netzeitung.deDas offizielle Ende des Heroin Chic

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Kate Moss (Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH)

Lupe Kate Moss
Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH

Das Model Kate Moss steht am Pranger, Journalisten untersuchen Toilettensitze, und Catherine Deneuve ist wütend.

Keine Ahnung, warum es ausgerechnet Kate Moss erwischt hat. Doch seit einer Woche steht das Topmodel am Pranger und wird mit Abfall beworfen - mit heimlich aufgenommenen Videobändern, auf denen sie angeblich beim Koksen zu sehen ist, mit Zitaten angeblicher Freunde, die nicht nur von Lesben- sondern auch noch von Gruppensex wissen wollen und schließlich mit zerrissenen, millionenschweren Verträgen, die gekündigt werden, weil das «neue» Image der Moss weder zu H&M noch zu Burberry und schon gar nicht zu Chanel passt. Ein Vertrag ist noch ganz geblieben: der mit Dior.

All das passiert, weil die mediale Öffentlichkeit plötzlich und willkürlich beschlossen hat, dass die Zeit des Heroin Chic endgültig vorbei ist. Und weil deshalb das «schlecht gehütetste Geheimnis, nämlich dass dünne Models Sex und Drogen mögen», wie es in einem britischen Klatschblog heißt, von einem Tag auf den nächsten auf die Titelseiten der Boulevardblätter musste. Denn die sind natürlich dankbar, die Reizworte «Kokain» und «Sex» mit dem Bild einer schönen Frau kombinieren zu können.

«Was sie getan hat, ist nicht in Ordnung, aber in der Modeindustrie gab es schon immer Drogen», lässt sich die 19-jährige Sängerin Charlotte Church zitieren und sollte um ihre Karriere fürchten. Schließlich steht sie mit ihrer Kinderstar-Biografie bereits ziemlich nah an Moss' Scheiterhaufen. Doch hat sie Verstärkung, und die kommt völlig unerwartet aus Frankreich: Das Privatleben des Models gehe niemanden etwas an, hat die grande dame des Kinos Catherine Deneuve jüngst in einem Fernsehinterview gesagt. «Sie ist eines der besten Models, das ich je gesehen habe. Wenn sie ihr Privatleben ruiniert, geht das sonst niemanden etwas an», so die 61-Jährige, die selbst seit frühester Jugend im Rampenlicht steht.

«Heroin Kids»
«Ich bräuchte eigentlich nicht in den Entzug, aber ich muss es machen, weil ich sonst nicht gut aussehe», soll Moss vor ihren ersten Gang in eine Klinik gesagt haben, der bereits einige Jahre zurückliegt. Die 31-Jährige war im Alter von 14 Jahren auf dem New Yorker Flughafen JFK entdeckt worden und hat die erste Riege der Supermodels um Claudia Schiffer, Naomi Campbell und Christy Turlington nur knapp verpasst. 1996 war sie in einer Calvin-Klein- Kampagne mit Arbeitstitel «Heroin Kids» zu sehen. Sie stieg fast noch höher als ihre Kolleginnen, sie sei das Gesicht einer ganze Generation, sagte Designer Klein.

Doch zwei Jahre später und nach Ende des Acht-Jahres- Vertrages mit Calvin Klein ging es abwärts: Moss verschwand in einer Klinik, um sich von ihrer «Erschöpfung» zu erholen. Als sie nach zwei Monaten wieder herauskam, sprach sie offen über ihre Süchte. Sie habe ihre Karriere bisher im betrunkenen Zustand verbracht, so das Model im «Vogue»-Interview. «Über Jahre habe ich gedacht, das sei normal. Wir haben uns alle vor den Shows betrunken. Ich dachte, wir haben einfach Spaß, und den hatten wir ja auch. Aber es wurde zu viel. Es gab keine Normalität mehr.»

Im Jahr 2000 hatte sie den Status einer Stil-Ikone erreicht, sie war eines der best bezahlten Models der Welt. Und natürlich Liebling der Klatschblätter, die über ihre Beziehungen und Affären mit anderen Stars wie Rolling-Stones-Sohn Jesse Wood, Sänger Evan Dando, Schauspieler Billy Zane, Leonardo DiCaprio und natürlich Johnny Depp berichteten. Im September 2002 brachte Moss ihre Tochter Lila Grace zu Welt. Vater ist der «Dazed & Confused»-Herausgeber Jefferson Hack. Ein besonderer Dorn im Auge der Berichterstattung ist allerdings ihr neuer Freund, der Ex-Libertines-Sänger Pete Doherty. Der ist bekanntermaßen drogensüchtig und war bis vor kurzem noch Schuld am Drogenmissbrauch seiner Freundin.
Sitze abgewischt
Während vor allem britische Boulevardblätter täglich neue Details aus dem Leben der Kate Moss groß ziehen, hat der »Evening Standard« versucht, den Drogenskandal noch ein wenig auszuweiten. Dazu wurden Journalisten auf die gerade laufende London Fashion Week geschickt und sollten auf den Toiletten nach Kokain-Spuren suchen. Es waren die Klodeckel am Rande der Shows von Alexander McQueen, Versace, Topshop und Kosmetikhersteller Mac. Und wer hätte anderes erwartet: Sechs von sechs Proben waren positiv. Was immer das heißt.

Auf Kate Moss warteten die Paprazzi jedoch vergeblich. Zwar sorgte das Interesse an Moss für einen Zuschauerrekord in der Show ihrer Freundin Sadie Frost, doch kam das Model einfach nicht. Gerüchte besagen, sie überlege, in den Entzug zu gehen. (nz)