24.05.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Michael Mittermeier
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Für den Stand-Up-Comedian Michael Mittermeier ist seine harte Kritik an Politikern wie Merkel, Schäuble und Westerwelle reine Selbstverteidigung.
«Angela Merkel als Bundeskanzlerin? Das Auge wählt doch mit! Sie taugt nicht mal zur Diktatorin. Sie könnte nie so was werden wie Saddam Hussein, denn es findet sich niemand, der ihre Doppelgängerin werden möchte - aber ich will jetzt nicht so viel auf Angela Merkel rumreiten. Wer will das schon», so ein Auszug aus dem Programm des erfolgreichen deutschen Stand-Up-Comedian Michael Mittermeier, der kurz darauf den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) als «hinterhältige Karpfenfresse» bezeichnet. Mittermeier nennt das seine Reaktion auf «persönliche Beleidigungen».
«Frau Merkel hat zu Beginn des Irak-Konflikts erklärt: 'Der Irak hat Massenvernichtungswaffen, deshalb ist der Krieg nötig'. Danach sagte Wolfgang Schäuble: 'Die Leute, die von Anfang an gegen diesen Krieg waren, haben ihn erst möglich gemacht'», verteidigt sich Mittermeier im Interview mit dem Magazin «Neon». «Bei Politikern, die so abgefeimt öffentlich lügen wie die beiden, muss ich mich nicht zurückhalten.» Allerdings sei Schäuble der einzige Rollstuhlfahrer, über den er Witze mache. «Und was Merkel angeht: Wenn man ehrlich ist, steckt in meinen Bemerkungen ja auch etwas Wahres.»
Michel Friedman? Zu leicht!Wenn Mittermeier auf der Bühne über Dieter Bohlen schimpft oder über Selbstmörder-Stammtische und Al-Qaeda-Dönerbuden witzelt, sei er sich dem Ende seiner Komik sehr wohl bewusst: «Andere Comedians machen Nummern über die Toten des 11. September, über zerfetzte GIs im Irak oder die Terroranschläge in Madrid, um als besonders harte Hunde Aufmerksamkeit zu erregen. So was mache ich nicht», sagt der 38-Jährige. «Ich gehe auf die Bühne und sage 'Extremisten sehen scheiße aus'. Und dann gibt es Ereignisse und Personen, über die es zu leicht ist, Witze zu machen: Michel Friedman, Big Brother? Darauf habe ich keinen Bock. Es würde mich langweilen, die Schlappschwänze und Karaoke-Sänger bei 'Deutschland sucht den Superstar' als Einzelpersonen nass zu machen. Es geht mir ums System.«
Mittermeiers neues Programm »Paranoid« ist ab Montag im Handel. Am gleichen Tag ist er auch zu Gast bei «Anke Late Night». (nz)