14.01.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Rudolph Moshammer
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Der Tod Rudolph Moshammers sorgt nicht nur in der Society für Bestürzung. «Wir haben einen Gönner verloren», so die Sprecherin einer Obdachlosen-Hilfsorganisationen zur Netzeitung.
Der Name Rudolph Moshammer bedeutete für die meisten Menschen: verrückte Frisur, pompöses Auftreten und immer den kleinen Hund Daisy auf dem Arm. Doch hatte der Münchner Modedesigner, der am Freitagmorgen tot aufgefunden wurde, auch eine ganz andere Seite, abseits aller Oberflächlichkeit: Moshammer war ein großer Helfer für Menschen, die durch das soziale Netz der Gesellschaft gerutscht sind. Erst Weihnachten vergangenen Jahres war er Pate eines Suchtzentrums für Alkoholkranke geworden. Seit mehr als zehn Jahren unterstützt er Obdachlosen-Hilfsorganisationen, in diesem Jahr wollte er ein Obdachlosen-Heim für 60 Personen einrichten.
«Wir haben einen großen Freund und Gönner verloren», sagte Eleni Adamidu von der Münchner Obdachlosen-Zeitung «Biss» der Netzeitung. «Wir sind sehr bestürzt, die Stimmung ist am Boden.» Von Anfang an habe Moshammer die Zeitung, deren Verkäufe Obdachlosen zu Gute kommt, unterstützt. «Gleich zu Anfang, im Jahr 2000, hat er drei Patenschaften übernommen, das heißt wir konnten drei Leute einstellen», so Adamidu.
Dazu seien Einzelbeihilfen gekommen, so er habe einen Betriebsausflug ermöglicht, den Parkettboden des Büros erneuern lassen und auch eine Weihnachtsfeier spendiert. «Wo er konnte, hat er uns unterstützt.» Dabei sei er ein sehr pragmatischer Mensch gewesen, sagt Adamidu.
Vater starb auf der StraßeIn einem ARD-Bericht aus dem vergangenen Dezember wurde bekannt, warum Moshammer sich so um Obdachlose bemüht hat: Sein Vater starb nach einem Leben auf der Straße. Deshalb «schlägt mein Herzblut für Obdachlose», wurde der Designer in dem Bericht zitiert. «Das sind liebenswerte, wertvolle Menschen, Menschen wie du und ich, die durch Umstände in die Obdachlosigkeit gerutscht sind.»
Auch er selbst, der als Szene-Star im Luxus lebte, habe als Kind Armut und Not erlebt, heißt es weiter. Als sein Vater arbeitslos wurde, hätten er und seine Mutter «Tag und Nacht arbeiten» müssen. «Wir fanden fast keinen Schlaf.» Dass sein Vater dann die Familie verließ und auf der Straße lebte, habe er nie verwunden.
Der 59-Jährige hat zudem eine Stiftung und den Verein «Licht für Obdachlose» gegründet. In Zusammenarbeit mit der Münchner Tafel verteilte er alljährlich Advents-Spenden an Menschen, die auf der Straße leben. Das Besondere an Moshammer, so Adamidu, sei gewesen, dass seine Hilfe nichts Einmaliges war. «Er blieb am Ball.» (nz)