10.06.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Harald Juhnke
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Am Donnerstag feiert Deutschland den 75. Geburtstag seines einzigen jemals Las-Vegas-tauglichen Entertainers. Harald Juhnke selbst wird es wohl nicht bemerken.
Das Traurige an den Geburtstagsartikeln und Festreden, die anlässlich des 75. Geburtstags von Harald Juhnke erscheinen, ist, dass sie sich wie Nachrufe anhören. Denn der Gefeierte lebt seit knapp drei Jahren demenzkrank in einer Klinik in Berlin. Hoffnung, dass er noch einmal wie früher eine von spärlich bekleideten Showgirls gesäumte Treppe herabschreiten wird, um sein Publikum zu unterhalten, gibt es keine.
Seine Frau, sein Sohn und engste Freunde werden Juhnke besuchen. «Bunte»-Kolumnist Paul Sahner berichtet in der «Süddeutschen Zeitung», dass es dem Sänger und Schauspieler Anfang vergangenen Jahres zumindest körperlich noch gut ging, doch sei er geistig verwirrt. Er glaube, noch immer ein gefeierter Star mit ausgebuchtem Terminkalender zu sein. Seine Besucher erkenne er nicht mehr, dafür spreche er über längst verstorbene Show-Kollegen, als würden sie noch leben. «Es gibt noch viele Rollen, die ich zu spielen habe», soll der Film- und Bühnenstar gesagt haben. Doch auch, wenn Juhnke es selbst nicht bemerken wird, feiert Deutschland am Donnerstag seinen einzigen jemals Las-Vegas-tauglichen Entertainer.
«Unser Harald»Wie nur wenige andere deutsche Stars hat der 1929 in einem Berliner Arbeiterkiez geborene Harry Heinz Herbert Juhnke das ganze Land für sich einnehmen können. Selbst als seine Alkoholsucht ihn schon zum für alle deutlich erkennbaren Wrack gemacht hatte, schrieben Boulevardblätter noch liebevoll «Unser Harald ist mal wieder abgestürzt». Er selbst sah das realistischer und vor allem immer mit dem Blick auf die Ewigkeit: «Zu Tode saufen - was soll's. Dean Martin, Richard Burton, Romy Schneider und Frank Sinatra haben das perfekt hingekriegt. Es gibt Schlimmeres.» Das Volk liebe ihn, weil es sich in seinen Problemen wieder erkenne, meinte er. Und deshalb hielt er sich auch für unangreifbar.
Das erste Mal auf der Bühne stand Juhnke im Alter von 19 Jahren. Da war er als junger Offizier am Maxim-Gorki-Theater in Berlin zu sehen. Dort und an der Freien Volksbühne Berlin blieb er, bis er in den 50er Jahren sein Talent im Fernsehen beweisen konnte. Ein Medizin-Studium hatte er zugunsten der Schauspielerei abgebrochen.
«Ein Mann will nach oben»In den 70er Jahren wurde der Mann mit der schnoddrig-charmanten Art endgültig zum Publikumsliebling. Er hat insgesamt in mehr als 70 Fernseh- und Kinoproduktionen mitgespielt - von «Pepe, der Paukerschreck» bis «Schtonk!». Vor allem in TV-Serien gab er den Komödianten wie zum Beispiel an der Seite von Grit Böttcher in «Ein verrücktes Paar». Und immer wieder kehrte er auf die Theaterbühne zurück, wo er 1996 unter anderem den «Hauptmann von Köpenick» spielte. Juhnke wurde für seine Arbeit unter anderem mit der Goldenen Kamera (1981), dem Deutschen Filmpreis (1991) und dem Bambi (1992) ausgezeichnet.
Vor allem aber war er ein begnadeter Entertainer. Er sah sich selbst in der Tradition eines Sinatra und kam ihm in seinem Musik-Shows wie «Musik ist Trumpf» oder «Wie wär's heut mit Revue?» zuweilen sehr nah. «Er war mein Seelenbruder. Auch seine Affären, Auswüchse und Alkoholorgien waren Legende. Im Diesseits haben wir uns leider nie kennen gelernt, vielleicht klappt's in Jenseits. Frankie und Harry auf Wolke sieben - für alle da oben 'My Way' singend. Das wär's!» Juhnkes Traum, den Höhepunkt seiner Karriere mit einem Auftritt in Las Vegas zu feiern, ist nie in Erfüllung gegangen.
Am 10. Juni wird Harald Juhnke 75 Jahre alt.