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Lupe Marie Trintignant: Schauspielerin und Symbolfigur

Seit Dienstag wird in Litauen über den Tod der französischen Schauspielerin Marie Trintignant zu Gericht gesessen. Ein Rückblick auf ihr Leben. Thema: Der Prozess um den Tod von Marie Trintignant Beginn des Prozesses gegen Bertrand Cantat Cantat der ...

Das Gewicht des öffentlichen Interesses hat sich schon längst vom Opfer auf den Täter verlagert. Die Berichterstattung über den gewaltsamen Tod der französischen Schauspielerin Marie Trintignant beginnt nun mit dem Namen des Mannes, der sich im litauischen Vilnius vor Gericht für ihren Tod verantworten muss. Damit der Name ihrer Tochter nicht hinter dem von Bertrand Cantat verschwindet, hatte Trintignants Mutter sogar ein Buch geschrieben.

In ihrem Buch «Marie, meine Tochter» hatte sich Nadine Trintignant ihrem Hass auf den «Mörder» ihrer Tochter hingegeben. 85 Mal hatte sie das Wort benutzt, kein Mal wird der Name Cantats genannt. Dessen Anwalt hatte versucht, die Auslieferung des Buches zu verhindern - wegen «Vorverurteilung». Doch hatte ein Pariser Gericht den Verkauf weiterhin erlaubt. Es sei «Ausdruck eines immensen Schmerzes». Das Buch wurde ein Bestseller, und nach einem Bericht der «Berliner Zeitung» liegt es in den Geschäften häufig nicht weit von den Alben von Cantats Band Noir Désir, deren Aufnahmen sich zur Zeit ebenso bestens verkaufen.

Dreharbeiten mit Mutter und Freund
Marie Trintignant war im vergangenen Jahr nach Vilnius gefahren, um dort unter der Regie ihrer Mutter einen Fernsehzweiteiler über die französische Autorin Colette zu drehen. Ihr Freund Cantat, der für die neue Beziehung Frau und Kinder verlassen hatte und ihre Liebe als «jenseits der Grenzen aller Welten» beschrieb, war mitgekommen.

Nach der Arbeit und ein bisschen Alkohol war es Abend des 26. Juli im Hotelzimmer zum Streit zwischen Cantat und Trintignant gekommen. Eine SMS von Trintignants Ex-Freund soll der Anlass gewesen sein, so Berichte aus dem Vorjahr. Cantat der zuerst alle Schuld von sich wies, hatte später zugegeben, seine Freundin im Verlauf des Streits geohrfeigt zu haben. Sie sei hingefallen und habe sich wohl gestoßen.

Gerichtsmediziner stellten dagegen in der Autopsie fest, dass die Schauspielerin so heftig an den Kopf geschlagen worden war, dass ihr Gehirn durchgerüttelt wurde «wie das eines Boxers im Ring», zitiert die «Süddeutsche Zeitung». Trintignant war daraufhin ins Koma gefallen. Und Cantat hatte sie liegen gelassen. Er habe gedacht, sie schlafe tief, so seine Erklärung.

Erst am folgenden Morgen, wieder nüchtern, habe ihn Panik überfallen. Da war es jedoch zu spät für Trintignant. Ihre Mutter ließ sie zum Sterben in die Heimat nach Paris fliegen. Cantat blieb in Vilnius, in Untersuchungshaft.

Kinderstar
Marie Trintignant hatte bereits als Kind vor der Kamera gestanden, denn sowohl Mutter als auch Vater waren im Filmgeschäft tätig. Die Mutter eben als Regisseurin und der Vater, Jean-Louis Trintignant, als Schauspieler. Marie Trintignant spielte neben Claudia Cardinale, Philippe Noiret und Fanny Ardant. Sie arbeitete unter der Regie von Claude Chabrol («Eine Frauensache», 1988) und Leos Carax («Die Liebenden von Pont-Neuf», 1991). Oft war sie in Krimis und Komödien zu sehen. Ihre letzten international erfolgreichen Produktionen wie «Der Schrei der Seide» von 1996 und «Jenseits aller Regeln» von 1998.

In Frankreich waren die Schauspielerin und ihr Rockerfreund - dessen Popularität in Frankreich ungefähr mit der von Herbert Grönemeyer in Deutschland zu vergleichen ist - ein beliebtes Prominentenpaar. Mittlerweile ist die Schauspielerin zu einer Symbolfigur im Kampf gegen Gewalt gegen Frauen geworden. Für den war früher auch Cantat eingetreten, als er noch für sein weltverbesserisches Engagement geschätzt wurde. (nz)


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