22.07.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Dean Reed
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
In seinem erstmals veröffentlichten Abschiedsbrief gibt der aus den USA stammende DDR-Musikers Dean Reed seiner Frau die Schuld an seinem Freitod. Dabei habe sie gedacht, ihre Ehe sei glücklich, sagt sie.
Auf 15 Seiten hatte der 1986 gestorbene «DDR-Cowboy» Dean Reed Abschied genommen von seinen Freunden und von der DDR. Seiner Frau Renate Blume, mit der er fünf Jahre lang verheiratet war, machte er dagegen schwere Vorwürfe. Sie habe ihn gequält und in den Tod getrieben, hieß es in dem bislang unter Verschluss gehaltenen Brief, aus den «Bild» am Dienstag Auszüge veröffentlicht. Am heutigen Donnerstag kommt nun Deans Witwe zu Wort.
Angeblich hat die Witwe den Brief erst jetzt zu sehen bekommen, nachdem ihn Erich Honecker persönlich im Panzerschrank habe verschwinden lassen, hieß es. «Bis gestern hätte ich immer gesagt, Dean und ich hatten eine glückliche Ehe. Aber jetzt habe ich einen solchen Faustschlag in der Magengrube, dass ich es nicht mehr beantworten kann», so Blume. Der Brief belaste sie sehr.
«Ich sitze ratlos vor diesen Vorwürfen und finde es einfach nur bitter. Das ist eine persönliche Tragödie für mich. Einen Menschen durch Selbstmord zu verlieren, ist ein rabiater Verlust. Ich zweifle die Echtheit des Briefes nicht an. Ich stelle aber immer wieder die Frage, warum hat man mir den Brief nicht gegeben.»
Warum nicht an die Mutter?Reed hatte den Brief damals an Eberhard Fensch adressiert, der im Zentralkomitee der SED für das Fernsehen zuständig war und den Brief weitergegeben haben soll: «Ich verstehe nicht, warum Dean den Brief an Eberhard Fensch geschrieben hat. Der war doch gar kein Freund von uns», sagte Blume. «Außerdem ging es in dem Brief doch nur um mich. Wenn er ihn nicht an mich schreiben wollte, hätte Dean den Brief doch an seine Mutter schreiben können.» (nz)