netzeitung.deAlexandra Maria Lara: «Der Wahnsinn war beklemmend»

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In «Der Untergang» spielt Alexandra Maria Lara Hitlers Sekretärin. Im Interview sprach sie über Widerworte gegen Hitler, Tränen am Set und absurde Momente im Führerbunker.

Die gebürtige Rumänin Alexandra Maria Lara kam im Alter von viereinhalb Jahren nach Deutschland. Heute ist die mittlerweile 26-jährige eine der bekanntesten jungen Schauspielerinnen des Landes.

Nach Auftritten in international produzierten Historiendramen wie «Napoleon» oder «Dr. Schiwago» (mit Sam Neill und Keira Knightley) ist Lara nun in Oliver Hirschbiegels Film «Der Untergang» als Adolf Hitlers Sekretärin Traudl Junge zu sehen. Deren Erinnerungen, in denen sie selbstkritisch ihre Rolle und ihre Erlebnisse im Nationalsozialismus reflektiert, waren sowohl als Buch wie auch in der Verfilmung von André Heller sehr erfolgreich. Sie waren außerdem Grundlage für das Drehbuch von Produzent Bernd Eichinger.

War das Thema Nationalsozialismus für Sie schon ein Thema, bevor Sie die Rolle der Traudl Junge übernommen haben?

Alexandra Maria Lara: Ja, natürlich. In der Schule, aber auch durch Bücher, die ich als Jugendliche gelesen habe, etwa das «Tagebuch der Anne Frank». Privat allerdings hätte ich bisher nicht zur Biografie von Adolf Hitler gegriffen, da haben mich eher andere Dinge interessiert. Als ich im Drehbuch dann vom Mord an den sechs Goebbels-Kindern gelesen habe, war ich schon sehr betroffen und fragte mich: Habe ich das denn nicht gelesen, habe ich das etwa vergessen? Die Auseinandersetzung mit dem Thema habe ich daher als äußerst spannend empfunden.

Wie war die Zusammenarbeit mit Bruno Ganz, der Adolf Hitler spielt?

Lara: Ich war wirklich fasziniert davon, ihn zu treffen und zu sehen, wie er mit einer solch schwierigen Herausforderung umgeht. Und es war ein Genuss, einem so großen Schauspieler zuzusehen.

Sie spielen laut Produzent Bernd Eichinger eine der wenigen Sympathieträgerinnen im Film. Hat Ihnen das die Zusage zu der nicht unumstrittenen Produktion erleichtert?

Lara: Bei mir war das natürlich anders als bei Bruno Ganz. Wenn da ein Produzent kommt und fragt, möchtest du Adolf Hitler spielen, überlegt man sich das bestimmt mehrmals. Die Traudl Junge zu spielen, ist mir manchmal schwer gefallen, aber nicht sehr. Sie ist in diese Situation jung und etwas naiv hereingeraten und hat noch viele Jahrzehnte dafür bitterböse bezahlt. Aber vor allem war ich froh, dass man bei der Besetzung an mich gedacht hat.

Sie klingen sehr bescheiden, obwohl Sie als junge Schauspielerin schon viele große Filme gemacht haben. Gibt es bereits Anfragen aus Hollywood?

Lara: Also derzeit genieße ich vor allem meine Arbeit hier in Deutschland. Zuletzt habe ich etwa mit Helmut Dietl gedreht, «Vom Suchen und Finden der Liebe». Demnächst drehe ich erneut mit Doris Dörrie die Verfilmung des Märchens vom «Fischer und seiner Frau». Klar, internationale Produktionen sind schon toll, aber ich bin auch nicht traurig, wenn ich mal eine Rolle nicht bekomme.

Wie haben Sie sich Ihrer Figur der Traudl Junge angenähert? Hatten Sie an manchen Stellen Probleme, an anderen weniger?

Lara: Traudl Junge ist für mich ein sehr ambivalenter Charakter. In diesen letzten Tagen, die wir abbilden, muss sie sich im Gefühlschaos befunden haben. In ihrem Buch «Bis zur letzten Stunde» beschreibt sie auch, wie sie um ihr Überleben kämpft. Und gerade in dieser Zeit beginnt sie Dinge zu realisieren, vor denen sie vorher die Augen verschlossen hat. Es gab Momente, da dachte ich, das kann nicht sein, dass sie nichts wusste! Aber genau das sagt sie ja auch in ihrem Buch und in unserem Film: Ich habe deshalb nichts gesehen, weil ich nichts sehen wollte. Deshalb habe ich großen Respekt vor ihr, weil sie den Mut aufgebracht hat, sich ihrer Geschichte zu stellen.

Die Athmosphäre am Set im sehr realistisch nachgebauten Führerbunker wurde von Ihren Kollegen als teilweise angespannt beschrieben. Wie haben Sie das empfunden?

Lara: Es gab schon sehr absurde Momente. Etwa, wenn ich gemeinsam mit der zweiten Sekretärin mit Hitler beim Essen saß oder in anderen Momenten dabei war, aber keinen Text hatte. Dann hatte ich manchmal nach sechs Stunden Dreh in dieser Enge das Gefühl, Adolf Hitler/Bruno Ganz Widerworte geben zu wollen. Dessen Ausbrüche, dessen Wahnsinn war schon beklemmend.

Haben Sie davon geträumt?

Lara: Nein, ich nicht, erst etwas später. Andere schon. Aber ich habe mich jeden Tag gefragt, wie Bruno Ganz wohl geschlafen hat! Ihn zu fragen, habe ich mich aber nicht getraut. Ich selbst habe auch einmal angefangen zu weinen, und wusste gar nicht, warum.

Was ist da passiert?

Lara: Es war beim Dreh, ungefähr, als ich die Hälfte meiner Rolle abgedreht hatte. Die Szene ist im Kino nicht zu sehen, aber in der TV-Fassung (die ARD wird den Film ebenfalls ausstrahlen, d. Red). Da bin ich mit den sechs Goebbels-Kindern in einem Zimmer. Sie singen ein Lied, und ich dirigiere sie aus Spaß. Anschließend sollte ich nochmal nur für eine Tonaufnahme lachen. Doch stattdessen kamen mir die Tränen.

Die Szenen mit den dem Tode geweihten Kindern haben die meisten Zuschauer sehr berührt. Wie war das am Set?

Lara: Also die Kinder - von denen übrigens zwei wirklich Geschwister sind - hatten sehr viel Spaß am Dreh. Sie haben das Klima auch immer sehr verändert, einfach weil sie so viele waren und es immer sehr laut wurde. Als die Szene mit Corinna Harfouch (die Magda Goebbels spielte) gedreht wurde, die ihre Kinder mit Kapseln vergiftet, war ich aber nicht da. Für sie war das wohl ein schlimmer Tag.

Was für den Zuschauer frappierend in all dem Elend ist: Sie sehen immer sehr gut und richtig rosig-frisch aus - fast ein wenig zu gut für den stinkigen Bunker?

Lara: [etwas pikiert] Also ich bin für meine Rolle nicht geschminkt worden. So sehe ich halt aus. Aber ich denke, dieses frische, junge Aussehen war wohl auch ein Grund, warum man mich ausgewählt hat.

«Der Untergang» wurde bereits lange vor seinem Starttermin in den Feuilletons kontrovers diskutiert. Dabei bewegte die Kritiker vor allem eine Frage: Darf man Hitler so menschlich zeigen? Was sagen Sie als junge Frau dazu?

Lara: Ich finde den Film mutig und wichtig. Denn diese Auseinandersetzung mit sich selbst, die etwa Traudl Junge vornimmt, ist sehr wichtig. Dieses wirklich fähige Filmteam hatte zudem den Mut, mit der Darstellung Adolf Hitlers einen Schritt weiter zu gehen als Filmemacher es bisher getan haben. Aber ich muss auch sagen, dass ich froh bin, diese Verantwortung nicht auf meinen Schultern zu tragen.


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