netzeitung.deIslamkritischer Cineast in Amsterdam ermordet

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Lupe Islamkritischer Cineast in Amsterdam ermordet

Mitten in Amsterdam ist am frühen Dienstagmorgen der niederländische Filmregisseur und Publizist Theo van Gogh erschossen worden. Er war ein Freund des vor Jahren ebenfalls getöteten Politikers Pim Fortuyn.

Der niederländische Filmemacher und Satiriker Theo van Gogh ist am Dienstagmorgen auf offener Straße in Amsterdam ermordet worden. Wie die Polizei mitteilte, griff ein Mann den 47-Jährigen an und schoss sechs bis sieben Mal auf ihn. Dann stach er mit einem Messer auf den Sterbenden ein. Van Gogh war mit dem Fahrrad unterwegs gewesen. Der Tatverdächtige sei ein 26-jähriger Mann mit marokkanischer und niederländischer Staatsangehörigkeit, sagte ein Polizeisprecher.

Er sei festgenommen worden, nachdem er sich nach dem Anschlag auf den Filmemacher eine Schießerei mit der herbeieilenden Polizei geliefert habe. Van Gogh starb kurz darauf. Niederländische Medien berichteten, ein Text in arabischer Schrift sei auf seinem Leichnam gefunden worden.

Königin Beatrix und Ministerpräsident Jan-Peter Balkenende äußerten Abscheu und Entsetzen über den Mord. Balkenende warnte vor vorschnellen Schlussfolgerungen. Es sei jedoch nicht hinnehmbar, «wenn eine Meinungsäußerung Ursache für diesen brutalen Mord gewesen sein sollte».

Van Gogh war als Filmemacher und Drehbuchautor über die Grenzen der Niederlande hinaus bekannt. Er arbeitete zudem als Fernsehmoderator und schrieb Kolumnen, die für ihre Bissigkeit gewürdigt wurden.

Freund von Fortuyn
Zudem war der Publizist auch ein Freund des vor einigen Jahren ebenfalls öffentlich ermordeten rechtsgerichteten Politikers Pim Fortuyn. Diesen hatte Van Gogh stets gegen Angriffe in Schutz genommen und das «Recht auf das freie Wort» propagiert. Kurz vor Fortuyns Tod hatte Van Gogh den Freund gewarnt, dass er wegen seiner politischen Meinung bedroht sei.

Van Gogh hatte kürzlich mit einem Kurzfilm über eine Muslimin Aufsehen erregt, die zu einer Eheschließung gezwungen, von einem Verwandten vergewaltigt und anschließend wegen Ehebruchs bestraft wird. Das Skript für den Film «Submission» stammte von einer rechtsgerichteten Politikern, die sich selbst vom Islam losgesagt hatte.

Unter Polizeischutz
Der Filmemacher hatte Todesdrohungen erhalten, nachdem «Submission» im Fernsehen gezeigt worden war. Der Regisseur stand seitdem unter Polizeischutz.

Zuletzt hatte Van Gogh an einem Film über Fortuyn gearbeitet. Der Film «0605» war gerade fertiggestellt, als der Cineast am Dienstag ermordet wurde. Weitere Filme Van Goghs: «A Day At The Beach» (1984) «06» (1994) «Blind Date» (1996) «Baby Blue» (2001). (nz)