in den 60er Jahren zur Bestsellerautorin - und zum Sprachrohr unzufriedener Frauen.

Von Barbara Munker

Emanzipation war für die junge Betty Naomi Goldstein Anfang der 40er Jahre ein Fremdwort. Als die Berkeley-Universität in Kalifornien der hoch begabten Psychologiestudentin ein Ehren-Stipendium anbot, lehnte sie ab, um ihre Liebesbeziehung mit einem neidischen Physiker nicht zu gefährden. Sie wollte nicht «schlauer als die Jungen sein», räumte sie später ein, als sie längst als Urmutter der «women's lib», der Frauenbewegung, gefeiert wurde. Die amerikanische Feministin und Autorin Betty Friedan starb am Samstag an ihrem 85. Geburtstag in Washington. Als Todesursache gab die Familie laut «New York Times» Herzversagen an.

Mit ihrem ersten Buch «The Feminine Mystique» («Der Weiblichkeitswahn») zündete Friedan 1963 den Funken für die Emanzipationsbewegung in den USA. Darin rechnete sie mit der typischen Frauenrolle als Mutter und Hausfrau ab. Sie klagte eine Gesellschaft an, die Frauen den Weg zur Selbstfindung versperrte. Dabei schrieb sie sich auch den eigenen Frust von der Seele. Für ihren Mann, den Werbemanager Carl Friedan, und ihre drei Kinder hatte sie ihre wissenschaftliche Karriere aufgegeben.

«Ich ahnte nicht, dass mein Buch eine Revolution auslösen würde», versicherte die plötzlich berühmte Hausfrau. Mit über drei Millionen verkauften Exemplaren wurde sie zur Bestsellerautorin und zum Sprachrohr unzufriedener Frauen, die das Leben im «amerikanischen Traumhaus» satt hatten. Auf 300 Seiten analysierte sie «das Problem, das keinen Namen hat», nach Interviews mit Frauen, die unter der alltäglichen Isolation litten.

1966 gründete sie die «National Organization for Women» (NOW), die unter ihrer Präsidentschaft - bis 1970 - zu einer einflussreichen Interessenvertretung der Frauen wurde. Die 1970 von ihr organisierte erste große nationale Frauendemonstration richtete sich gegen die Diskriminierung der Frauen in der amerikanischen Gesellschaft. Friedan kämpfte auch um das Recht auf den Schwangerschaftsabbruch.

Mittlerweile geschieden, diskutierte, demonstrierte, organisierte und kämpfte Friedan - mit wirkungsvollen Slogans wie «Frauen der Welt vereinigt Euch! Ihr habt nichts zu verlieren als Euren Staubsauger» - an verschiedenen Fronten, um den Frauen einen Platz in Bereichen zu verschaffen, von denen sie früher ausgeschlossen waren.

Im Lauf der Jahre schlug sie dann sanftere Töne an, was ihr einige radikale Feministinnen als Wandlung zum Reaktionären vorhielten. «Feminismus ist gut für Männer», schrieb sie 1981 in ihrem Buch «Der zweite Schnitt». Die Frauenbewegung könne eine «humanisierende Kraft» für die gesamte menschliche Gesellschaft sein, machte sie als Vermittlerin zwischen Frauen und Männern geltend.

Mit über 70 Jahren setzte sich Friedan mit dem Alter auseinander und brachte 1995 mit «Mythos Alter» ihr letztes Buch heraus. Darin geht es um Probleme wie Diskriminierung und soziale Ausgrenzung, die Realität von Alters- und Pflegeheimen und um neue Formen der Selbstverwirklichung. Die neunfache Großmutter pendelte in den letzten Jahren zwischen Washington D.C. und den Hamptons, einem Strandbad auf Long Island.

Sie habe schon einmal darüber nachgedacht, was auf ihrem Grabstein stehen soll, gestand die Galionsfigur der Frauenbewegung einst in einem Interview. «Sie hat Frauen geholfen, sich als Frauen besser zu fühlen und somit Männer freier und erfüllter lieben zu können.» (dpa)