01.04.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Harald Juhnke
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Der Schauspieler, Sänger und Entertainer Harald Juhnke ist tot. Damit hat ein Leben sein Ende gefunden, das von schillernden Erfolgen, aber auch tiefen Abstürzen gekennzeichnet war. Thema: Juhnkes Tod Harald Juhnke liegt im Krankenhaus Trauer um Juhnke: «Zu sensibel für diese Welt» Der SchauspielerHarald Juhnke ist tot Chronologie von Juhnkes Leben
Anfang der fünfziger Jahre stand ein junger Mann in den Ruinen des Schauspielhauses am Berliner Gendarmenmarkt und rief einem imaginären Publikum zu: «Meine Damen und Herren. Hier sehen Sie Harry Juhnke, der eines Tages der berühmteste Schauspieler Deutschlands sein wird.»
Er sollte recht behalten. Harry Heinz Herbert Juhnke, am 10. Juni 1929 im Arbeiterbezirk Berlin-Wedding als Sohn eines Polizeibeamten geboren, machte im Nachkriegsdeutschland eine einmalige Theater- und Filmkarriere. Als begnadeter Entertainer avancierte er in den siebziger Jahren endgültig zum Publikumsliebling.
Traurige Berühmtheit und die nicht immer schmeichelhafte Aufmerksamkeit der Boulevardmedien erlangte er aber auch durch seine Alkoholexzesse, die sein Leben zu einer «Achterbahnfahrt» machten, wie er selbst in seinen 1998 erschienenen Memoiren mit dem Titel «Meine sieben Leben» bekannte.
Bereits im Alter von 19 Jahren stand Juhnke auf der Bühne, zunächst am Maxim-Gorki-Theater und an der Freien Volksbühne Berlin. Parallel startete der Sonnyboy mit der Berliner Schnauze eine Film- und Fernseh-Karriere. In den 50er und 60 Jahren spielte er zumeist in leichten Unterhaltungsfilmen.
Einem breiteren Publikum wurde er dann Ende der 70er Jahre durch seine Fernsehauftritte mit Grit Böttcher in «Ein verrücktes Paar» bekannt. Große Popularität erlangte er auch als Sänger, Moderator und Entertainer mit Sendungen wie «Musik ist Trumpf». Insgesamt spielte Juhnke in über 70 Fernseh- und Kinoproduktionen mit. Zu den bekanntesten zählten «Pepe der Paukerschreck» und Helmut Dietls Filmgroteske «Schtonk!«
Doch auch dem Theater blieb Juhnkwe zeitlebens treu. Mit seinen Rollen in Stücken von Molnar, Molière, Eugene O'Neill und Peter Turrini gelang Juhnke in den achtziger Jahren der von ihm so lang ersehnte Sprung «von den Klatschspalten ins Feuilleton», wie er selbst einmal sagte. 1996 feierte er im Berliner Gorki Theater als «Hauptmann von Köpenick» wahre Triumphe.
Auch mit Preisen wurde Juhnke im Laufe seines Lebens geradezu überhäuft. Von den zahllosen Ehrungen seien nur die Goldene Kamera, der Deutsche Filmpreis, der Ernst-Lubitsch-Preis und der Bayerische Fernsehpreis genannt.
Doch trotz dieser öffentlichen Anerkennung gelang es Juhnke nicht, seine psychischen Probleme in den Griff zu bekommen. Zwar frohlockte er an seinem 70. Geburtstag, sein Alkoholproblem endgültig überwunden zu haben. Doch schaffte er es nur drei Jahre, trocken zu bleiben. 2000 kam es dann zu einem schweren Zusammenbruch nach Dreharbeiten in Wien, von dem er sich nicht mehr erholen sollte.
Am 11. Dezember 2001 musste sein langjähriger Manager Peter Wolf bekannt geben: «Harald Juhnke ist unheilbar krank. Sein Geist ist verwirrt. Harald Juhnke wird wohl nie wieder auf einer Bühne oder vor einer Kamera stehen. Heute endet die wohl schillerndste Nachkriegskarriere eines deutschen Schauspielers und Entertainers.»
Seit Dezember 2001 lebte Juhnke in einem Heim für geistig verwirrte Menschen in der Nähe von Berlin. Dort ist er am Freitagmorgen im Alter von 75 Jahren gestorben. (nz)