10.10.2005
Herausgeber: netzeitung.de
David Copperfield
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Mit neuen Kabinettstückchen tourt Zauberer David Copperfield derzeit durch Deutschland. Nicht alles davon ist geschmackssicher ausgefallen.
Von Jasper RothfelsDavid Copperfields Kunststücke wirken immer noch wie Zauberei. Das hat der US-amerikanische Magier am Sonntagabend in Mannheim beim Auftakt seiner Deutschlandtournee und dem ersten Deutschlandauftritt seit vier Jahren eindrucksvoll bewiesen. In seiner neuen Show mit dem Titel «An Intimate Evening of Grand Illusion» (Ein intimer Abend großer Illusionen) überwindet der 49-Jährige scheinbar mühelos Zeit, Raum und die Naturgesetze.
Nach der rund zweistündigen Darbietung, die mitunter skurrile und deftige Züge trug, klatschten die 8500 Zuschauer in der ausverkauften SAP Arena im Stehen. «Saugut», schwärmte eine 16 Jahre alte Besucherin, «es war so faszinierend!».
Copperfield «beamt» jetzt auchDie Darbietungen des vielfach ausgezeichneten «Illusionisten» und Ex-Langzeitverlobten des Models Claudia Schiffer versetzen das Publikum oft in ungläubiges Staunen. Bei der Nummer «Squeezebox» (Quetschkommode) etwa kriecht Copperfield in eine Schachtel, die er mit seinen Armen auf die Größe eines Eimers zusammenschiebt, um ihr danach lächelnd und in voller Größe zu entsteigen. «Killer» heißt ein Trick, bei dem der Magier einen giftigen großen schwarzen Skorpion am Schwanz packt, um ihn mit den Scheren aus einem Stapel Spielkarten genau jene Herz-Vier ziehen zu lassen, die zuvor von einer Zuschauerin verdeckt ausgesucht worden war.
«Intimer» Abend Jubelrufe erntet Copperfield für eine Nummer, bei der er sich mit einem Gast von der Bühne weg zu dessen Vater nach Jamaica «beamt». Das Publikum kann - angeblich per Direktübertragung - auf einer Leinwand sehen, wie Copperfield dort am Strand ein kurz zuvor in Mannheim aufgenommenes Zuschauer-Foto aus dem Sand zieht. Plötzlich steht er wieder in Mannheim im Publikum und lässt «jamaikanischen» Sand auf die Besucher herabrieseln.
«Intim» sei der Abend, weil es dabei auch um Persönliches gehe, etwa um seinen Großvater, hatte Copperfield vor der Show erklärt. Der Opa, der die Leute des Showbusiness für «Taugenichtse» hielt, war mit der Zauberei des Enkels nicht einverstanden und sprach die letzten drei Jahre seines Lebens nicht mehr mit dem Jungen, besuchte aber heimlich dessen erste Show.
Copperfield will an diesem Abend den Traum des Großvaters wahr werden lassen: Im Lotto zu gewinnen, um sich ein grünes Cabrio kaufen zu können. «Um seinen Traum zu erfüllen, werde ich die Lottozahlen vorhersagen», kündigt er an. «Die Wahrscheinlichkeit ist eine Trillion zu eins.»
Jürgen Drews ist begeistertMit ins Publikum geworfenen Frisbee-Scheiben wählt er drei Zuschauer aus, die ihm je zwei Zahlen nennen müssen. Und genau diese Zahlen stehen auf einem Papier, das er einer verschlossenen Kiste entnimmt. «Vor der Show habe ich die Vorhersage gemacht», versichert der Magier, dem das Publikum dafür brav Applaus zollt. Kräftiger wird der Beifall, als er unter einem Tuch jenes grüne Cabrio «hervorzaubert», das der Großvater immer gerne besessen hätte. Auch Sänger Jürgen Drews verfolgt mit seiner Familie das Spektakel.
Kartentrick mit Ultraschall«Die ganze Show basiert auf den Träumen der Menschen», sagt der Magier, der das Publikum mit seiner selbstironischen Art, Witzen und radebrechendem Deutsch oder der Frage nach der Unterwäsche oft zum Lachen bringt. Er betreibt aber auch kräftig Eigenwerbung, etwa mit einem Kurzfilm, in dem seine Auszeichnungen und früheren Meisterleistungen präsentiert werden.
Etwas befremdend mutet die Show an, als Copperfield eine Seniorin auf die Bühne bittet, damit sie «sein Baby» bekommt. Nach einer platonischen Befruchtungsprozedur wird der «per Ultraschall» gewonnene Film eines Babys im Mutterleib gezeigt. Es hält genau jene Spielkarte in der Hand, die eine Zuschauerin zuvor verdeckt auf ein Papier gemalt hat. (dpa)