Marie Trintignant: Schauspielerin und Symbolfigur
In ihrem Buch «Marie, meine Tochter» hatte sich Nadine Trintignant ihrem Hass auf den «Mörder» ihrer Tochter hingegeben. 85 Mal hatte sie das Wort benutzt, kein Mal wird der Name Cantats genannt. Dessen Anwalt hatte versucht, die Auslieferung des Buches zu verhindern - wegen «Vorverurteilung». Doch hatte ein Pariser Gericht den Verkauf weiterhin erlaubt. Es sei «Ausdruck eines immensen Schmerzes». Das Buch wurde ein Bestseller, und nach einem Bericht der «Berliner Zeitung» liegt es in den Geschäften häufig nicht weit von den Alben von Cantats Band Noir Désir, deren Aufnahmen sich zur Zeit ebenso bestens verkaufen.
Nach der Arbeit und ein bisschen Alkohol war es Abend des 26. Juli im Hotelzimmer zum Streit zwischen Cantat und Trintignant gekommen. Eine SMS von Trintignants Ex-Freund soll der Anlass gewesen sein, so Berichte aus dem Vorjahr. Cantat der zuerst alle Schuld von sich wies, hatte später zugegeben, seine Freundin im Verlauf des Streits geohrfeigt zu haben. Sie sei hingefallen und habe sich wohl gestoßen.
Gerichtsmediziner stellten dagegen in der Autopsie fest, dass die Schauspielerin so heftig an den Kopf geschlagen worden war, dass ihr Gehirn durchgerüttelt wurde «wie das eines Boxers im Ring», zitiert die «Süddeutsche Zeitung». Trintignant war daraufhin ins Koma gefallen. Und Cantat hatte sie liegen gelassen. Er habe gedacht, sie schlafe tief, so seine Erklärung.
Erst am folgenden Morgen, wieder nüchtern, habe ihn Panik überfallen. Da war es jedoch zu spät für Trintignant. Ihre Mutter ließ sie zum Sterben in die Heimat nach Paris fliegen. Cantat blieb in Vilnius, in Untersuchungshaft.
In Frankreich waren die Schauspielerin und ihr Rockerfreund - dessen Popularität in Frankreich ungefähr mit der von Herbert Grönemeyer in Deutschland zu vergleichen ist - ein beliebtes Prominentenpaar. Mittlerweile ist die Schauspielerin zu einer Symbolfigur im Kampf gegen Gewalt gegen Frauen geworden. Für den war früher auch Cantat eingetreten, als er noch für sein weltverbesserisches Engagement geschätzt wurde. (nz)
Für das Web ediert von Sophie Albers
