netzeitung.deKatie Melua: Norah Jones ist lieblicher

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Lupe Katie Melua: Norah Jones ist lieblicher

Nach Norah Jones und Joss Stone hat mit Katie Melua eine weitere Songwriterin im Pop-Geschäft Erfolg. Die 19-Jährige sprach mit der Netzeitung über «Dreckslieder», Konkurrenz und Musik für junge Menschen.

Sie kann die Vergleiche mit Norah Jones schon nicht mehr hören. Dabei hat Katie Melua gerade ein ähnlich erfolgreiches Debüt hingelegt wie ihre amerikanische Kollegin. Das Album «Call Off The Search» hat sich in den ersten vier Wochen mehr als eine Million Mal verkauft und ist in Großbritannien auf Platz eins der Charts gelandet.

Das findet die in Georgien geborene Melua allerdings nicht so wichtig. Sie wohnt noch immer bei ihren Eltern und hat angeblich nicht vor, ihren Lebensstil groß zu ändern. Entdeckt wurde die 19-Jährige von dem britischen Erfolgs-Produzenten Mike Batt. Seit dem 5. April steht Meluas blues-jazziges Erstlingswerk auch in deutschen Plattenläden.

Netzeitung: Was haben Sie gerade gemacht, als Sie erfuhren, dass Ihnen der ganz große Durchbruch gelungen ist?

Katie Melua: Es war Freitagabend. Ich lag schon im Bett und schlief. Dann klingelte das Telefon, und ich war genervt, dass ich aufgeweckt wurde. Mike [Batt, Produzent] meldete sich und sagte: 'Katie, ich wollte dir sagen, dass du auf Platz eins der Charts bist.' Da war ich natürlich nicht mehr sauer, dass er mich geweckt hat.

Netzeitung: Und haben Sie dann überlegt, ob Sie sich lieber einen Porsche oder einen Mercedes kaufen sollen?

Melua: Nein, überhaupt nicht. Es gibt mir nicht besonders viel, materielle Dinge zu kaufen.

Netzeitung: Stimmt es, dass Sie noch zuhause wohnen?

Melua: Ja. Allerdings habe mir schon Gedanken darüber gemacht, demnächst auszuziehen. Aber gerade habe ich einfach keine Zeit, mir ein Haus zu kaufen und es einzurichten.

Netzeitung: Hat ihr Freund, der auch Musiker ist, Probleme mit Ihrem Erfolg?

Melua: Er unterstützt mich sehr. Er versteht meine Situation.

Netzeitung: Warum geben Sie ihm nicht einen Platz in Ihrer Band?

Melua: Um ehrlich zu sein: Ich habe ihn gefragt. Aber er will in seiner Band bleiben. Er will dafür bekannt sein, in seiner eigenen Band zu spielen, nicht in der seiner Freundin.

Netzeitung: Beschreiben Sie bitte mal Ihre Musik.

Melua: Es ist eine sehr grundlegende Form der Musik. Es geht allein um die Songs und die Stimme, nicht um große Produktionen oder irgendwelche Extras.

Netzeitung: Wann haben Sie angefangen, Musik zu machen?

Melua: Das mit dem Singen begann im Alter von sechs Jahren. Aber es war immer nur ein Hobby. Doch vor vier Jahren habe ich bemerkt, dass ich ohne Musik nicht leben kann. Dann wurde es eben die große Sache in meinem Leben.

Netzeitung: Welche Instrumente spielen Sie?

Melua: Gitarre und ein bisschen Klavier.

Netzeitung: Nervt es Sie, dass Sie andauernd mit Norah Jones verglichen werden? Was unterscheidet Ihre Musik von ihrer?

Melua: Unsere Alben sind sehr unterschiedlich. Zum Beispiel spielt sie Klavier, ich Gitarre. Außerdem sind die Bilder, die Norah Jones in ihren Liedern benutzt, nicht so direkt wie meine. Ich spreche in meinen Liedern deutlich von Drogen und Politik. Ihre Texte sind lieblicher.

Netzeitung: Sehen Sie sich als Konkurrentinnen?

Melua: Lieber Gott, nein, niemals! Ich bin ein riesiger Fan von Norah Jones! Ich habe sie leider noch nie getroffen, was ich aber gerne würde. Sie ist sehr talentiert. Um ehrlich zu sein, ich mache das Ganze hier nicht aus geschäftlichen Gründen. Also gibt es keinen Grund, sie als Konkurrentin zu sehen. Außerdem: Dem Musikgeschäft geht es derzeit so schlecht, dass man nicht gegeneinander arbeiten, sondern sich gegenseitig unterstützen sollte. Ich mache mir wirklich keine Gedanken über Verkaufszahlen. Die einzige Sorge, die ich habe ist, dass ich eines Tages mal ein richtiges Dreckslied schreibe.

Netzeitung: Warum glauben Sie, werden Sie in dieselbe Schublade gesteckt?

Melua: Es ist die gleiche Art von Musik. Wir haben die gleichen Ideale. Wir spielen beide unsere Instrumente selbst. Wir haben beide schwarzes, gelocktes Haar. Aber wahrscheinlich war das damals auch schon so, und die Medien haben auch die Rolling Stones und die Beatles in die gleiche Schublade gesteckt.

Netzeitung: Stört es Sie, dass Ihre Musik - wie die von Norah Jones - eher von älteren Leuten gehört wird als vom MTV-Publikum?

Melua: Ich habe keine Kontrolle darüber, wie ich bei den Menschen ankomme. Ich spiele einfach nur die Lieder, die ich liebe. Vielleicht liegt es daran, dass meine Generation niemals diese großartigen Künstler hatte, wie es sie zur Zeit meiner Eltern gab: wie die Stones, die Beatles, Bob Dylan, Neville Fitzgerald oder Joni Mitchell. Und daran denkt eben heute fast keiner mehr: Dass es darum geht gute Texte und gute Melodien zu schreiben.

Andererseits war ich gerade in Großbritannien auf Tour und habe auf den Konzerten viele junge Leute gesehen. Was mich zugegebenermaßen selbst überrascht hat. Vielleicht suchen die jungen Menschen gerade in der heutigen Zeit nach dieser Art von Musik. Ich bin ja erst 19 Jahre alt, aber ich habe selbst nach dieser Musik gesucht, als ich 15 war.

Mit Katie Melua sprach Matthias Würfl