05. Okt 2005 11:02
Sie habe hart trainiert, um die Farben von Kleidung erfühlen zu können, betont die blinde «Wetten dass...?»-Kandidatin Gaby Simon. Und zeigte ihre Kunst staunenden Reportern ein zweites Mal.
Vor der Kamera gelang das Kunststück, allerdings meldeten sich schnell Experten zu Wort, die Simons Fähigkeiten bezweifelten: Grundsätzlich sei es so, dass Blinde keine Farben fühlen könnten, sagte etwa Jürgen Lubnau, Präsident des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbands, der Nachrichtenagentur AP. «Hat diese Blinde Gottschalk an der Nase herumgeführt...?», titelte die «Bild».Mit der mag Gabriele Simon nicht sprechen, dafür aber mit einem Reporter der «Neuen Osnabrücker Zeitung»: «Das ist reine Konzentrations- und Lernarbeit», erläutert die Wettkandidatin, die von Geburt an blind ist. 1980 sei ihre rechte Hand bei einem Unfall verletzt worden, zwei Jahre habe es gedauert, bis sie wieder in der Lage gewesen sei, Blindenschrift zu lesen.
Das Training habe auch das Befühlen von verschiedenen Kleidungsstücken umfasst, so sei ihr der Zusammenhang zwischen Farbe und Härtegrad aufgefallen: «Für mich bedeutet diese Fähigkeit mehr Unabhängigkeit. Meine Mutter muss nicht mehr sagen, was ich anziehen kann. Das kann ich selbst.»Sie habe auf einem Auge vielleicht noch 1,5 Prozent Sehfähigkeit, könne ein bisschen hell und dunkel unterscheiden, erklärte Simon der «Neuen Osnabrücker Zeitung» weiter. «Links habe ich ein Glasauge.» Der Text schließt mit dem Hinweis des Reporters, die Farbenfühlerin habe ihre Fähigkeit in seiner Anwesenheit an drei zufällig ausgewählten Personen demonstriert, jeder Versuch sei erfolgreich gewesen.
Auch der zuständige ZDF-Redakteur Peter Gruhne betonte gegenüber AP, es gebe keinen Grund, an der Korrektheit der Wette zu zweifeln. Sie sei im Vorfeld der Sendung ausgiebig getestet worden, es habe keine Auffälligkeiten gegeben. (nz)