netzeitung.deNetz-Kontroverse: «Gibt es Bielefeld wirklich?»

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Lupe Netz-Kontroverse: «Gibt es Bielefeld wirklich?»

Bewohner der ostwestfälischen Metropole sind die Attacke bereits gewohnt: «Bielefeld? Gibt es doch gar nicht». Besonders an Fahrt gewonnen hat die Verschwörungstheorie dank Internet.

Ein bekannter Puddingfabrikant lebt dort, an der dortigen Universität lehrten geisteswissenschaftliche Größen wie der verstorbene Niklas Luhmann oder Hans-Ulrich Wehler, und die Kicker des lokalen Vereins sind gerade erst (wieder mal) in die erste Fußballbundesliga aufgestiegen - und dennoch: Bielefeld muss um seine Existenz kämpfen, und das Tag für Tag. Denn viele sind sich sicher - Bielefeld gibt es nicht. Die These, die seit Jahren durch das Internet geistert, bekommt besonders in einschlägigen Foren immer wieder neue Nahrung.
Elvis war schon da
Dort, wo angeblich die Stadt steht, ist in Wirklichkeit eine geheime Militärbasis. Was sich dort befindet, darüber streiten die «Verschwörer», schreibt etwa ddp-Korrespondent Henrik Schmidt. Die einen vermuten, dort werde der frühere US-Präsident John F. Kennedy gefangen gehalten. Der sei nämlich nicht ermordet, sondern nur entführt worden, um zu verhindern, dass er etwas über die nicht stattgefundene Mondlandung ausplaudert. Die Mondlandung, so eine der anderen bekanntesten Verschwörungstheorien der Welt, sei nämlich in Wirklichkeit in einem Filmstudio in Hollywood gedreht worden.

«Bielefeld ist immer eine Reise wert»
Andere vermuten auf der Militärbasis Ufos, Außerirdische oder den Eingang zum Inselreich Atlantis. Auch Rocksänger Elvis ist angeblich schon in Bielefeld gesichtet worden. Um die Basis zu vertuschen, geben sich laut Verschwörungstheorie Regierungen viel Mühe. Auch, wenn die «Bielefeldtheorie» als satirische Verschwörungstheorie nicht ernst gemeint ist.

Zum ersten Mal im Internet veröffentlicht wurde die Bielefeldtheorie 1994 von dem Informatiker Achim Held. Die Urheber entwickelten sie, weil sie zwar immer wieder von «Bielefeld» gehört hatten, aber niemanden kannten, der je dort gewesen ist.

Am «Biertisch» entwarfen sie dann die angebliche Verschwörung, die über das Internet verbreitet wurde. In Bielefeld selbst hat sich die Theorie auch herumgesprochen. «Wir nehmen das mit Humor», sagt Annika Hempelmann vom Presseamt der Stadt.

«Die Theorie hält sich hartnäckig. Seit Jahren sind immer wieder auch entsprechende Einträge im Gästebuch der Bielefelder Internetseite zu finden.» Anhängern der Theorie rät sie, einfach vorbei zu kommen. «Bielefeld ist immer eine Reise wert.»


Für das Web ediert von Kerstin Rottmann