Alexandra Maria Lara: «Der Wahnsinn war beklemmend»
09.09.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Nach Auftritten in international produzierten Historiendramen wie «Napoleon» oder «Dr. Schiwago» (mit Sam Neill und Keira Knightley) ist Lara nun in Oliver Hirschbiegels Film «Der Untergang» als Adolf Hitlers Sekretärin Traudl Junge zu sehen. Deren Erinnerungen, in denen sie selbstkritisch ihre Rolle und ihre Erlebnisse im Nationalsozialismus reflektiert, waren sowohl als Buch wie auch in der Verfilmung von André Heller sehr erfolgreich. Sie waren außerdem Grundlage für das Drehbuch von Produzent Bernd Eichinger.
War das Thema Nationalsozialismus für Sie schon ein Thema, bevor Sie die Rolle der Traudl Junge übernommen haben?
Wie war die Zusammenarbeit mit Bruno Ganz, der Adolf Hitler spielt?
Lara: Ich war wirklich fasziniert davon, ihn zu treffen und zu sehen, wie er mit einer solch schwierigen Herausforderung umgeht. Und es war ein Genuss, einem so großen Schauspieler zuzusehen.
Lara: Bei mir war das natürlich anders als bei Bruno Ganz. Wenn da ein Produzent kommt und fragt, möchtest du Adolf Hitler spielen, überlegt man sich das bestimmt mehrmals. Die Traudl Junge zu spielen, ist mir manchmal schwer gefallen, aber nicht sehr. Sie ist in diese Situation jung und etwas naiv hereingeraten und hat noch viele Jahrzehnte dafür bitterböse bezahlt. Aber vor allem war ich froh, dass man bei der Besetzung an mich gedacht hat.
Sie klingen sehr bescheiden, obwohl Sie als junge Schauspielerin schon viele große Filme gemacht haben. Gibt es bereits Anfragen aus Hollywood?
Wie haben Sie sich Ihrer Figur der Traudl Junge angenähert? Hatten Sie an manchen Stellen Probleme, an anderen weniger?
Die Athmosphäre am Set im sehr realistisch nachgebauten Führerbunker wurde von Ihren Kollegen als teilweise angespannt beschrieben. Wie haben Sie das empfunden?
Lara: Es gab schon sehr absurde Momente. Etwa, wenn ich gemeinsam mit der zweiten Sekretärin mit Hitler beim Essen saß oder in anderen Momenten dabei war, aber keinen Text hatte. Dann hatte ich manchmal nach sechs Stunden Dreh in dieser Enge das Gefühl, Adolf Hitler/Bruno Ganz Widerworte geben zu wollen. Dessen Ausbrüche, dessen Wahnsinn war schon beklemmend.
Haben Sie davon geträumt?
Was ist da passiert?
Lara: Es war beim Dreh, ungefähr, als ich die Hälfte meiner Rolle abgedreht hatte. Die Szene ist im Kino nicht zu sehen, aber in der TV-Fassung (die ARD wird den Film ebenfalls ausstrahlen, d. Red). Da bin ich mit den sechs Goebbels-Kindern in einem Zimmer. Sie singen ein Lied, und ich dirigiere sie aus Spaß. Anschließend sollte ich nochmal nur für eine Tonaufnahme lachen. Doch stattdessen kamen mir die Tränen.
Die Szenen mit den dem Tode geweihten Kindern haben die meisten Zuschauer sehr berührt. Wie war das am Set?
Was für den Zuschauer frappierend in all dem Elend ist: Sie sehen immer sehr gut und richtig rosig-frisch aus - fast ein wenig zu gut für den stinkigen Bunker?
Lara: [etwas pikiert] Also ich bin für meine Rolle nicht geschminkt worden. So sehe ich halt aus. Aber ich denke, dieses frische, junge Aussehen war wohl auch ein Grund, warum man mich ausgewählt hat.
«Der Untergang» wurde bereits lange vor seinem Starttermin in den Feuilletons kontrovers diskutiert. Dabei bewegte die Kritiker vor allem eine Frage: Darf man Hitler so menschlich zeigen? Was sagen Sie als junge Frau dazu?
Für das Web ediert von Kerstin Rottmann

