Blond und bräsig: Hilton meets Gottschalk
17.05.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Neuerdings um Worte verlegen: Gastgeber Gottschalk und Paris Hilton
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Warum Sternchen Paris Hilton als Stargast hofiert wurde, wusste scheinbar noch nicht mal der handzahme Thomas Gottschalk. Nur hinter der Kulisse von «Wetten, dass...?» soll Spannung aufgekommen sein.
Superlative en masse wollte die ZDF-Show «Wetten, dass...?» am vergangenen Sonntag mit der Auslagerung ins türkische Aspendos kreieren. Doch statt Spannung und Spaß dominierte eine seltsame Bräsigkeit die von Thomas Gottschalk moderierte Show. Unverbunden wie immer saßen die «Stargäste» und Verkäufer in eigener Sache - diesmal etwa Schauspieler Heiner Lauterbach oder der (völlig schweigsame) Rennfahrer Kimi Räikkönnen - auf der Couch, während Sängerin Shakira, sichtlich abgemagert, aber erstaunlich beweglich in Brust- und Beckenbereich, ihren neuesten Song «La Tortura» vorführen durfte.
«Hast du Haustiere?»Eine Tortur dürfte für die wieder einmal 12,3 Millionen Zuschauer (Marktanteil fast 40 Prozent) hingegen der Auftritt von Hotelerbin und Party-Promi Paris Hilton gewesen sein. Warum die 24-Jährige überhaupt in seiner Sendung auftrat und als letzter Gast gar als Höhepunkt des Abends inszeniert wurde, konnte denn auch der sonst so wortgewaltige und sprachgewitzte Moderator nicht recht erklären.
Paris in eigenen WortenO-Ton Gottschalk in der Anmoderation: «Warum sie weltberühmt ist, weiß niemand so recht». Er selbst bemühte sich dann aber leider auch nicht, die Frage zu klären. Mit einer höchstens durch Knebelverträge erklärlichen Harmlosigkeit («Hast Du Haustiere? Hast Du überhaupt noch Freizeit?») gab Gottschalk der Blondine Stichworte, die mit der Präzision eines Automaten ihre derzeitigen Einkommensquellen vermarktete (die US-Serie «The Simple Life», ein neuer Film und der Werbevertrag mit dem deutschen Internet-Unternehmen Go Yellow).
Immerhin versuchte die grellgelb gewandete Hilton (Go Yellow!), die gedanklich zwischen ihrem letzten Aufenthalt (Cannes, Filmfestspiele) und den nächsten Promo-Events (London, später München und Hamburg) zu schweben schien, selbst ihren Ruhm zu erklären: «Ich bin blond und führe ein aufregendes Leben».
Stress hinter der Bühne?Auf einem Esel wollte sie nach dieser Betrachtung dann aber doch nicht mehr reiten durch das Amphitheater reiten, und verschwand somit bereits vor dem Schlussbild wieder aus der Show. Die Meldung des «Berliner Kurier», dass Thomas Gottschalk hinter den Kulissen der Show mit deutlichen Worten über die arg verspätet eintreffende Privat-Jet-Besitzerin gewettert haben soll, verstärkt da nur noch die Irritation angesichts dieses bizarr inhaltsleeren Auftritts.
Wettkönig wurde übrigens ein Chinese, der ein Fahrrad mit dem Mund in die Luft hob und dazu ein Volkslied sang. Gut zu wissen, dass Gottschalk auch gerade etwas verkauft hat, und zwar die Rechte für «Wetten, dass...?» - nach China. (nz)