Paris Hilton, der «fleischgewordene Klingelton»
20. Mai 2005 17:57
 |  Paris Hilton, mal wild, mal brav | Foto: dpa/AP/nz |
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Am Donnerstagabend hat sich Paris Hilton neben Johannes B. Kerner gesetzt, ein bisschen am Kleid geruckelt - und sich zusammen mit den Zuschauern schrecklich gelangweilt.
Keine Ahnung, welche Vorstellung Paris Hilton von Deutschland hat, aber sie ist hierzulande derzeit auf Werbetour unterwegs und erschreckt Fotografen mit einem beeindruckend biederen Hausmütterchen-Look. Höhepunkt fand das Image-Spiel in der Talkshow «Johannes B. Kerner», in der sie am Donnerstagabend die Erinnerungen des fast achtzigjährigen Schauspielers Heinz Reincke und die Internatserfahrungen von «Reiches Mädchen»-Kollegin Chiara Ohoven ertragen musste, bevor sie mit gelangweilter Stimme ihre Leier von der hart arbeitenden Geschäftsfrau vortrug.
Am Freitag dankte ihr Deutschlands großes Boulevardblatt dafür mit dem Versprechen, «nie wieder» über sie zu berichten. Schließlich sei die Millionenerbin «ein Nix. Sie hat weder Möpse, noch Hintern, noch Schulabschluss», was ausgiebig mit seitenfüllenden Halbnacktbildern belegt wird, auf die man dort sicher ungern verzichtet. Bleibt abzuwarten, wann Hilton wieder so viel Haut zeigt, dass sie doch ins Blatt kommt.Eine lustige Kritik fand allerdings der Medienexperte Jo Groebel, Chef des Europäischen Medieninstituts, der Hilton in «Bild» einen «fleischgewordenen Klingelton» nennt und damit die perfekte Beschreibung für die 24-Jährige gefunden hat: Sie nervt, aber verdient ein Vermögen. Wie eine US-Zeitung jüngst herausfand, sollen es ohne elterliche Hilfe allein in den vergangenen fünf Jahren 115 Millionen Dollar gewesen sein. Und es wird täglich mehr.
«100.000 bis 300.000 Dollar» bekomme sie, wenn sie sich auf Parties blicken lasse, so Hilton. «300.000 für den ganzen Abend?», fragte der erstaunte Kerner. «Nein, für ein, zwei Stunden.»
Runtergedroschene Klischees
Sehr aufrecht saß die Hotelerbin da, in einem schlichten quietschgelben Kleid (sie wirbt ja jetzt für «Go Yellow»), dessen Saum sie immer wieder - ganz ungewohnt - nach unten zog. Eher wie eine Vertreterin der Jungen Liberalen als ein Las-Vegas-gestähltes Partywunder.Mit langen, teilweise gekauten Vokalen erzählte sie das, was sie in den vergangenen Tagen allen Interviewern erzählt hatte, denn Kerner fragte auch nichts anderes: Als sie klein war, habe sie Tierärztin werden wollen, ihre Familie sei ihr total wichtig, sie sei eine harte Geschäftsfrau und verdiene ihr eigenes Geld, und einen Ferrari bezahle sie mit Kreditkarte.
Schuhgröße 40
«Fragen Sie sich manchmal, warum so viel Menschen Sie toll finden», wollte Kerner dann noch wissen, scheinbar überfordert von der Tatsache, dass die Frau mit dem gut laufenden Privat-Sexvideo tatsächlich vor ihm saß: «Das liegt daran, dass ich ein spannendes Leben habe», sagte Hilton völlig unbeteiligt. «Ich bin blond und nett.»«Aber es gibt viele nette Mädchen. Was ist besonders?» Schläfriger Blick: «Keine Ahnung.» Leider wurden nur Klischees runter gedroschen, die Hilton meistens ohne Aktivierung ihres Gehirns beantworten zu können scheint.
Wundern durfte sie sich aber zum Schluss doch noch ein bisschen über deutsche Fernsehmoderatoren: «Stimmt es, dass sie Schuhgröße 42 haben», wollte Kerner wissen. Pause, Blick zu den Schuhen: «Nein, 40.» (nz)