netzeitung.de«Bully» Herbig: «Ich bin ein gewissenhafter Unterhalter«

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Sein «(T)Raumschiff Surprise» startet gerade durch. Mit der Netzeitung sprach Michael Herbig über Kritik an seinem neuesten Werk, geheime Sehnsüchte nach Dogma-Filmen und den Alptraum «Wetten, dass...?».

Privat ist der Mann sehr unspektakulär. Mit Freundin Daniela ist Michael «Bully» Herbig seit langem zusammen, gerade wurde geheiratet.

Aufregender ist der berufliche Werdegang. Der ehemalige Radiomoderator und Gagschreiber landete in den vergangenen Jahren einen Überraschungscoup nach dem nächsten. Seinen «Erkan & Stefan»-Film wollten über eine Million Leute sehen, sechs Staffeln der «Bullyparade» (Pro7) bescheren dem 36-Jährigen satte Quoten, und dann noch «Der Schuh des Manitu» (2001): 11,7 Millionen Kinokarten werden verkauft. Damit hat «Manitu» mehr Zuschauer als je ein deutscher Film davor oder danach.

Am 22. Juli kommt Bully zurück: Mit «(T)Raumschiff Surprise - Periode I», den Weltraumtunten Spucky, Schrotty, Käpt'n Kork sowie Til Schweiger als coolem «Rock».

Netzeitung: Alle Welt lacht über Ihre Witze. Findet Ihre Frau Sie auch lustig?

Herbig: Sonst könnte man mit mir, glaube ich, nicht zusammen sein. Wir haben einen sehr ähnlichen Sinn für Humor und lachen meistens über den selben Scheiß.

Netzeitung: Was schauen Sie sich am liebsten an?

Herbig: Also, wenn wir hier von Kultfilmen reden, dann würde ich als erstes «Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug» nennen. Irre. Der lustigste Film der Zucker-Brüder, die dann später «Die Nackte Kanone» gemacht haben. Wenn ich den nicht mindestens einmal die Woche angucken kann, dann fehlt mir was. Das «Flugzeug» ist die Bibel für mich.

Netzeitung: Haben Sie sich viel von Jim, Abraham und David Zucker abgeschaut?

Herbig: Der Humor der Brüder hat mich sehr geprägt, das gebe ich gerne zu. Und es bleibt ja nicht aus, dass man den einen oder anderen Gag vielleicht mal leicht abgewandelt in seine eigene Arbeit einbaut. Aber das Allermeiste wächst schon wirklich auf unserem eigenen Mist.

Netzeitung: Waren Sie als Kind eigentlich auch schon komisch?

Herbig: Ich weiß gar nicht, ob «komisch sein» so mein Ziel ist. Ich sehe mich überhaupt nicht als Komiker. Ich bin ein Unterhalter. Es ist gar nicht so einfach, Filme zu machen, bei denen die Leute lachen. Da musst du schon mit einer gewissen Gewissenhaftigkeit rangehen. Aber früher in der Schule war das auch schon so. Die haben mich zum Klassensprecher gewählt, weil ich die Schnauze nicht halten konnte und unbedingt ernst genommen werden wollte von den anderen.

Netzeitung: Hat das geklappt?

Herbig: Nein. Obwohl ich wirklich gute Vorschläge hatte. Ich wollte, dass wir Schüler selbst entscheiden konnten, an welchen Tagen wir zum Unterricht kommen und an welchen wir lieber etwas anderes machen. Blöderweise konnte ich mich damit nicht durchsetzen.

Netzeitung: Sie sind der erfolgreichste Filmemacher Deutschlands. Wissen Sie, warum der «Schuh des Manitu» so erfolgreich ist? Sind Sie ein Genie?

Herbig: Nein, ein Genie bin ich nicht. Gerade für die krankesten Gags brauchst du eine richtig große Portion Disziplin. Ich würde mich eher als fleißig bezeichnen und lebe halt von dem, was mir sowieso am meisten Spaß macht. Bisschen spießig, was?

Netzeitung: Wie läuft das denn ab, wenn Sie mit Ihren Partnern Rick Kavanian und Christian Tramnitz ein Drehbuch schreiben?

Herbig: Acht Uhr wecken. Zähneputzen, frühstücken, Neun Uhr Schreibtisch. Meistens treffen wir uns bei mir in der Küche und fangen einfach an zu schreiben. Wir sitzen eigentlich die ganze Zeit zusammen rum, außer es muss mal wirklich jemand dringend aufs Klo.

Netzeitung: Wie lange haben Sie am Buch zu «(T)Raumschiff Surprise» gesessen?

Herbig: Acht Monate. Der erste Entwurf war allerdings nicht zu bezahlen. Eigentlich wollten wir eine Zeitreise ins Alte Rom unternehmen. Aber das Geld reichte nur bis ins Mittelalter.

Netzeitung: Billig war der Film aber trotzdem nicht.

Herbig: Nee, neun Millionen Euro. Für eine deutsche Produktion ist das sehr viel. Mehr als das Doppelte von dem was wir für «Manitu» zur Verfügung hatten. Aber es öffnen sich halt einige Türen und Töpfe für dich, wenn du einen gewissen Erfolg vorzuweisen hast.

Netzeitung: Was war so teuer?

Herbig: Die Spezialeffekte. Wenn du einen Film machst, der im Weltall spielt, dann willst du ja nicht, dass die Leute nachher im Kino noch die Fäden sehen können, an denen die Raumschiffe durchs Bild gezogen wurden. Und ich sag mal, wir hätten zur Not auch im Schwarzwald drehen können, aber Spanien passte halt besser.

Netzeitung: Sie haben größtenteils mit den selben Leuten gedreht wie bei «Schuh des Manitu». Til Schweiger ist mit einer großen Rolle neu dabei. Wieso gerade er?

Herbig: Wir schrieben am Buch und entwickelten einen Charakter, der nunmal «Rock» heißt und nicht «Bert» oder so. Dafür braucht man natürlich einen unfassbar gut aussehenden, muskulösen, charmanten Draufgängertyp, der alle Frauenherzen bricht, sogar in Hollywood. Wir haben ihn dann angerufen, und er hat sofort zugesagt.

Netzeitung: Hatten Sie Angst, dass der Film ein Flop wird?

Herbig: Nö, vielleicht sollte ich das lieber, weiß nicht. Diesen Druck, von dem alle immer sprechen und nach dem mich alle fragen, den hatte ich nur damals bei «Erkan & Stefan». Bei «Manitu» war mein Ziel, dass er mehr Zuschauer hat als «E & S». Das ist geschafft. Also, wenn ich jetzt ehrlich sein soll, denke ich, dass wir diesmal irgendwo zwischen dem ersten und dem zweiten liegen, so zuschauermengentechnisch.

Netzeitung: Wenn Sie sich entscheiden müssten, ob Sie lieber Regie führen oder die Hauptrolle spielen, was würden Sie machen?

Herbig: Eindeutig Regie. Aber alles zusammen machen dürfen, das ist für mich die Erfüllung eines Lebenstraums. Ich bin in der tollen Situation, Filme machen zu können, die ich auch wirklich gerne mache, die man wirklich selber auch sehen will.

Netzeitung: Sie haben die Zuschauer entscheiden lassen, was für ein Film als nächstes kommt. Ist «(T)Raumschiff» der Film, den Sie am liebsten gemacht hätten?

Herbig: Ich war jedenfalls wirklich froh, dass bei der Abstimmung nicht «Sissi» gewonnen hat. Da hätten wir ein Problem gekriegt, denn im Korsett trete ich ja nur privat auf. Das ist jetzt ein demokratisch gewählter Film, und ich bin eben einer, der seine Wahlversprechen hält.

Netzeitung: Also kommt «Sissi» als nächstes?

Herbig: Glaub' ich nicht.

Netzeitung: Sondern?

Herbig: Im Herbst starten Rick und ich erstmal mit einem neuen Comedy-Format auf Pro7.

Netzeitung: Was machen Sie da?

Herbig: Ähem, Tierdokumentationen. Rick spielt alle Tiere, die es gibt auf der Welt.

Netzeitung: Und dann?

Bully: Ich würde ja gerne mal so einen Dogma-Film drehen, so was ganz, ganz Ernstes. Kein Licht, kein Ton, keine Schauspieler. Keine Farbe natürlich, alles in schwarz-weiß. Und mit tschechischen Untertiteln. Dann sollten Frauen mit Haaren unter den Achseln stundenlang in ihrem schwarzen Kaffee rühren, und irgendwann fährt ein rotes Auto vorbei. Aber wer weiß, wenn niemand den neuen Film sehen will, darf ich vielleicht nie wieder einen machen.

Netzeitung: Pierre Brice, der legendäre Winnetou-Darsteller hat sich seinerzeit auf der «Wetten dass, ...?»-Couch sehr negativ über den «Schuh des Manitu» geäußert. Tat das weh?

Herbig: Er hat mir «zuwenig Respekt vor die Indianer» vorgeworfen. Das hat mich schon mächtig traumatisiert, ich dachte nur «Mein Gott, was erzählt der Mann denn da». Ich hatte mich wirklich gefreut, mit meinem großen Blutsbruder-Idol auf einer Couch zu sitzen, aber nach dieser Tirade war ich ziemlich geplättet.

Netzeitung: Könnte natürlich sein, dass die Leute jetzt wieder schimpfen.

Herbig: Jaja. Der erste hat sich schon beschwert.

Netzeitung: Wer denn?

Herbig: So ein überkorrekter Hetero-Mann. Meinte, wir würden Witze auf Kosten von Randgruppen machen, und mit der «Randgruppe» meinte er die Schwulen. Totaler Schwachsinn. Erstens sind Schwule keine Randgruppe und zweitens fanden von denen alle, die den Film bis jetzt gesehen haben, dass er zum Brüllen lustig ist.

Netzeitung: Und wenn William Shatner oder George Lucas sich beschweren?

Herbig: Ach, die sollen doch froh sein, dass man durch meinen Film wieder an sie denkt. Aber ernsthaft: Ich habe eine Parodie gemacht, und als Parodist nehme ich eine gewisse Narrenfreiheit für mich in Anspruch. Aber einen kleinen Alptraum habe ich trotzdem.

Netzeitung: Nämlich?

Herbig: Ich sitze wieder bei «Wetten dass,...?» und [Spock-Darsteller] Leonard Nimoy kommt rein und zieht mir die Ohren lang.

Das Gespräch führte Steffen Rüth