«Die ernähren sich von den Oliven in den Cocktails»
25. Aug 2004 14:18
 | Zu selten auf dem roten Teppich: Jürgen Vogel | Foto: ddp |
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Die Entertainment-Branche hat ein Problem mit dem roten Teppich. Darauf tummeln sich nur noch «Hühner», heißt es. Und die vertreiben die echten Stars.
«Mario Adorf neben Kader Loth geht einfach nicht», sagt Conny Blicke von der Partyagentur Manfred Schmidt und beschreibt ein um sich greifendes Problem von «Promi-Veranstaltungen». Die wahren Stars überlassen den roten Teppich der «Hühner-Liga».
Gerade hat Musiker und TV-Moderator Götz Alsmann der Zeitschrift «TV Spielfilm» gesagt, dass er aus diesem Grund Prominenten-Partys meide: «In den einschlägigen Blättern siehst du Woche für Woche dieselben Leute, die das letzte Mal vor acht Jahren was im Fernsehen gemacht haben. Die ernähren sich von den Oliven in den Cocktails auf den Partys, zu denen sie pausenlos laufen.»Anja Popovic und Franziska von Mutius sind der Sache für die Zeitung «Welt» auf den Grund gegangen und haben herausgefunden, dass die Übergriffe der B-Prominenz die Prominentenparty-Kultur verändern.
Besonders in Berlin seien die «Hühner» («Stöckelschuhe, kurze Kleidchen, gefährlich tiefe Ausschnitte.») ein Problem. Serien-Darsteller und Reality-TV-Show-Teilnehmer flattern hier vor den Objektiven der Kameras herum, während vielfach ausgezeichnete Schauspieler wie Iris Berben, Heino Ferch oder Katja Flint gar nicht erst kommen. «Ich habe keine Lust, über rote Teppiche zu laufen, auf dem sich lauter Menschen tummeln, die ich nicht kenne oder die mit der Schauspielerei nichts zu tun haben», wird Flint zitiert.
«Die, die es nötig haben, sieht man»
Das findet auch Nicole Ritter von der Agentur «Above The Line», die unter anderem Armin Rohde und Hannes Jaenicke vertritt: «Das Phänomen, das man in Berlin bei Filmpremieren beobachten kann, ist sehr schade. Ob sie etwas mit dem Film zu tun haben oder nicht - die Soap-Darsteller sind immer und überall da. Die, die es nötig haben, sieht man. Die, die gut im Geschäft sind und nur zum Spaß kommen würden, sagen ab.»Grund dafür sei wohl auch, das die Filmfirmen nicht mehr so spendabel seien wie früher. Die Liste der Schauspieler, denen An- und Abreise in der Limousine bezahlt werde, sei radikal zusammen gestrichen worden, so der Bericht. Auf der Liste stünden nur noch Stars wie Berben, Rohde, Götz Otto oder Désirée Nosbusch. Die seien wiederum so erfolgreich, dass ihnen Geld nicht so wichtig sei. «Deshalb sind Hühner auf dem Teppich.» Obwohl die häufig gar nicht eingeladen wurden.
«Ich habe Djamila Rowe [Visagistin, die als angebliche Geliebte des Schweizer Botschafters Schlagzeilen machte] nie eingeladen. Bei meiner letzten Premiere kam sie als Begleitperson. Ich weiß nicht einmal von wem», sagt Columbia-Tristar-Deutschland-Chef Martin Bachmann, der Hollywood-Stars wie Will Smith, Tobey Maguire und Drew Barrymore nach Berlin geholt hat. Selbst neben den großen Namen hätte eben die B-Prominenz den meisten Platz auf dem roten Teppich beansprucht.
Exklusive Dinner, weniger Gäste
Deshalb habe er bereits Konsequenzen gezogen: «Unsere Filmpremieren werden kleiner», sagte Bachmann der Zeitung. Es werde wohl darauf hinauslaufen, dass es mehr exklusive Dinner mit weniger Gästen geben werde. Dieses Konzept sei bei der Berlinale bereits erfolgreich getestet worden: Zum Abendessen mit Cate Blanchett kamen Iris Berben, Nadja Auermann und Sky Dumont.«Manchmal will man dieses ganze Gedüdel einfach nicht. Man trifft wenig interessante Leute, dafür aber eine angebliche Nachfolgerin von Heidi Klum im Escada-Kleid. Nur, wer steckt da eigentlich drin?», fragt sich Schauspielerin Monika Hansen, Ehefrau von Otto Sander. «Das Wort prominent kann man sowieso nicht mehr hören. Das kommt durch dieses ganze Star-Putzi-Mutzi: 'Morgen bin ich ein Star.' Ein was? Die werden doch alle ausgebeutet. Ich möchte nicht wissen, was Herr Küblböck verdient. Heißt der eigentlich so?» (nz)