netzeitung.deKekilis Tränen stören brave Bambi-Gala

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Sibel Kekilli, wieder gefasst, mit ihrem Bambi (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Sibel Kekilli, wieder gefasst, mit ihrem Bambi
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Mit einer leidenschaftlichen Medienschelte brachte Schauspielerin Sibel Kekilli echte Emotionen in die ansonsten biedere Bambi-Veranstaltung.

Versprochen hatten die Veranstalter das Übliche: Glanz, Glamour und viele internationale Stars auf dem Roten Teppich. Zumindest letzteres konnte die Verleihung des Medienpreises Bambi denn auch einlösen. Unter den Gästen und Preisträgern des Verlagshauses Burda waren unter anderem Musiker Elton John (für sein Engagement gegen Aids), Schauspieler Tom Hanks und Modemacherin Donatella Versace. Preisträger Nelson Mandela, Südafrikas Ex-Präsident, kam nicht, sondern bedankte sich per Videobotschaft.
Endlose Danksagungen
Ansonsten nahm die Gala, die am Donnerstagabend gleichzeitig im ZDF zu sehen war, einen eher zähen Anfang. Immer wieder etwa mussten die Moderatoren Johannes B. Kerner und Sandra Maischberger die Zuschauer zum Telefonvoting für den Publikumspreis auffordern. Später wurden beide auf einer großen Leinwand mit TV-Ausschnitten aus ihren Moderationsanfängen in den Achtzigern konfrontierten, offenbar, um die unvorteilhaften Frisuren und Outfits zu zeigen. Was das sollte, was nicht klar. Wirklich lustig war es nicht.

Auch als die ersten Preise verliehen wurden, hielt sich die Stimmung in Grenzen. Die Crew von «Bully» Herbigs Film (T)Raumschiff Surprise etwa verstrickte sich in endlosen, nur selten originellen Dankesreden an Familie, Freunde und Arbeitskollegen. Und so war es der Schauspielerin Sibel Kekilli («Gegen die Wand») vorbehalten, in ihrer Dankesrede für echte Emotionen zu sorgen.

Stopp für die Hetzkampagne
Sie nutzte die Öffentlichkeit, um die Boulevardpresse zu attackieren, die noch immer ihre Vergangenheit als Pornostar in äußerst verletzender Art und Weise zum Thema mache. Unter Tränen beklagt die türkischstämmige Schauspielerin die «dreckige Hetzkampagne» einiger Boulevardmedien und nannte namentlich «Bild» und den Kölner «Express». Sie schloss ihren Apell mit den Worten: «Ihr müsst mich nicht lieben» und stotterte: «Aber respektiert endlich, dass ich ein neues Leben begonnen habe.» Nicht nur sie, auch mehrere der rund 1000 geladenen Gäste im Saal hatten danach feuchte Augen. Die Regie versäumte es taktvoll, die Attackierten - etwa die anwesenden Chefredakteure - ins Bild zu setzen.
Dank an Alice Schwarzer
Auch die Moderatoren gingen ohne einen Kommentar zur Tagesordnung über. So durfte noch Alt-Kanzler Helmut Kohl den Film «Der Untergang» loben («Dieser Film war in Deutschland notwendig»). Heidi Kabel wurde für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Auch Sänger Seal bekam einen Preis - und durfte für seine ebenfalls anwesende Freundin Heidi Klum und die restlichen Gäste im Saal singen. Nur zwei der zu vergebenden Medienpreise waren zuvor nicht bekannt gegeben worden.

So erhielt etwa Präsentator Johannes B. Kerner sozusagen während der Arbeit einen Überraschungs-Bambi für seine Sportberichterstattung. Und die Zuschauer, die vorher so dringlich zum Anrufen aufgefordert worden waren, wählten das «Wer wird Millionär?»-Prominenten-Special mit Günther Jauch und Alice Schwarzer als «TV-Ereignis des Jahres». Schwarzer bedankte sich erfreut, dass «Spontanität und Improvisation» belohnt wurden.

Die waren bei der Bambi-Verleihung nämlich selten. (nz)